Das Wappen Hessens. Bild: Vectorization from PDF-flyer "Stand der Reform der Landesverwaltung" direct link to file, link to 1948 law, link to 1949 image, Gemeinfrei.

DIE HEIMAT, Bürger für Frankfurt & Co.: Rechte Vielfalt in Rot – Weiß

Antritte jenseits der AfD bei den Kommunalwahlen in Hessen

Wut. Kommt jetzt der Aufstand West? – Unser Heft zum Super-Wahl-März. Im März 2026 kommt es zu Wahlen in West-Ländern mit insgesamt knapp 35 Millionen Einwohnern – in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Damit kommt es zu Abstimmungen in Bundesländern mit insgesamt knapp 35 Millionen Einwohnern. In unserem AUFGEWACHT-Heft zum „Aufstand West“ stellen wir mit Blick auf Hessen und Bayern die Mosaik-Rechte vor, die es dort auf kommunaler Ebene jenseits der AfD noch gibt und befragen den bekannten Anwalt und Influencer Dubravko Mandic zum Stand der Dinge im Westen. Hier bestellen!

Heute entscheiden die Hessen über die kommunale Zukunft ihres Landes. Bei den hessischen Kommunalwahlen wählen rund 4,7 Millionen Wahlberechtigte in 421 Städten und Gemeinden sowie in allen 21 Landkreisen die neuen Gemeindevertretungen, Stadtverordnetenversammlungen, Kreistage und Ortsbeiräte für die Periode 2026 bis 2031. Dabei treten neben der AfD punktuell auch weitere patriotische Parteien und Organisationen an. Hier eine kleine Übersicht:

Bürger für Frankfurt: Die Altstadt-Rekonstrukteure

Die Wählervereinigung Bürger für Frankfurt (BFF) wurde schon im Januar 1994 in Frankfurt am Main gegründet. Sie entstand als eingetragener Verein aus einer Gruppe enttäuschter CDU-Wähler und Nichtwähler, die eine unabhängige, parteifreie Alternative zur etablierten Politik suchten. Von Anfang an war Kritik an Multikulturalismus ein wichtiges Thema für die BFF. Die ersten Wahlerfolge ließen erst einige Zeit auf sich warten. Bei den Kommunalwahlen 1997 übersprangen die BFF die Fünf-Prozent-Hürde in drei Frankfurter Ortsbeiräten und gewannen dort je ein Mandat. Der Durchbruch kam 2001 nach Abschaffung der Sperrklausel: Die Vereinigung zog erstmals in die Stadtverordnetenversammlung ein, das Mandat ging an Wolfgang Hübner. Dieser kann als fast mythische Figur der Frankfurter Rechten gelten, da er hier unermüdliche und erfolgreiche Aufbauarbeit leistete. Hübner steht sowohl für eine deutlich rechte Positionierung der BFF – bis heute ist er beispielsweise als Stammautor des Portals „PI-News“ tätig – gilt aber auch als geschickter und einnehmender Netzwerker.

Die Bürger für Frankfurt hatten insbesondere wegen des großen Engagement Hübners einen maßgeblichen Anteil an der Initiierung des Projekts Neue Frankfurter Altstadt (auch Dom-Römer-Quartier genannt), das von 2012 bis 2018 gebaut und 2018 eröffnet wurde. Der entscheidende Impuls kam 2005: Als das gleichermaßen riesige wie potthässliche Technische Rathaus (ein brutalistischer Betonbau aus den 70er Jahren) abgerissen werden sollte, stellte Hübner einen Antrag mit dem Titel „Technisches Rathaus: Den Abriss als Chance nutzen!“. Dieser forderte explizit die Rekonstruktion historischer Gebäude und den Wiederaufbau von Teilen der zerstörten Altstadt nach historischem Vorbild auf dem freiwerdenden Areal – genau das, was später umgesetzt wurde. Hübner schlug auch schon vor, den sogenannten Krönungsweg als rekonstruierte Achse in der Frankfurter Altstadt wiederherzustellen, die den Kaiserdom St. Bartholomäus mit dem Römerberg, also dem historischen Marktplatz, verbindet. Hier fanden zwischen 1562 und 1792 insgesamt zehn Kaiserkrönungen statt.

AUFGEWACHT 3-26: Wut. Kommt jetzt der Aufstand West?

Der Antrag wurde zunächst abgelehnt, gewann aber nach der Kommunalwahl 2006 an Dynamik: Ein städtebaulicher Wettbewerb, ein Sonderausschuss und breite Bürgerbeteiligung, unter anderem durch Initiativen wie „Pro Altstadt“ sowie das „Altstadt-Forum“, führten 2007 zum Beschluss der Stadtverordnetenversammlung für das altstadtorientierte Konzept. Die BFF hatten maßgeblichen Anteil an diesem Konzept, das als Jahrhundertvorhaben und zweitgrößtes Rekonstruktionsprojekt nach dem Wiederaufbau der Dresdner Altstadt nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Im vergangenen Jahr stellte Hübner seine Autobiografie vor, die im Leipziger Engelsdorfer Verlag unter dem Titel „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ erschien. Mittlerweile hat er sich aus der aktiven Kommunalpolitik zurückgezogen. Die Bürger für Frankfurt gibt es aber immer noch. Sie konnten sich allen politischen Umarmungsversuchen durch Freie Wähler und AfD erfolgreich entziehen und werden auch zur Kommunalwahl 2026 wieder auf dem Stimmzettel stehen.

