Helge Schneider 2023 in der Talkshow "Maischberger". Foto: Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0.

Helge Schneider wird 70: Clown, Pazifist, Musik-Virtuose

Herzliche Glückwünsche an den Großmeister des absurden Humors.

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Im November 1993 eroberte ein absurdes Film-Kunstwerk die Herzen der Kinobesucher im Sturm: Der Jazz-Musiker und Komiker Helge Schneider erreichte mit seinem Film „Texas: Doc Snyder hält die Welt in Atem“ ein Millionenpublikum. Schon zwei Jahre zuvor war ihm mit dem Album „Guten Tach“ und der Single-Auskoppelung „Katzeklo“ der kommerzielle Durchbruch gelungen. Seitdem ist der am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr geborene Künstler aus der deutschen Comedy-Szene nicht nur nicht mehr wegzudenken, sondern überragt diese um mehr als nur eine Haupteslänge. Das liegt nicht nur daran, dass Schneider ein Dutzend verschiedene Musikinstrumente beherrscht, sondern dass seine Filme durch einen gleichzeitig absurden wie auch tiefsinnigen Humor geprägt sind, der auf die in allen irdischen Dingen generell angelegte Absurdität verweist.

Und Schneider steht als Person auch für seine Heimatregion Ruhrgebiet, deren Menschen ihm als Vorlage für seine Sketche und Drehbücher dienen. So bezeichnet er die 70er Jahre, in der er seine Freizeit gerne in einem Eduscho-Stehcafé verbrachte, auch als sein „Eduscho-Studium“. Hier studierte er Gestik und Sprache der „Oppas“ aus dem Ruhrpott, die aus seiner Sicht für eine aus Lebenserfahrung gespeiste Weisheit standen und eine besondere Form der Würde ausstrahlten. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre arbeitete er schon mit Christoph Schlingensief zusammen, machte sich einen Namen als Jazz-Musiker, war aber auch noch ganz klar ein Geheimtipp der Underground-Ruhrkultur.

Zusammenarbeit mit Helmut Körschgen

Das Erfolgsgeheimnis von Schneider besteht darin, dass er die ohnehin schon im Alltag liegende und in der Existenz verborgene Absurdität noch ein wenig zuspitzt und damit sichtbar macht. Sich selbst bezeichnet er als „Clown“, nicht als Komiker oder gar „Comedian“. Er ist ein Großmeister der Improvisation, jeder Live-Auftritt von ihm ist ein absolutes Unikat. Und er erkennt das Potential von originellen Menschen, die ihm über den Weg laufen. Bei den Dreharbeiten zu „Doc Snyder“ – der Film wurde größtenteils auf der Freilichtbühne der Karl-May-Festspiele in Elspe im Sauerland gedreht – fiel ihm beispielsweise der Parkplatzwächter Helmut Körschgen (verstorben 2002) auf, den er direkt vom Fleck weg engagierte und der auch später in dem Film „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“ eine tragende Rolle spielte.

Politik ist für Schneider wohl eine Feld der menschlichen Komödie neben anderen. Während der 70er Jahre ging er sowohl zum Tanzkaffee der Jungen Union wie auch zum Beatschuppen der DKP, wie er einmal einem Journalisten verriet. Er vertritt auf jeden Fall eine klar pazifistische Haltung.

In der Talkshow „Maischberger. Die Woche“ im Februar 2023 erklärte er:

„Ich bin ein Mann des Friedens. Schon als Kind konnte ich mir nicht vorstellen, in den Krieg zu ziehen oder auch nur in diesem Zusammenhang aufzutauchen.“

Um dem Wehrdienst zu entgehen, zog er als junger Mann zwölfmal um, wie er selbst humorvoll erzählt.

Auch zum woken Modethema „kulturelle Aneignung“ positionierte sich Schneider in dieser „Maischberger“-Sendung und äußerte auf die Frage, ob ein weißer Musiker Jazz oder Reggae spielen dürfe:

„Wenn ich Musik fühle und jemand anderes sagt, das ist kulturelle Aneignung, das interessiert mich einen Scheißdreck. Was soll das?“

Heute begeht Helge Schneider seinen 70. Geburtstag. Er gehört auf jeden Fall zu jener seltenen Form von Künstlern, die absolut unverwechselbar sind.

 Arne Schimmer

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