In der Ausgabe des AUFGEWACHT-Magazins mit dem Titel „Endkampf im Nahen Osten: Droht der Dritte Weltkrieg?“ legen wir den Finger in die Wunde und machen deutlich, aus welcher Richtung die Gefahr droht. Die umfassende geopolitische Analyse zu einer Region, von der der nächste Weltenbrand auszugehen droht. Das Heft können Sie HIER bestellen.
Robert Steuckers, geb. 1956 im belgischen Uccle, ist studierter Germanist und Anglist. Von 1985 bis 2005 leitete er ein Übersetzungsbüro in Brüssel und war als Realschullehrer tätig. Zwischen 1980 und 1983 gründete er die Zeitschriften „Orientations“ und „Vouloir“ und war von 1983 bis 2003 als Generalsekretär der Vereinigungen EROE (Brüssel) und „Synergies Européennes” tätig. 2007 startete er den Blog „euro-synergies.hautetfort.com”, der mehr als 25.000 Hintergrundartikel enthält. Das nachfolgende Interview mit Robert Steuckers wurde im Januar 2026 geführt.
Zu Beginn des Jahres 2026 scheint die Welt in Flammen zu stehen, wenn man Venezuela, Grönland oder den Iran betrachtet. Gibt es einen Zusammenhang zwischen all diesen Brennpunkten?
Der Zusammenhang all dieser Spannungsfelder liegt darin, dass die Hegemonie der unipolaren Welt nach dem Kalten Krieg durch eine Reihe neuer Verschiebungen in Frage gestellt wird. Zu nennen wäre das große Projekt der kontinentalen Konnektivität, das von Xi Jinpings China vorangetrieben wird und die Landkommunikationen im Heartland Zentralasiens und Russlands festigt. Die Anziehungskraft, die dieses Projekt in bedeutenden Gebieten der früher von den US-Militärbündnissen dominierten Rimlands ausübt, vor allem in Südostasien, Indonesien und im Iran; ist beträchtlich. Damit einher geht die De-Dollarisierung des Handels und die zunehmende Bedeutung des chinesischen Yuan. Dieses groß angelegte Projekt betrifft auch den iberisch-amerikanischen Raum, vor allem weil venezolanisches Öl nach China fließt und China auch die innere Konnektivität Südamerikas organisiert. Beispiele wären die Eisenbahnverbindung zwischen Peru und Brasilien und der Aushub eines transozeanischen Kanals in Nicaragua. Der Hegemon, der seinen Teil am Weltvermögen nicht ganz verlieren möchte, setzt alles auf eine Karte: Er versucht, China von seinen venezolanischen Öllieferungen abzuschneiden und ein technokratisches Projekt wiederzubeleben, das in den Vereinigten Staaten während der Zwischenkriegszeit existierte: die Schaffung eines nord- und zentralamerikanischen „Technate“.
Dieses ist auf die USA zentriert und umfasst Kanada, Grönland, Mexiko, alle kleinen Staaten Zentralamerikas, Kolumbien und Venezuela. Wenn dieses „Technate“ der amerikanischen Technokraten, unterstützt von den neuen großen Magnaten der heutigen Technokratie (Musk, Thiel, Palantir), realisiert würde, hätten die USA Ressourcen, die sie sehr lange autark machen könnten. Zudem würde es ihnen die vollständige Kontrolle Grönlands ermöglichen, die neuen Seewege im Arktisbereich zu kontrollieren.
„Eine tödliche Gefahr für Eurasien“
Was halten Sie von Trumps „Donroe“-Doktrin, wonach die USA eine unbegrenzte Hegemonie in der amerikanischen Hemisphäre ausüben wollen?
„Donroe“ ist ein Wortspiel, bei dem die Monroe-Doktrin („Amerika den Amerikanern“) von 1823 mit dem Vornamen Donald Trumps verbunden wird. Die Monroe-Doktrin zielte darauf ab, jegliche europäische Präsenz auf den beiden amerikanischen Kontinenten auszuschließen. Sie wurde 1904 durch das „Roosevelt-Korollarium“ ergänzt, das nach einem deutsch-britischen Versuch, in Venezuela zu intervenieren, das ein von den USA geschützte Land war, entstand. Dieses Korollarium sah eine militärische Intervention der USA gegen jede lateinamerikanische Regierung vor, die „die guten Sitten der Zivilisation“ verletzte, und wurde rasch als „Big Stick Policy“ (Politik des großen Knüppels) bekannt. Heute ergänzt die „Donroe“-Doktrin die Monroe-Doktrin sowie das Roosevelt-Korollarium, indem sie die amerikanische Hegemonie in der Karibik (Kuba ist direkt bedroht) bekräftigt und jede zu intensive wirtschaftliche Kollusion zwischen China und einem Land des „Technate“-Raums abwehrt.

Welcher der derzeitigen weltweiten Konflikte ist am gefährlichsten und hat die gravierendsten Folgen?
