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Auf der polnisch verwalteten Seite von Görlitz erinnert ein Denkmal an ein Kuriosum aus dem Ersten Weltkrieg: An die 7.000 griechische Soldaten wurden 2016 in Ostmakedonien von bulgarischen und deutschen Truppen gefangengenommen und sodann zur Kriegsgefangenschaft nach Görlitz gebracht, von wo die meisten 1919 wieder in die Heimat zurückkehrten. Es war kein klassisches Kriegsgefangenenlager – ca. 1.7000 existierten im Ersten Weltkrieg auf deutschem Boden –, sondern ein „interniertes Kontingent befreundeter Soldaten“, wie es offiziell hieß. Denn formal war Griechenland nicht im Krieg mit Deutschland. 200 Griechen gefiel es in Görlitz so gut, dass sie dort blieben. Einige ihrer Nachkommen spielen heute noch eine Rolle im kulturellen und gastronomischen Leben der Stadt.
Der Grund lag in der Deutschfreundlichkeit des griechischen Königshauses, das zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf Neutralität setzte. Allerdings hatte der König in seinem Premier einen starken Rivalen, der das Land in die Arme der Entente trieb. Der spätere König Konstantin von Griechenland wurde am 2. August 1868 in Athen geboren – als ältester Sohn des griechischen Königs Georg I. und dessen Gemahlin Großfürstin Olga Konstantinowna Romanowa und als erster im Land geborener Nachkomme eines modernen Monarchen.
Bejubelt von Tausenden von Görlitzern
Seine militärische und universitäre Ausbildung absolvierte er im Deutschen Kaiserreich als Angehöriger des Garderegiments du Corps in Berlin sowie an den Universitäten von Heidelberg und Leipzig, wo er Politikwissenschaft studierte (was beweist, dass das Fach nicht immer linksdominiert war). In Heidelberg war er Mitglied der Studentenverbindung Corps Saxo-Borussia Heidelberg. 1889 heiratete Konstantin Prinzessin Sophie von Preußen, Tochter des (99-Tage-) Kaisers Friedrich III. und dessen Ehefrau Victoria von Großbritannien und Irland. Sophie war Enkelin der britischen Königin Victoria und Schwester von Kaiser Wilhelm II.
Dem jungen Königreich verhalf er als Kronprinz mit Siegen gegen die Türken 1912 und 1913 als König gegen die Bulgaren zu einer beträchtlichen Expansion. Als Abkömmling einer deutschen Dynastie und Schwager des deutschen Kaisers war Konstantin in seiner außenpolitischen Haltung entschieden pro-deutsch, weshalb er nicht in den Ersten Weltkrieg gegen die Mittelmächte eintreten wollte. Sein Premierminister Venizelos war dagegen pro-britisch. Bis 1917 konnte sich Konstantin halten, dann musste er abdanken und ging in die Schweiz ins Exil. 1920 wurde allerdings vom Volk wieder in die Heimat gerufen, wo er gleich darauf den Erzfeind Türkei bekriegte, diesmal bis vor Ankara, aber dann empfindlich zurückgedrängt und 1922 zum zweiten Mal zur Abdankung gezwungen wurde.

Die Soldaten aus dem Süden wurden also so nett wie möglich behandelt, die Ankunft der ersten Kontingente am 11. September 1916 wurde von tausenden Görlitzern bejubelt. Fotografisches Material und die Feierlichkeiten zeigen, mit welcher Anteilnahme die Bevölkerung die Gäste aufnahm. Die griechischen Soldaten durften sich frei bewegen. Viele wurden zur Arbeit in Landwirtschaft, Bahnbau, Straßenunterhalt oder Hilfsdiensten eingesetzt und erhielten dieselbe Entlohnung wie die Einheimischen. Eine griechischsprachige Zeitung wurde mit Hilfe eines Görlitzer Verlages gedruckt. Die Stimmung der Internierten schwankte zwischen Resignation und Hoffnung, Heimweh und Anpassung. Es war vor allem die Ungewissheit, ob und wann man zurückkehren würde – und ob man in der Heimat als Verräter oder Held gelten würde. Nach Kriegsende trafen sie dieselben Härten wie die Deutschen. Viele starben an der Spanischen Grippe bzw. falschen Maßnahmen, kombiniert mit Mangelernährung.
Diese Episode fiel in die Endphase der traditionellen Kriegsführung, die sich immer noch an ritterlichen Idealen orientierte. Man erklärte sich noch gegenseitig den Krieg. Wenn heute die Supermächte fremde Länder überfallen, nennen sie es Специальная военная операция oder Major Compat Operations wie zuletzt gegenüber dem Iran, damit Anwandlungen von Menschlichkeit ausgeschlossen werden.
■ Jochen Stappenbeck
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