In der Ausgabe des AUFGEWACHT-Magazins mit dem Titel „Endkampf im Nahen Osten: Droht der Dritte Weltkrieg?“ legen wir den Finger in die Wunde und machen deutlich, aus welcher Richtung die Gefahr droht. Die umfassende geopolitische Analyse zu einer Region, von der der nächste Weltenbrand auszugehen droht. Das Heft können Sie HIER bestellen.
Deutsche und Perser haben in ihrer Geistesgeschichte einige Wesensähnlichkeiten: Bei beiden wurde die ursprüngliche spirituelle Tradition von einer fremden Religion aus dem Süden ersetzt (aus Rom bzw. Mekka), aber beide Völker verfügten über ein so starkes Substrat an Eigenem und einen so großen Gestaltungswillen, dass sie schließlich unverwechselbare Mischkulturen herausbildeten. Bei den Deutschen fällt dies etwa durch die Stilrichtungen der Gotik und der Romantik auf und im Religiösen durch die Reformation, bei den Persern sind es die Schia und die Anleihen an die eigene uralte Hochkultur.
Protestantismus und Schia
Beide Völker haben einen Hang zum Rationalen und zu Gerechtigkeit. Uns mag die Unterscheidung in Sunnis und Schiiten wenig sagen, aber es ist nicht verkehrt, in der schiitischen Ausrichtung Ähnlichkeiten mit dem Protestantismus zu sehen. Die Schia integriert den „aql“ (Verstand) als eigenständige Quelle religiösen Wissens neben Koran und Sunna, ähnlich wie Luther und Calvin die „sola scriptura“ mit rationaler Bibelauslegung verbanden. Beiden Kulturen ist der Kampf zwischen Gut und Böse sehr wichtig. „Erfunden“ hat diesen Dualismus Zarathustra. Originell ist auch die Safawidische Renaissance, die islamische Arabesken mit vorislamischen Sassaniden-Motiven (Rosen, Gärten) und zoroastrischen Feuersymbolen verschmolz.
Besonders eindrücklich äußert sich der rationale Wesenszug in der persischen Tradition, das neue Jahr an den astronomischen Frühlingsbeginn zu koppeln, also an die erste Tag- und Nachtgleiche nach der dunklen Jahreszeit. Das ist der objektivste Grund, einen neuen Jahreszyklus zu beginnen, und gilt als einer der ältesten Feiertage der Menschheit. Im siebten Jahrhundert vor Christi Geburt wurde er erstmals schriftlich erwähnt. Bis heute hält sich die Tradition als „Nawrus“ auch in den Nachbarländern des Iran bis hoch nach Russland. Das Fest wird von ungefähr 300 Millionen Menschen begangen. Der Begriff bedeutet ursprünglich „neues Licht“. (Die erste Silbe ist in den anderen indogermanischen Sprachen als „neu“ wiederzufinden, in der zweiten Silbe lässt sich über die häufig vorkommende Verschiebung von „l“ zu „r“ dieselbe Wurzel erkennen, die „Licht“ im Deutschen hervorbrachte.) Schon vor vielen tausend Jahren stand in Persien (damals inklusive Zweistromland) die Himmelsbeobachtung in höchster Blüte. Was wir heute begrifflich in Astrologie und Astronomie trennen, war damals (und bis in die Neuzeit auch bei uns) noch eine Einheit.
Eine äußerst seltene Konstellation
In diesem Jahr fällt das Äquinoktium auf den 20. März um 15 Uhr 46. Es steht im Iran ganz im Zeichen der usraelischen Bombardements (der Begriff „völkerrechtswidriger Angriffskrieg“ ist ja für Russland reserviert) und lädt ein, über die tieferen Zusammenhänge nachzudenken. Traditionell werden für diesen Zeitpunkt Prognosen für längere Zyklen erstellt. Der bekannteste Astrologe in Russland, Pawel Globa, der schon in der Sowjetunion gelehrt und publiziert hat, hat persische Wurzeln und praktiziert das alte Avesta-System. Seine Prognosen haben auch heute noch eine relativ hohe Trefferquote. So sagte er Anfang 2020 wörtlich: „Wir werden das Jahr der Maus haben und müssen hoffen, nicht als Labormäuse zu enden.“ Andrej Bucharin, ein Schüler Globas, interpretierte Anfang 2026 den Eintritt von Neptun in den Widder in Konjunktion mit Saturn als wichtigsten Aspekt des Jahres.

