Global tobt der Kampf zwischen Russland und China einerseits und den USA andererseits: Auf Kuba, im Iran, in Venezuela, in der Arktis, im Südchinesischen Meer und um die koreanische Halbinsel. In diesem Heft werfen wir einen Blick auf den Zustand der westlichen Vormacht unter Donald Trump. In unserem Heft „Trump: Genie oder Gangster“ gehen wir der Frage nach, die derzeit unzählige Menschen umtreibt: Ist Donald Trump ein politisches Genie der Realpolitik – oder ein skrupelloser Gangster, der das Völkerrecht verachtet? Mit Analysen zu Venezuela, Iran, Grönland und Taiwan sowie einem Interview mit dem belgischen Geopolitik-Experten Robert Steuckers. HIER bestellen!
Donald Trump krempelt mit seinem eigenartigen Verständnis von Friedenspolitik gerade die Welt um, aber auch im geisteswissenschaftlichen Bereich ist das Phänomen Trump in der Lage, unser Verständnis immaterieller Zusammenhänge zu erschüttern. Die Rede ist von den rätselhaften Koinzidenzen, die uns aus verschiedenen, vor langer Zeit verfassten literarischen Werken förmlich anspringen. Gibt es einen tieferen Sinn dahinter?
Wobei der Begriff Koinzidenz zu dieser Fragestellung nicht so recht passt. Der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung entwickelte in Abgrenzung zum sinnlosen Zufall oder der Serialität ein anderes schönes Fremdwort: die Synchronizität. Wie bei der Koinzidenz herrscht in ihr ebenso Akausalität, es lässt sich also keine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen zwei auffälligen Einzelereignissen erkennen, die jedoch über irgendeine Sinnhaftigkeit miteinander verbunden scheinen. Nämlich, wenn etwas zunächst in der inneren, psychischen Welt erfahren und dann entweder gleichzeitig (synchron) oder mit leichter Verspätung in der äußeren Welt aufritt. Das war für Jung der entscheidende Baustein zu einer Art quantentheoretischen Vermessung der Welt. Hier ist Jungs bekanntestes Beispiel in seinen eigenen Worten (1952):
„Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.“
Als Wirkmuster sah Jung die Verbindung des einzelnen Menschen mit einem kollektiven Unbewussten und den Archetypen: Synchronizitäten entstünden demnach durch Aktivierung universeller Symbole, die das Individuum leiten und im Individuationsprozess (Selbstwerdung) eine Rolle spielen. Sie dienen als „sinnstiftende Fügung“.
Oft wird auch auf das häufige Erlebnis verwiesen, dass gerade in dem Moment, in dem man an einen alten Freund denkt, dieser prompt anruft, obwohl seit Jahren Funkstille herrschte. Hier ist aber mittlerweile die Forschung so weit (vgl. Rupert Sheldrake), dass sie eine Kausalität dank Telepathie annimmt, die gerade bei geistig einander nahen Menschen gut funktioniert; bei Mensch und Haustieren sowieso.
Aber wie sollte ein gemeiner Rosenkäfer den Traum einer Patientin wahrgenommen haben und auch noch so passend reagieren? Auch hier schleicht sich indes bei genauem Nachdenken Kausalitätspotential ein: Es könnte gerade eine aktive Flugphase der Maikäfer und Rosenkäfer gegeben haben, die einen solchen Traum inspirierte. Und dann wollte ein einzelner Kamerad einfach mal seine Ruhe vom Fluglärm haben und sich in ein dunkles Zimmer verziehen.
Der gemeine Wahrheitssucher von heute ist nicht so sehr bzw. eigentlich überhaupt nicht auf einen therapeutisch hilfreichen Sinn erpicht, er nimmt solche Vorfälle eher als Laune des Universums wahr. Meist teilt er so etwas als Kuriosum einer nahestehenden Person mit, die es dann für sich behält, denn für andere klingt es eher sinnlos als sinnhaft.