Um China zu kontrollieren, nicht nur in den Rimlands Südostasiens und des indischen Subkontinents (Indien und Pakistan), sondern entlang aller Konnektivitätswege, die durch die chinesische „Belt and Road“-Initiative entstanden sind, muss man die Energieversorgung Pekings einschränken. Das ist einer der Hauptgründe für den kurzen amerikanischen Militäreinsatz in Caracas am 3. Januar und die anschließende Kontrolle venezolanischer Erdölreserven. Während China für Venezuela der wichtigste Kunde für Öl bleibt, ist der Iran für Xi Jinping der wichtigste Lieferant von Kohlenwasserstoffen. Die amerikanische Unterstützung für Proteste im Iran, motiviert durch die unzähligen Sanktionen, die das Land seit Jahrzehnten treffen, erfolgt – und das ist kein Zufall – gerade zu dem Zeitpunkt, seitdem die Bahnverbindungen mit China seit dem Frühjahr 2025 Realität geworden sind und die letzte Strecke der Bahnlinie vom iranischen Hafen Bandar Abbas am Indischen Ozean bis zur aserbaidschanischen Grenze (Astara) im Dezember letzten Jahres fertiggestellt wurde. Die Konnektivität zwischen Indien und Russland ist nun durch den INSTC („International North-South Transport Corridor“) und die Bahnverbindung zwischen China und der Türkei über die kleinen zentralasiatischen Länder sowie den Iran möglich. Es ist genau diese doppelte Konnektivität, die die USA laut der geopolitischen Theorie von Denkern wie Halford John Mackinder, Homer Lea und Nicholas Spykman zerstören wollen. Das zentrale, unverzichtbare Glied dieser beiden neuen Konnektivitäten ist der Iran. Deshalb muss er zu einem Ort dauerhaften Chaos werden, ähnlich wie Libyen und Syrien. Angesichts der Volatilität der Region, der Nähe Irans zu Russland, Europa, Indien und China, würde jede organisierte Unordnung in dieser Drehscheibe eine tödliche Gefahr für alle Staaten auf der eurasischen Landmasse darstellen.
„Wir steuern auf den totalen Zusammenbruch zu“
Welches geopolitische Konzept, entwickelt von welchem Denker, ist für unsere Zeit am relevantesten?
Alle geopolitischen Konzepte sind relevant, und es ist wichtig, möglichst viele davon zu kennen, um die aktuellen Ereignisse richtig zu interpretieren. Man entkommt der Konfliktlogik zwischen Heartland und Rimlands, zwischen tellurischen und thalassokratischen Mächten, nicht einmal mit dem Aufstieg und der Weiterentwicklung der Luftwaffe sowie ballistischer Raketentechnologie. Die Antwort auf die Theoretiker der angelsächsischen Geopolitik (Mackinder, Lea) wurde in Deutschland von Karl Haushofer gegeben, der eine Großkontinental-Allianz zwischen Deutschland, Italien, der UdSSR und Japan befürwortete. Allerdings wurden einige bedeutende Werke in den Debatten, die von denen angestoßen wurden, die den bestehenden Hegemonismus ablehnen, vergessen – ohne in die langweilige, fast hysterische Rhetorik der etablierten Linken zu verfallen. Ich werde mit dem Ideal der Triade beginnen, das unter den nationalrevolutionären Denkern der Weimarer Republik (Niekisch, Jünger, Hielscher, Scheringer usw.) populär war. Die Triade ist die erhoffte Allianz zwischen einem zukünftigen Regime in Deutschland, das nie entstehen sollte, der stalinistischen UdSSR und dem nationalistischen China der Kuomintang, organisiert durch General von Seeckt. Otto-Ernst Schüddekopf analysierte sehr gut die Wirrungen dieses Triadenprojekts in seinem Werk über den deutschen „National-Bolschewismus“, das heute leider etwas in Vergessenheit geraten ist.

Weiterhin, angesichts der Bedeutung und Entwicklung der Konnektivitäten im chinesischen Projekt, sollte man einen völlig vergessenen Autor wiederentdecken: Richard Henning, einen deutschen Geopolitologen der Verkehrsgeographie, der nach 1945 in Argentinien Karriere machte. Schließlich, und das ist eine Aufgabe, die ich angehen werde, sollte man die sehr treffende Rezeption der deutschen und europäischen geopolitischen Theorien in den Militärschulen Argentiniens, Chiles und Brasiliens untersuchen, insbesondere die Rezeption von Friedrich Ratzel. Schließlich ist Italien heute in Europa das Land mit den meisten Instituten für geopolitische Studien, in denen deutsche Klassiker wie Ratzel und Haushofer wieder aufgelegt werden. In Spanien gibt es den Colonel Pedro Banos, der immer wieder Bestseller zu diesem Thema veröffentlicht.
Welche geopolitische Priorität sollten die Europäer in den nächsten 10 bis 15 Jahren setzen?
Die Prioritäten der europäischen Politik, wie sie heute gesetzt werden, werden Europa nur in einen noch schlimmeren Niedergang treiben, als es das Römische Reich einst erlebt hat. Wir steuern auf einen totalen Zusammenbruch unserer Wirtschaft und Sozialsysteme zu, begleitet von einem autochthonen demographischen Winter und einer Überflutung durch unkontrollierte Migrationen. Alternative Bewegungen müssen eine andere Politik formulieren. Wichtige Punkte wären: Rückkehr zu günstigen Energien, Priorisierung der Diplomatie gegenüber allen Formen der kranken Kriegstreiberei, Wiederherstellung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, Respekt gegenüber nicht-europäischen politischen Regimen in den Regionen, aus denen Rohstoffe und Nahrungsmittel kommen, denn wir sind nicht autark, sowie die Wiederherstellung der Qualität unserer Bildungseinrichtugen.
Herr Steuckers, wir danken Ihnen für das Gespräch!
■ Das Interview wurde von Arne Schimmer geführt.
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