Dresden 1945: Blick vom Rathausturm auf die zerstörte Stadt. Im Vordergrund der heutige Pirnaische Platz. Bild: By Bundesarchiv, Bild 183-Z0309-310 / G. Beyer / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de.

Dresden war ein einzigartiges Kriegsverbrechen – Eine Antwort an Benedikt Brechtken

Dresden steht in einer Reihe mit Hiroshima und Nagasaki

Kein Frieden ohne Wahrheit! Unser Sonderheft nimmt Euch mit auf eine bewegende Reise in diese dunkle Zeit. Es bietet Zeitzeugenberichte, eine fundierte Entgegnung auf das infame Herunterrechnen der Opferzahlen, Interviews mit dem Historiker David Irving und der Fliegerlegende Hajo Herrmann und vieles, vieles mehr. Unser bewegendes und hochinformatives AUFGEWACHT-Sonderheft „Dresden 1945: Die Zerstörung von Elbflorenz“ über die Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomberverbände. HIER bestellen!

In einem Beitrag auf seinem X-Profil schreibt Benedikt Brechtken, Kolumnist des rechtspopulistischen Senders NIUS, zum angloamerikanischen Bomberangriff auf Dresden im Februar 1945:

„Alleine beim Massaker von Babyn Jar gab es mehr tote Zivilisten als bei der Bombardierung Dresdens. Letzteres hat der rechte Rand immer noch nicht verkraftet, ersteres hat er noch nie benannt. Es gibt abgesehen von der regionalen Betroffenheit keinen Grund, die Bombardierung Dresdens irgendwie zu betonen. Relativ zu all den Schrecken des Krieges ist sie vernachlässigbar. Sie besitzt keinerlei Alleinstellungsmerkmal. Die ihr zugrundeliegende Logik war operativ deutscher Kriegsalltag. Die Deutschen haben jahrelang und millionenfach erbarmungslos Zivilisten massakriert und bombardiert. Wer in auffallender Regelmäßigkeit nur über die deutschen Opfer schreibt und die deutschen Täter ignoriert, gehört nicht nur politisch an den Rand der Gesellschaft.“

Die Schätzung Klemperers

Hierzu ist festzustellen: Die Bombardierung von Dresden war die gerechnet an der Zahl der Opfer möglicherweise tödlichste nicht-nukleare Bombardierung einer Stadt in der Geschichte überhaupt. Die Opferzahl liegt weit höher als die offiziöse und politische Zahl von angeblich bloß 25.000 Toten, siehe dazu bspw die akribischen Forschungen von Wolfgang Schaarschmidt und Björn Schumacher, aber auch von Alexander McKee. Selbst Churchill war das absolut Außergewöhnliche dieses Bombenangriffs bewusst, denn wenige Tage später stellte er die britische Luftkriegsführung gegen Deutschland grundsätzlich in Frage.

Schon kurz nach den Bombenangriffen auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 verbreitete sich das Gerücht, dass sich in der Elbmetropole etwas Ungeheuerliches und zuvor nie Dagewesenes zugetragen habe. Der Berliner Korrespondent des „Svenska Dagbladet“ berichtete in der Ausgabe vom 26. Februar von 250.000 Opfern. Der „Tagesanzeiger von Stadt und Kanton Zürich“ veröffentlichte im März 1945 unter dem Titel „Flucht aus der Hölle“ drei Folgen eines erschütternden Augenzeugenberichts, in dem der Autor nach Rücksprache mit Soldaten von 200.000 Toten sprach.

Der Romanist Viktor Klemperer, zu dieser Zeit Bewohner verschiedener „Judenhäuser“, ärgerte sich in einem Tagebucheintrag vom 22. Februar über die „kurzen Notizen über Dresden“ in der Presse, die „kein Wort über die 200.000 Toten“ enthalten würden. Auffällig ist, dass in allen drei genannten Äußerungen der völlig unterschiedlichen Beobachter eine Opferzahl im höheren sechsstelligen Bereich für absolut plausibel gehalten wird.

Der politische Auftrag der Historikerkommission

Einer im Jahr 2004 von der Stadt Dresden eingesetzten Historikerkommission wurde die Aufgabe zuteil, die kursierenden Opferangaben „wissenschaftlich“ nach unten zu setzen. Schon die präzise Angabe von „höchstens 25.000 Toten“, die einige Jahre später von den Dresdner Staats-Historikern verlautbart wurde, ist verräterisch. Denn in keiner anderen deutschen Stadt, die im Weltkrieg bombardiert wurde, dürfte die Ermittlung genauer Zahlen so schwer – um nicht zu sagen unmöglich – sein wie in Dresden.