Dass diese Käfer als Larven so erstaunlich viele Jahre in der dunklen Erde verbringen, um dann für kurze Zeit herumzuschwirren, lässt uns den Begriff der Synchronizität etwas flexibler handhaben: Je größer die Nicht-Gleichzeitigkeit, das Schlummern des Sinnzusammenhangs, desto bedeutsamer ist doch das Ereignis!
Trumpelman in Lodz
Damit zum Phänomen Trump. Eine Sache ist es, wenn ein führender Staatsmann von interessierten Gruppen als Verkörperung ihrer mehr oder weniger verrückten Agenden und als Erfüllung alter Prophezeiungen angesehen wird, oder wenn er selbst prophetisch tätig wird wie etwa in einem Tweet vom 5. August 2024, in dem er vor einem Aktiencrash und dem Dritten Weltkrieg warnte – wegen der inkompetenten Führung im Weißen Haus. Oder wenn die Vornamen seiner Eltern biblische Phantasien beflügeln: Mary (Maria) und Frederick Christ (Christus); oder wenn seine Großmutter Elizabeth Christ Trump, von der Donald das Geschäft erbte, am 6. 6. 1966 starb.
Eine andere Sache sind alte Romane, die erst im Lichte des heutigen US-Präsidenten als prophetisch erscheinen. Es sind dies vor allem drei amerikanische Autoren, die sich darum verdient gemacht haben. (Wir lassen hier die „Simpsons“-Serie außen vor, die zeitlich zu nah an der Gegenwart scheint, so dass ihre prophetischen Elemente als häppchenweise verabreichtes Insiderwissen vermutet werden können, zumal ihr Autor mit Jeffrey Epstein befreundet war. Da wäre zum Beispiel die Staffel 11, Folge 17 aus dem Jahr 2000, in der „Lisa“ Trump als Präsident ablöst und das Land wirtschaftlich ruiniert vorfindet.)

Im Jahr 1979 erschien der Roman „King of the Jews” von Leslie Epstein. Es ist ein Holocaust-Roman über den Lodz‑Ghetto‑Judenrat und seinen tyrannisch-ambivalenten Vorsitzenden I. C. Trumpelman (I.C. steht für Israel Chaim.). Judenräte wurden von den Deutschen installiert und befanden unter anderem über die Frage, wer deportiert wird. Der Roman spielt im besetzten Polen und schildert Trumpelman, der im Ghetto zum Leiter des Judenrats aufsteigt und ein autoritäres Regime errichtet, als Trickbetrüger, charismatischen und narzisstischen Anführer, brutalen Diktator und letztlich tragische Person zugleich. Das erste Kapitel heißt „The Golden Age“. In der Beschreibung auf dem Buchrücken steht: „Selbst die wenigen, die seine Regentschaft überlebten, konnten sich nicht entscheiden, ob er ein Held war, der dem Ghetto zu einem längeren Überleben verhalf im Vergleich zu allen anderen, oder ein Betrüger seines Volks.“
Die Rezeption des Werkes war überwiegend positiv: „San Francisco Chronicle“ nannte es „das beste bisher über den Holocaust geschriebene Buch“, „New York Magazine“ sprach von dem ersten Roman, der seinem eigenen Anspruch an dieses Thema gewachsen sei. Positiv hervorgehoben wurden insbesondere die literarische Kühnheit, die psychologische Komplexität Trumpelmans und die Weise, in der Epstein das „Unsagbare“ mit den Mitteln der Kunst greifbar mache. Manche Kritiker empfanden den Ton als zu grotesk oder moralisch verstörend, weil die Mischung aus Farce, Horror und Komik die Identifikation erschwere. Epstein wollte die moralische Ambiguität jüdischer Eliten zeigen – zwischen Kollaboration, Selbstrettung und Verantwortlichkeit gegenüber den anderen. Das historische Vorbild für Trumpelman war der Judenratsvorsitzende Chaim Rumkowski, der 1925 bis 1939 ein jüdisches Waisenhaus leitete. Der Shoah-Überlebende Edward Reicher bescheinigte Rumkowski in einem Buch ein „ungesundes Interesse an Kindern.“ Am 4. September 1942 hielt Rumkowski eine Rede im Ghetto, in der er aufforderte, für das Überleben der anderen Bewohner die Kinder zu opfern, also herauszugeben.
