Global tobt der Kampf zwischen Russland und China einerseits und den USA andererseits: Auf Kuba, im Iran, in Venezuela, in der Arktis, im Südchinesischen Meer und um die koreanische Halbinsel. In diesem Heft werfen wir einen Blick auf den Zustand der westlichen Vormacht unter Donald Trump. In unserem Heft „Trump: Genie oder Gangster“ gehen wir der Frage nach, die derzeit unzählige Menschen umtreibt: Ist Donald Trump ein politisches Genie der Realpolitik – oder ein skrupelloser Gangster, der das Völkerrecht verachtet? Mit Analysen zu Venezuela, Iran, Grönland und Taiwan sowie einem Interview mit dem belgischen Geopolitik-Experten Robert Steuckers. HIER bestellen!
Den ersten Teil dieses Beitrags können Sie hier lesen.
Das 100-seitige Werk „1900, or The Last President“ erschien zur US-Präsidentenwahl am 3. November 1896. Lockwood malt auf Seiten der Republikaner den Teufel an die Wand und entwirft eine Dystopie, in welcher der (auch im wirklichen Leben existierende) Kandidat namens William Jennings Bryan als Überraschungssieger über das Establishment hervorgeht. Bryans Wohnsitz (nur in der Fiktion) ist das „Fifth Avenue Hotel“. Er ist Vertreter der volksnahen Silberstandard-Befürworter und wendet sich gegen die Goldstandard-Befürworter, sozusagen den etablierten Tiefenstaat.
Trump und Clinton – alte Kumpels
Bryan erklärt Silber zum „Volksgeld“. Charismatisch, aber radikal, löst er Unruhen aus. Die East Side von New York City – ein Codewort für Immigrantenviertel mit Iren, Italienern, Juden und osteuropäischen Einwanderern – ist der Brennpunkt des Chaos. Linke Mobs stürmen schließlich das Trump-Gebäude, die Börse kollabiert und New York versinkt in Anarchie. Der positive Held, ein konservativer Senator namens John Hart, kämpft dagegen. Bryans Vizepräsident heißt Pence – wie seinerzeit Trumps Vize. Er wird nur mit Nachnamen genannt und bildet als grauer Bürokrat den Kontrast zum schillernden Demagogen Bryan. Der Roman hat ein offenes Ende: Ein Anschlag auf das Kapitol scheitert, es wird über die Auflösung der Union abgestimmt, und ein Militärputsch versucht, die Ordnung wiederherzustellen.
Bemerkenswert im Vergleich zu „Unseredemokratie“-Politikern ist die juristische Folgenlosigkeit einer solchen Rufschädigung eines real existierenden Politikers durch Satire. Bryan war bekannt für seine Dickhäutigkeit. Auch seine recht deutliche Niederlage im dritten Versuche nahm er sportlich hin.
Die Wahl des ausgefallenen Vornamens Barron (zweiter Vorname: William, also wie der erste Vorname bei Lockwoods Helden) für seinen jüngsten Sohn (geb. 2006) traf nach eigenen Angaben Donald Trump. Seit den 1980ern hatte er öfters das Pseudonym „John Barron“ benutzt. Zu William / Bill kommen wir gleich:
Der dritte Autor war der US-amerikanische Prediger George James Atkinson Coulson (1819–1882), der 1874 den dreibändigen viktorianischen Abenteuerroman „The Odd Trump“ (Der sonderbare Trump) publizierte. Aus dem Inhalt: Trump, ein britischer Bankangestellter, und sein Rivale Clinton, ein Amerikaner, buhlen gegeneinander um eine schöne Frau, im Roman ohne Namen „die Heldin“ genannt. Trump rettet sie aus einem Zugunglück. Es folgen Degenduelle, Immobilienbetrügereien, Abenteuer auf einem spukenden Anwesen, in geheimen Gängen, mit Schlafwandlern und einem gefälschten Testament. Trump wird als „zartbesaiteter“, aber „hinterlistiger alter Schwindler“ benannt, tanzt „clownesk vor dem Feuer“, gewinnt letztlich den Kampf um die Heldin und heiratet sie. Ach ja: Und er versöhnt sich mit seinem Rivalen und alten Kumpel Clinton.
