Noch kein Geschenk für Ostern? Hier ein Vorschlag: Volker Zierke webt weiter an seinem zwielichtigen Kosmos der Illusionen und ihrer Überwindung: introspektiv, gallig, unerbittlich ehrlich. Herrengedeck ist kein Hohelied des „Machbaren“ – sondern ein kalter Blick in und auf das nichtige Leben im falschen. Ein Roman über die große Suche im kleinen Rahmen einer ganz besonderen Stadt, über das Verharren und Weitermachen in einer Welt, die grenzenlos, formlos und sinnlos geworden zu sein scheint. HIER zu bestellen!
Schon vor einigen Jahren stellte der Literaturprofessor Torsten Hoffmann auf seiner Webseite fest, die Neue Rechte sei „momentan die einzige politische Strömung in Deutschland, die programmatisch mit Literatur arbeitet“. In einem im Jahr 2022 mit der „Welt“ geführten Interview äußerte er außerdem mit Blick auf den Verlag Antaios und das damals noch bestehende „Institut für Staatspolitik“:
„Dort stellt man sich selbst als Lesebewegung dar und berichtet von der Prägung durch vielseitige, auch literarische Lektüren. Und vor allem betreibt man in den eigenen Medienkanälen Kanonpolitik und reflektiert darüber, wie sich auch unpolitische Literatur für die neurechte Sache nutzen lässt. (…) Es geht also darum, den Kanon zu verändern, Debatten mitzubestimmen, rechtes Vokabular in den allgemeinen Diskurs einzuschleusen. Deshalb ist die Literaturpolitik kein Nebenschauplatz der Neuen Rechten, sondern zumindest für Kubitscheks Kreis momentan das zentrale Feld.“
Zwischen Friedrich Sieburg und Helmut Krausser
Einer, der schon immer wusste, dass die Rechten keine tumben Haudraufs sind, ist der „Welt“-Journalist Tilman Krause. In seinen Texten und Rezensionen beschäftigte er sich immer wieder mit ungewöhnlichen und politisch nicht immer korrekten Autoren wie Helmut Krausser, Bernhard Schlink, Michel Houllebecq oder Friedrich Sieburg. Nun nahm er sich in einer Rezension den neuen Roman „Herrengedeck“ von Volker Zierke vor, der im Jungeuropa Verlag erschienen ist, der ja nun klar rechts des mainstream-fähigen Literaturbetriebs steht. Krause zeigt sich in seiner in der „Welt“ erschienenen Besprechung durchaus begeistert und lobt Zierkes Roman als literarisch gelungen und originell. Er betont die starke poetische Verdichtung der Dresdner Stadtlandschaft: „Selten hat man in den letzten Jahren eine so poetische Verdichtung von Stadtlandschaft gelesen wie in ‚Herrengedeck‘.“ Krause würdigte den witzig-grimmigen Stil, die unterhaltsamen Dialoge und die intelligente Neuverhandlung alter literarischer Topoi – diesmal „auf rechte, statt, wie gewohnt, auf linke Weise“. Der Roman ende „erstaunlich gut“ und zeige einen desillusionierten jungen Mann auf der Suche nach Sinn und Liebe.
Und am Ende seiner Rezension bemerkt Krause:
„Nein, mit Volker Zierke meldet sich ein begabter Hund zu Wort. Die Leiden seines jungen Nihilisten an Deutschland, an der ,gebrechlichen Einrichtung der Weltʽ, um mit Kleist zu sprechen, gestalten einen alten Topos neu. Auf rechte, statt, wie gewohnt, auf linke Weise. Wie geht es wohl mit diesem Autor weiter? An einer Stelle des Buches lässt er seinen Grübler sinnieren: ,Ich will keinen Erfolg haben. Aber es wäre schön, wenn am Ende wenigstens alles Sinn ergäbe.ʽ Ich kann mir nicht helfen, ich wünsche beiden, dass das klappt.“
Philosophische Labyrinthe
Es ist nicht die erste positive Rezension von „Herrengedeck“ in einer der großen deutschen Zeitungen. Auch in der „Zeit“ fiel die Besprechung von Mariam Lau bemerkenswert wohlwollend aus. Lau zeigte sich überrascht, dass aus dem AfD- und Burschenschafter-Umfeld ein „schwermütiger Dresden-Roman“ entstehen konnte, der eher an Christian Kracht, Michel Houellebecq, Hunter S. Thompson oder Charles Bukowski erinnere als an vermeintlich typische neurechte Literatur. Die Rezension wurde teilweise als Durchbruch in der Wahrnehmung „rechter Literatur“ diskutiert und von der „taz“ dann auch skandalisiert.

Literatur ist und bleibt eben die ambitionierteste Form der Weltaneignung, gerade weil sie auf dem Gebiet des Fiktiven erfolgt, weil sie ein philosophisches Labyrinth und „eine Achse unzähliger Beziehungen“ (Jorge Luis Borges) darstellt. Sie ist so etwas wie die Königsdisziplin der Metapolitik. Kein schlechtes Zeichen, wenn die Rechten mittlerweile hier so gut abschneiden!
■ Arne Schimmer
Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline
Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS
Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/