Leslie Epstein (1938–2025), dessen zweiter Vorname Donald war, war ein US-amerikanischer Romancier, Essayist und Professor aus einer prominenten jüdischen „Hollywood-Familie“. Sein Vater Philip G. Epstein und sein Onkel Julius J. Epstein gewannen einen Oscar für das Drehbuch von Casablanca (1942). Übersetzt heißt der Ort übrigens „Weißes Haus / White House“. Epstein studierte an der Yale University und in Oxford, erwarb Diplome in Theaterkunst und Dramatik. „Der König der Juden“ gilt als sein bedeutendstes Werk. Ein anderes aus dem Jahr 1997 trägt den Titel „Pandaemonium“.
Entscheidungsjahr 1979
Mit Jeffrey Epstein bestehen offiziell keine Verwandtschaftsbeziehungen, obwohl der Nachname in den USA unter den typisch jüdischen Namen mit ca. 18.000 Trägern nicht ganz so oft vorkommt wie etwa Cohen (100.000) oder Levy (70.000) und den 15. Platz einnimmt. Historisch geht der Name auf den Ort Eppstein im Taunus zurück.
1979, das Jahr von „The King of the Jews”, war von epochalen Ereignissen im Mittleren Osten markiert: der Iranischen Revolution, der Ölkrise und dem ersten Friedensvertrag zwischen Israel und einer arabischen Nation, Ägypten.
Die Autorin des Youtube-Kanals „ali mcforever“ verweist in ihrer Besprechung von Epsteins Buch auf Leslie Epsteins frappierende äußere Ähnlichkeit mit Jeffrey Epstein – im selben Alter erscheinen sie wie eineiige Zwillinge. Außerdem stellt sie die These auf, dass sein Vater und dessen Zwillingsbruder mit dem Drehbuch für „Casablanca“ im Protagonisten Rick, der aus einer scheinbar neutralen Positionen heraus ein Netzwerk zu allen Kriegsparteien bildet, das System Epstein vorweggenommen haben. Letztlich würde es sich um einen überschaubaren Kreis von Geld- und Macheliten handeln, was unter anderem auch mit den „Landsmannschaften“ zusammenhinge, die eine zentrale Rolle bei der gegenseitigen Hilfe von Einwanderern spielte, insbesondere für osteuropäische Juden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert – neben der Hebrew Immigrant Aid Society (HIAS, gegründet 1881/1892), die Millionen jüdischer Einwanderer auf Ellis Island mit Unterkunft, Nahrung, Rechtsberatung, Übersetzung und Familienzusammenführung unterstützte.

In den Epstein-Files figuriert auch ein gewisser John Casablancas als mutmaßlicher Kinderschänder und Freund von Epstein und Trump. Er gründete ein „Elite Model Management“. 1990 und 1991 machte Trump bei Casablancas Schönheitswettbewerben mit. Die im Video geäußerte Grundannahme ist das „Predictive programming“, mit dem die Eliten über Bücher und Filme die Bevölkerung schon einmal auf ihre Agenden einstimmen, eine Art Duftmarke setzen, bevor diese rein zufällig eintreten.
