Deutsche Skimeisterschaften in Altenberg beendet In Altenberg wurden am Sonntag, dem 23.2.1956, die Nordischen Deutschen Skimeisterschaften mit dem Spezialsprunglauf beendet. Deutscher Meister im Springen wurde Harry Glass (Dynamo Klingenthal) vor Helmut Recknagel (Motor Zella-Mehlis) und Titelverteidiger Werner Lesser (Dynamo Brotterode). UBz: Der Deutsche Meister Harry Glass in Aktion. Foto: Von Bundesarchiv, Bild 183-53391-0005 / Löwe / CC-BY-SA 3.0.

Cortina 1956: Als ein Vogtländer die erste DDR-Olympiamedaille gewann

Medaillenflut für die Sowjets

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Die ersten Olympischen Winterspiele in Cortina d’Ampezzo fanden 1956 vom 26. Januar bis zum 5. Februar statt. Sie waren ein durchaus zeichensetzendes und prägendes Ereignis. Erstmals war Olympia – wie die Fußball-WM in der Schweiz zwei Jahre zuvor – ein riesiges TV-Ereignis. Der Sturz eines Schlittschuhathleten, der bei der Eröffnungsfeier beim Einlauf ins Stadion mit der olympischen Flamme über ein Kabel stolperte, wurde nun weltweit live übertragen. Auch auf sportlicher Ebene war in den Dolomiten eine Revolution zu besichtigen. Die erstmals antretende sowjetische Mannschaft setzte sich aus dem Stand mit sieben gewonnenen Goldmedaillen direkt an die Spitze des Medaillenspiegels und landete damit weit vor dem US-Team. Das führte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem Moment des tiefen Entsetzens, der fast schon den Sputnikschock des Jahres 1957 vorwegnahm, der durch das erste erfolgreiche Erreichen des Weltraums durch einen sowjetischen Satelliten ausgelöst wurde.

Finnen mit neuem Sprungstil

Es war die Hochzeit des Kalten Krieges, in der fast alles vor dem Hintergrund des globalen Systemwettbewerbs der beiden Supermächte interpretiert wurde. Cortina dʽAmpezzo brachte aber auch den endgültigen Aufstiegs Österreichs zur Wintersportnation, das sich auf den zweiten Platz des Medaillenspiegels schieben konnte. Großen Anteil daran hatte der Tiroler Skirennläufer Toni Sailer, der erstmals bei Olympischen Spielen alle drei damals ausgetragenen alpinen Disziplinen – Abfahrt, Slalom und Riesenslalom – gewinnen konnte und der 1999 zu „Österreichs Sportler des Jahrhunderts“ gewählt wurde.

Die deutsche Olympiaauswahl trat damals noch als gemeinsame Mannschaft mit Athleten aus der Bundesrepublik sowie aus der DDR an. Am 5. Februar 1956 gewann der aus dem vogtländischen Klingenthal stammende Skispringer Harry Glass als Dritter des Skispringens von der Normalschanze die erste Olympiamedaille für einen Sportler aus der DDR überhaupt. Zweifellos ein wichtiger sporthistorischer Moment, der am Beginn des Aufstiegs der DDR zur Wintersport-Supermacht stand.

75 Jahre DDR

Auch der Wettkampf selbst wurde zu einem historischen Moment: Die Finnen sprangen mit einer neuen Technik (Arme eng am Körper statt nach vorne gestreckt) das Skispringen und holten einen Doppelsieg. Antti Hyvärinen gewann Gold vor Aulis Kallakorpi. Harry Glaß sicherte sich mit 224,5 Punkten Bronze – nur hauchdünn vor dem viertplatzierten Max Bolkart aus Oberstdorf. Die neue Technik wurde kreiert vom Schweizer Andreas Däscher, der die sogenannte Däscher-Technik (auch „Däscher-Stil“ oder Vorläufer des modernen Parallelstils) entwickelte: Arme nach hinten geworfen, Hüfte nach vorne geschoben. Der Höhenflug des DDR-Wintersports gipfelte dann darin, dass die Athleten aus dem Arbeiter- und Bauernstaat bei den Spielen von Sarajevo im Jahr 1984 sogar noch vor der Sowjetunion die Medaillenwertung gewannen.

 Arne Schimmer

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