Dresden, Teilansicht des zerstörten Stadtzentrums über die Elbe nach der Neustadt. In der Bildmitte der Neumarkt und die Ruine der Frauenkirche. Bild: By Bundesarchiv, Bild 146-1994-041-07 / Unknown author / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de.

Das große Problem bei der Zählung der Opfer liegt aber auch darin begründet, dass die behördlich angeordneten Bergungs- und Dokumentationsmaßnahmen durch den Einmarsch der Roten Armee in die Stadt am 7./8. Mai 1945 unterbrochen wurden und danach nie wieder bruchlos fortgeführt werden konnten, da große Teile der zuvor angelegten Aktenbestände entweder vernichtet oder ins Ausland verbracht worden waren.

Der Schlüsselzeuge für die Ermittlung einer einigermaßen zutreffenden Opferzahl war Hanns Voigt, der am 6. März 1945 zum Leiter der „Abteilung Tote“ der kurzfristig in Dresden eingerichteten „Vermißtennachweiszentrale“ (VNZ) ernannt worden war. Obwohl Voigt in einem Umfeld arbeiten musste, gegen das selbst Dantes Hölle im Vergleich als liebreizender Garten Eden erschienen wäre, gingen er und seine 90 Mitarbeiter überaus methodisch und überlegt vor, um Vermissten- und Todesmeldungen voneinander zu trennen.

In einem Brief von Voigt an den Historiker David Irving (der damals noch keineswegs als „Revisionist“ oder auch nur als rechts galt) vom 30. April 1961 zieht der frühere Leiter der „Abteilung Tote“ folgende Bilanz:

„Die Zahl der Toten, die als ,bekanntʽ oder ,unbekanntʽ registriert worden ist – solange ich dort tätig war  – , liegt nach meiner Erinnerung bei ca. 80 bis 90.000. Ich meine, dass man mit ca. 135.000 Toten aus den Angriffen ungefähr die Zahl richtig beziffern würde. Man kennt sogenannte Dokumentarberichte, die von 50.000 bis 500.000 sprechen, man gibt 220.000 an, aber nach meiner Auffassung treffen sie alle nicht zu.“

Die Arbeiten Wolfgang Schaarschmidts

Dieses Zitat aus dem Brief an Irving findet sich in dem Buch „Dresden 1945: Daten – Fakten – Opfer“ des 2022 verstorbenen Arztes und Zeithistorikers Wolfgang Schaarschmidt, der als Pensionär umfangreiche eigene Forschungsarbeiten zu den Bombenangriffen auf Dresden betrieb. Die Ergebnisse präsentierte er dann 2010 und 2018 in zwei deutlich erweiterten und aktualisierten Neuauflagen seines erstmals 2004 veröffentlichten Buches. Wohl kein zweiter Autor hat sich über Jahrzehnte hinweg so intensiv mit einer möglichst korrekten Abschätzung der Opferzahl der Bomberangriffe auf Dresden beschäftigt. Schaarschmidt kam schließlich zu dem Urteil:

„Schätzungen von 100.000 bis 150.000 Toten sind begründet.“

Die Bombardierung Dresdens war – neben der Operation Meetinghouse, dem massiven Brandbombenangriff auf Tokio in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 – einer der größten konventionellen Luftangriffe aller Zeiten. Der Name Dresdens steht zurecht neben den Namen von Städten wie Hiroshima und Nagasaki für die Schrecken des Luft- und Bombenkriegs. Wenn sogenannte liberalkonservative Autoren wie Benedikt Brechtken mit ihrer Neocon-Rhetorik den Angriff auf Dresden zu einem kriegsgeschichtlichen Ereignis von nur regionalgeschichtlicher Bedeutung umdeuten wollen, dann zeigen sie nur, dass sie von der Geschichte des 20. Jahrhunderts keine Ahnung haben und nichts vom Gang ihres eigenen Volkes durch diese Geschichte wissen.

 Arne Schimmer

Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline

Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS


Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/

AUFGEWACHT Online

Abonnieren Sie die Stimme des Widerstands

Cookie-Einwilligung mit Real Cookie Banner