Gegen die Hypothese der „vorhersehenden Programmierung“ spricht die hundertmillionenfache Zahl an Büchern, Liedern, Filmen und TV-Sendungen, aus denen das Zielpublikum das für seine Programmierung Bestimmte erst einmal finden müsste. Und vielleicht hatte der Schriftsteller den Namen seines Protagonisten tatsächlich der schon damals bestehenden Trump-Dynastie entlehnt: Der 33-jährige Donald Trump baute 1979 schon an seinem Turm, war aber eher als „Fred Trumps Sohn“ bekannt. Epstein könnte also auch Fred Trump als Immobilienmogul gekannt haben und sich von dessen Namen inspirieren lassen. Wie Wolfang Eggert im Interview mit Nuoviso am 5. März 2025 anmerkte, war Trump in der New Yorker Immobilienbranche von Anfang an von jüdischen Geschäftsleuten umgeben, auch von religiös geprägten, dass er eine dienende Rolle im Sinne der sieben noachidischen Gebote für „gerechte Heiden“ für günstig gesehen haben könnte (vgl. die Rezension von Eggerts Buch zum Anschlag in Butler in AUFGEWACHT Nr. 16).
Der Abenteurer aus der Trump-Burg
Der zweite literarische Bezug wurde bereits während der ersten Trump-Präsidentschaft in den USA unter Aufklärern heiß diskutiert: die beiden Baron-Trump-Romane und der Kurzroman „1900, or The Last President“ von Ingersoll Lockwood. Zum Autor: Lockwood (1841–1918) – man denkt ein wenig an „Lockdown“, der Name bedeutet „eingeschlossener, umfriedeter Wald“ – wurde in New York geboren und war Anwalt, Staatsanwalt sowie US-Konsul in Kanada. Politisch konservativ, schrieb er gegen Sozialismus, aber auch kritisch zum Freimaurertum. Sein literarisches Œuvre umfasst Satiren, diplomatische Texte und Abenteuergeschichten. Man kann die Werke online im PDF-Format lesen. Der erste Roman heißt „Travels and Adventures of Little Baron Trump and His Wonderful Dog Bulger” (1889): Der Protagonist Wilhelm Heinrich Sebastian von Troomp, genannt Baron Trump, ist ein kleinwüchsiger, hochbegabter, aber gelangweilter zehnjähriger Aristokrat aus der reichen New Yorker Oberschicht. Er bewohnt den pompösen Castle Trump (bzw. Trump Castle), hat keine Spielkameraden und vertreibt sich die Zeit mit Büchern. Sein einziger Begleiter ist der sprechende Hund Bulger. Eines Tages entdeckt Baron ein uraltes Manuskript des mysteriösen Don Fum (ein Professor aus einem fernen Land), das von unterirdischen Welten und einem Eingang in Russland kündet.

Mit Hilfe des Dieners Kilter und unterstützt vom führenden russischen Nihilisten (seinem Onkel) reist er per Zug nach St. Petersburg und weiter in die sibirische Steppe zum Eingang der Hohlen Erde beim Ural. Die Abenteuer umfassen Begegnungen mit Kosaken, Wölfen und Nomaden. Der Roman endet mit dem Einstieg in die Hohle Erde.
Die Fortsetzung erschien 1893 unter dem Titel „Baron Trump’s Marvellous Underground Journey”: Baron Trump und Bulger tauchen in eine Welt mit kristallenen Höhlen, gigantischen Pilzen, sprechenden Tieren und bizarren Naturgesetzen (keine Schwerkraft, ewige Dämmerung) ein. Sie begegnen wieder Don („The master of all masters“), der den Baron durch verschiedene Reiche leitet: der Seeigel-Menschen (stachelig, misstrauisch), der transparenten Wesen (kristallene, durchsichtige Humanoide), der Riesen-Ameisen und sprechenden Vögel, des Schlaflands, dessen Bewohner 1.000 Jahre schlafen, und des Ideenreichs (philosophische Wesen mit Gedanken als Währung). Im Finale trifft er den Herrscher der Hohlen Welt, löst Rätsel, überwindet Gefahren und kehrt bereichert heim.
Das ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie, die in den nächsten Tagen fortgesetzt wird.
■ Jochen Stappenbeck
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