Zeitgenössische Kritiken lobten den „männlichen Ton“, Humor und Spannung als typisch viktorianische Stileigenarten. Das Buch wurde kein Bestseller und erst 2016 wiederentdeckt.
Der 42. US-Präsident (1993–2001) William Jefferson „Bill“ Clinton ist zwei Monate jünger als Donald Trump.
Ein Name – wie geschaffen für die Fiktion
Anders als für deutsche Ohren, die im Namen Trump eher das Trampeltier heraushören, ist der Name für englische Ohren zunächst einmal sehr positiv und bietet sich deshalb für die literarische Verwendung an. Ein „trump“ ist die stärkste Karte in Whist und Bridge, also der Trumpf. Das Wort steht somit für Überlegenheit und den trickreichen „Trumpf aus dem Ärmel“. In der Umgangssprache war ein „trump“ ein guter Kumpel oder eine joviale Person. „A regular trump“ war ein zuverlässiger, herzlicher Mensch. „The Odd Trump“ suggerierte also einen unkonventionellen, aber überlegenen Helden. Diese Konnotationen dürften Donalds Großvater Friedrich (später Frederick) nach seiner Auswanderung 1885 dazu bewogen haben, den seit dem 17. Jahrhundert in der Pfalz (Bobenheim am Berg und Kallstadt) so geschriebenen Namen Trump beizubehalten. (Wobei hier eine Verschwörungstheorie ansetzt: Schon lange und in zunehmendem Maße könnte es sein, dass das über das Internet angebotene Wissen gefälscht wird. „Drumpf“ würde viel deutscher und pfälzischer klingen als „Trump“.)

Auch die Assoziation zu den Trompeten von Jericho schwingt im Namen mit. Bei Lockwood wird der Ursprung des Namens von französischen Hugenotten hergeleitet, die „de la Trompe“ hießen, zu deutsch: „von der Täuschung“, also eine Erhebung der Täuschung in den Adelsstand. Bei Epsteins „Trumpelman“ lässt sich die zweite Silbe als „El“ (Gott im Hebräischen) und die dritte Silbe als „Mensch“ identifizieren, was Befürworter der These von Trump als Antichrist bekräftigt. Bibelfeste Interpreten verweisen auch auf den Psalm 47, der auffällig gut zum 47. Präsidenten passt, da dort vom König der Welt die Rede ist, der sich mit einer Trompete kundtut. Der Name Trump ist in den USA recht selten: 2016 wurden ca. 4.800 Träger gezählt. „Clinton” hat 16.000 Träger.
Der weise „Don Fum“ wird dem unbelasteten Leser zwar spanisch vorkommen, hat aber einen unbestreitbaren klanglichen Bezug zu Donald Trump, der jovial oft „The Don“ genannt wird. Die Unterweltreise liest sich wie eine Einweihung des Sohnes durch den Vater. „Fum“ klingt außerdem wie französisch „femme“, also Frau: der Don (Juan) der Frauen.
Die zeitgenössische Rezeption der Abenteuerbücher soll nicht besonders positiv gewesen sein und das Übermaß an Phantastik und Groteske kritisiert haben.