Freie Liste Biblis: Patriotische Opposition in der Ex-Atomstadt

Seit der endgültigen Stilllegung des örtlichen Atomkraftwerks leidet die südhessische Gemeinde, die am Rand des Odenwalds liegt, unter diversen wirtschaftlichen Problemen. Solche Themen werden konsequent von der kommunalpolitischen Wählergruppe Freie Liste Biblis angesprochen. Die FLB wurde 2001 gegründet, nachdem sich deren Initiator Hans-Peter Fischer 1999 in einem Interview mit der „Deutschen Stimme“ für eine Zusammenarbeit aller patriotischen Kräfte ausgesprochen hatte und daraufhin ein Parteiausschlussverfahren bei den Republikanern, für die er zuvor äußerst erfolgreich tätig gewesen war, kassierte. 2016 konnte die Freie Liste Biblis bei der Kommunalwahl ein Fabelergebnis von 31 Prozent einfahren, womit die FLB damals nur knapp hinter der CDU landete und zur zweitstärksten Kraft wurde. Derzeit ist sie noch mit der stolzen Zahl von sieben Mandatsträgern im Gemeinderat vertreten. FLB-Gründer Hans-Peter Fischer sorgt immer wieder auch in Sachsen für Schlagzeilen, weil sein in der ostsächsischen Stadt Ostritz gelegenes Hotel „Neißeblick“ immer wieder Schauplatz von patriotischen Veranstaltungen und Konzerten ist.

Wetterau: Die einzigartige HEIMAT-Widerstandshochburg

1985 zog die NPD unter ihrem Listenführer Volker Sachs mit zwei weiteren Mitstreitern in den Rat der in der Wetterau gelegenen Bergbaugemeinde Wölfersheim ein. Bei den Kommunalwahlen 1997 konnte dank der kontinuierlichen und umsichtigen Arbeit des im vergangenen Jahr verstorbenen Sachs dann sogar ein Stimmenanteil von 22,7 Prozent erreicht werden, dabei hatte sich die „taz“ doch schon 1989 über die „braunste Gemeinde der ganzen Republik“ echauffiert. Es folgten große Erfolge. 2016 konnte die NPD in Büdingen – immerhin eine Stadt von mehr als 22.000 Einwohnern – 10,2 Prozent erzielen.

Am 5. September 2019 wiederum wählte der siebenköpfige Ortsbeirat von Altenstadt – Waldsiedlung den damaligen stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Stefan Jagsch einstimmig zum Ortsvorsteher. Die Wahl erfolgte mit den Stimmen von Vertretern der CDU, SPD und FDP und löste bundesweit einen markerschütternden Aufschrei der Empörung aus. Da „Unsere Demokratie“ damals in ihren Grundzügen schon genauso funktionierte wie heute, wurde Jagsch nach einem guten Monat wieder abgewählt und durch eine CDU-Kandidatin ersetzt.

Banner von DIE HEIMAT Wertterau. Bild: DIE HEIMAT Wetterau.

Die NPD benannte sich dann 2023 in DIE HEIMAT um – und verfügt in der Wetterau immer noch über eine starke Bastion. Im Wetteraukreis tritt die HEIMAT mit einer 28-köpfigen Liste zur Kreistagswahl an. Angeführt wird sie von Daniel Lachmann, der seit 2006 als kommunaler Mandatsträger in der Wetterau aktiv ist. In Lachmanns Heimatstadt Büdingen selbst schickt der Ortsverband 14 Kandidaten ins Rennen, um die „Festungsstadt“ zu verteidigen. Weitere Antritte gibt es in der Wetteraugemeinde Altenstadt und bei zwei Ortsbeiratswahlen.

Von 1985 bis heute sind das über 41 Jahre ununterbrochener Präsenz in Form von Wahlantritten, Mandaten und der unermüdlichen Tätigkeit lokaler Funktionäre und Aktivisten. Das dürfte mit Blick auf die Parteiengeschichte der deutschen Rechten eine einmalige Bilanz sein.

Leun: HEIMAT-Hochburg in Mittelhessen

Im äußersten Westen Hessens liegt mit Leun (Lahn-Dill-Kreis) eine weitere Hochburg der HEIMAT. 1997 konnte die NPD hier bei der Kommunalwahl 21,5 Prozent der Stimmen holen, was bundesweit für Schlagzeilen sorgte. 2021 waren es immerhin noch 6,2 Prozent, was für zwei Mandate ausreichte. Die prägende Figur vor Ort ist Ludwig Palm, der bei der anstehenden Kommunalwahl versuchen wird, die HEIMAT-Fraktion im Stadtrat zu erhalten.

 Arne Schimmer

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