Die Verbindung der Planeten ereignet sich alle 36 Jahre, der Eintritt von Neptun in den Widder kommt nur alle 165 Jahre vor. Mitte Juni 2025 gab es bereits einen Vorlauf, in den der erste Angriff auf den Iran lanciert und mit ihm der erste steile Anstieg des Ölpreises seit 2022 fielen. Neptun steht für Religion, Illusion und Fanatismus. Auch das Öl wird ihm zugeordnet. Dreizehn Jahre wird er nun im kriegerischen Zeichen Widder verweilen. Ein seriöser Astrologe geht buchhalterisch alle verfügbaren historischen Daten durch und vergleicht die entsprechenden Zyklen auf Ähnlichkeiten.
Die Neptun-Saturn-Konjunktion markiert oft das Ende von Imperien wie zuletzt ab 1989 der Sowjetunion. Bucharin erinnert bezüglich des Neptuneintritts in den Widder daran, dass 715-728 eine solche Phase mit den arabischen Feldzügen gegen Europa zusammenhing, 1054 mit dem Kirchenschisma und 1536 mit dem militanten Calvinismus. Die Saturn-Energie liefert nun sozusagen die Bewaffnung, die Struktur für die Umbrüche. Verstärkt wird dies noch vom Quadrat zu Pluto und Uran.
Brücke zwischen Indien und Europa
Der Blick auf diese obskuren Dinge ist weniger im Sinne der Frage nach einer Vorherbestimmung oder außerirdischen Einflüssen interessant als vielmehr aus der gesicherten Erkenntnis, dass sich die Hintergrundmächte, besonders bei Kriegen, gerne daran orientieren, um ihre Erfolgschancen zu erhöhen.

Als Brücke zwischen Indien und Europa wirkte Persien außerordentlich befruchtend vor allem für die Religionen in der heutigen Levante. Die jahrtausendealte Feindbildrolle (Amalek) bei bestimmten messianischen Ausrichtungen des Judentums (die dank Netanyahu derzeit das Sagen haben) verdankt Persien den in der Bibel beschriebenen feindlichen Handlungen gegenüber Israel, aber sie erinnert auch an eine Art gestörtes Kind-Eltern-Verhältnis, das ein irrationales Motiv der Rache für eine lange zurückliegende tatsächliche oder eingebildete Misshandlung transportiert. Ähnliche strafende Auslöschungsphantasien betrafen auch Deutschland in den 1940er Jahren.
Israel als „globale Supermacht“
Es gibt das Gerücht, dass Johann Wolfgang von Goethes Lustspiel „Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern“ (1773), das eine parodistische Aufführung des biblischen Esther-Stoffs enthält, der die Grundlage des Purim-Fests bildet, nach Goethes Tod umgeschrieben wurde, weil der Dichterfürst dort die Rolle von Haman ein wenig zu mild darstellte. Eine ähnlich große interpretatorische Spannbreite hat die Aussage Netanyahus vom 13. Kriegstag, Israel werde nun eine „globale Supermacht werden“.
Und weiter wörtlich: „Wir werden zur Ruhe und zum Erbe kommen. Wir werden zu den Tagen des Messias kommen. Also sage ich euch, es könnte sein, dass wir zu den Tagen des Messias kommen. Aber das wird nicht am nächsten Donnerstag passieren. Im Leben der Nationen stößt du ständig auf neue Tage oder alte Tage, die sich erneuern. Und der einzige Weg, dein Überleben zu sichern, deine Zukunft, deine Sicherheit und die Bündnisse, die man mit dir schließt, ist, dass du sehr stark bist.“ Neptun und Saturn im Widder stehen genau für eine solche Kombination aus religiösem Dogma und großer irdischer Gestaltungmacht.
Wird man zu Nawrus den Iranern eine Art Neujahrsfrieden gönnen?
■ Jochen Stappenbeck
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