Ein weiterer Bezug aus dem 19. Jahrhundert: Charles Dellschau (1830–1923), ein Künstler und Emigrant aus Brandenburg, zeichnete ab den 1890er Jahren futuristische Flugmaschinen („Aeros“) in seinen mysteriösen Skizzenbüchern. Diese wurden erst Jahrzehnte nach seinem Tod entdeckt und zeigen oft kryptische Beschriftungen. In einigen Skizzen erscheint an prominenter Stelle das Wort „TRUMP“, auch Zahlen wie 45 und 47 fallen auf. Eine blonde Figur bedient ein solches Gerät. Dellschau beschrieb seine Aeros als angetrieben von „NB Gas“ (Antigravitation?), sie ähneln heutigen UFO-Beschreibungen. Donald Trump macht regelmäßig Versprechen zu UAP-Offenlegungen. Bekannt ist die Rolle seines Onkels in der Übernahme von Nikolai Teslas Eigentum. Dellschau gehörte dem „Sonora Aero Club” an, der wahrscheinlich von J.P Morgan gegründet wurde, der sich dadurch hervorgetan hat, Teslas Vision einer freien Energie zu torpedieren. Der geheimnisvolle Wardenclyffe-Turm ging eines Tages in Flammen auf.
Mehr Fragen als Antworten
Als Europäer könnten wir die geringere kulturelle und geschichtliche Dichte der US-Welt unterschätzen, insbesondere in den Elitezirkeln der Macht. Das Wahltheater zwischen Republikanern und Demokraten scheint schon immer nach denselben Mustern zu verlaufen, genauer gesagt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aber solch einen Präsidenten wie Trump gab es einfach noch nicht. Er scheint wie aus einer Matrix, einem Drehbuch erschaffen, wie eine Art Hologramm. Leben wir also in einer Welt, die programmiert wird?
Auch reinkarnationstheoretisch könnte man argumentieren: Markante Persönlichkeiten sind vielleicht deswegen so markant, weil sie früher inkarnierte Vorläufer hatten. Oder erhöhen sich die Chancen auf eine reale Existenz durch literarische Fiktion?

Assoziativ zu dieser Frage ist ein letzter literarischer Bezug zu erwähnen, in dem zwar der Name Trump nicht vorkommt, aber der eine seltsame Synchronizität mit seinem Geburtstag aufweist: 1917 erschien eine Erzählung mit dem Titel „Moonchild“ (Mondkind) des Satanisten Aleister Crowley, in der ein Magier namens Cyril Grey versucht, die menschliche Rasse zu retten und zu verbessern vermittels der Erschaffung eines Homunkulus. Und zwar durch die Schwängerung einer jungen Frau mit der Seele eines ätherischen Wesens, des Mondkindes. Es ergab sich (wiederum am Ausgang eines Weltkrieges), dass vom Januar bis März 1946 nach dieser literarischen Vorgabe zwei Männer, die später berühmt werden sollten, ein Ritual vollzogen, das sie „Babalon Working“ nannten. Es waren dies der Raketenpionier und Okkultist Jack Parsons sowie der spätere Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.
Der damals immer noch lebende Crowley kritisierte dieses Experiment in einem Brief vom 14. Juni 1946 gegenüber dem Okkultisten Grady McMurtry. Dieser (im Netz lesbare) Brief enthält allerdings keine Hinweise, warum er gerade an diesem Tag verfasst wurde, aber eingefleischte Crowley-Interpreten legen jede Zahl aus seiner Feder auf die Goldwaage. Und siehe da: Der 14. Juni 1946 war ein Tag mit einer sehr seltenen totalen Mondfinsternis, um die herum der Mond auch noch blutrot erschien. In okkulten Kreisen gilt dies als Zeichen, dass trotz der Verhüllung die blutige Realität zum Vorschein gebracht wird – vor allem von Menschen, die an solch einem Tag geboren werden. Und das ist Donald Trump. Die Kommentarspalten in den verschwörungskritischen Portalen quellen vor Bezügen über. So ist der 14. Juni auch der United States Flag Day, der am 14. Juni 1777 geschaffen wurde. Die 777 wiederum erinnert an Crowleys Werk „Liber 777“ und resoniert auch mit Trumps Alter bei seiner ersten Amtseinführung am 20. Januar 2017: 70 Jahre, 7 Monate und 7 Tage.
Am Ende überwiegen die Fragen die Antworten. Der Gang der Weltgeschichte wird sicherlich einige Hinweise zur Auflösung der Rätsel liefern.
■ Jochen Stappenbeck
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