Alltag in der kubanischen Stadt Matanzas. Bild: Wikimedia Commons.

Kuba im Visier: „Wie Iran oder Venezuela?“

Trump phantasiert vom nächsten Coup

Global tobt der Kampf zwischen Russland und China einerseits und den USA andererseits: Auf Kuba, im Iran, in Venezuela, in der Arktis, im Südchinesischen Meer und um die koreanische Halbinsel. Im aktuellen Heft werfen wir einen Blick auf den Zustand der westlichen Vormacht unter Donald Trump. In unserem brandneuen Heft „Trump: Genie oder Gangster“ gehen wir der Frage nach, die derzeit unzählige Menschen umtreibt: Ist Donald Trump ein politisches Genie der Realpolitik – oder ein skrupelloser Gangster, der das Völkerrecht verachtet? Mit Analysen zu Venezuela, Iran, Grönland und Taiwan sowie einem Interview mit dem belgischen Geopolitik-Experten Robert Steuckers. HIER bestellen!

Auf einer Pressekonferenz am 16. März unterstrich US-Präsident Trump seine Übernahmephantasien in Bezug auf Kuba in gewohnt offenherziger Weise. Für viele vormals wohlwollende Beobachter verringert sich der Kontrast zum senilen Joe Biden zusehend. Ist Trump nun verrückt oder tut er nur so? Für Überlegungen in dieser Hinsicht empfiehlt es sich, die zentralen Stellen im Wortlaut nachzulesen.

Trump wird von einem Journalisten gefragt, ob er „Kuba mehr wie Iran oder mehr wie Venezuela“ behandeln will.

„Ich kann Ihnen das (nicht?) sagen. Ich kann Ihnen sagen, dass sie mit uns sprechen. Es ist eine kaputte (failed) Nation. Sie haben kein Geld, kein Öl, kein Nichts. Sie haben schöne Landschaft. Es ist eine schöne Insel.“

Ist Trump verrückt?

Dann erzählt Trump von Geschäftsfreunden mit kubanischen Wurzeln – der eine ein Tankstellen-Oligarch, der andere reich geworden durch Zucker –, die ihn ständig bedrängen würden, dass sie und ihre Familien endlich wieder zurückkehren möchten. Er müsse sie bislang hinhalten mit Worten wie: „Wir werden sehen, was passiert.“ Dann führt er aus:

„Ich denke, Kuba ist, ich weiß nicht, auf seine Art, wissen Sie, für Tourismus und die anderen Dinge ist es eine schöne Insel. Großartiges Wetter. Sie liegen in keiner Hurrikan-Zone, was zur Abwechslung nett ist, wissen Sie. Sie werden uns nicht um so viel Geld bitten jede Woche für Hurrikans. Aber ich denke, dass Kuba das Ende gesehen hat. Wissen Sie, mein ganzes Leben habe ich gehört: USA und Kuba. Wann werden die Vereinigten Staaten es tun? Ich glaube, ich werde die Ehre sein… ich werde die Ehre haben – die Ehre, Kuba zu nehmen. Das ist eine große Ehre.“

Journalist fragt nach: „Nehmen?“

„Kuba nehmen, in irgendeiner Form. Ob ich es befreie, nehme – ich denke, ich kann damit tun, was ich will, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen. Sie sind momentan eine sehr geschwächte Nation. Sie waren es für eine lange Zeit. Sehr gewalttätige, sehr gewalttätige Anführer. Castro ist ein sehr gewalttätiger Anführer. Und seine Brüder sind auch wirklich gewalttätig später. Extrem gewalttätig. Das ist, wie sie regierten. Sie regierten durch Gewalt.“

Im Gegensatz zu den meisten körperlichen Abweichungen von der gesundheitlichen Norm lässt sich bei geistigen und charakterlichen Abweichungen nie eindeutige Gewissheit erlangen, ob ein Mensch der Norm entspricht oder nicht bzw. ob die Abweichungen gefährlich sind. Es wird immer wie im politischen Diskurs verschiedene Lager geben, die jeweils ihre Grundansichten bestätigt sehen, wenn sie jemanden als verrückt oder eben nicht zu erkennen glauben. Wenn man sich nämlich die pathogenen Faktoren als eine Art parasitäres Programm vorstellt, das ein Eigeninteresse hat, sich zu erhalten und vermehren, dann erscheint es folgerichtig, dass es dem Kern der Persönlichkeit suggeriert, unabdingbar zu sein oder sogar geradezu die Besonderheit der Persönlichkeit auszumachen, also auf keinen Fall beseitigt oder auch nur angetastet werden darf.

Daher das dominierende Merkmal der starken Widerspruchsallergie. Aus Sicht des Menschen ist es ja auch so, dass jedes Problem, das schwer oder gar nicht gelöst werden kann, am besten „proaktiv“ akzeptiert werden sollte. Und in der Tat erwachsen viele gute Eigenschaften gerade aus solchen unlösbaren Problemen oder Traumata. Hinzu kommt, dass ein der Verrücktheit Verdächtiger auf eine fachmännische Diagnose verzichten wird, indem er zurecht auf die Fehlbarkeit und Abhängigkeit der Experten von den gesellschaftlichen Normen und Interessen verweist.

Mit dieser Einschränkung im Hinterkopf lassen sich die immer wieder vorgebrachten Ferndiagnosen mit den Äußerungen zu Kuba abgleichen:

  • Narzisstische Persönlichkeitsstörung: Übersteigerte Selbstverherrlichung, Kränkbarkeit, mangelnde Selbstreflexion, charmantes Lügen
  • Soziopathie/Antisoziale Störung: Sadismus, Mitleidlosigkeit, Normenverachtung
  • Weiteres: Paranoide Züge, Hypermanie, Wahnbildung

Im Gegensatz zu Iran und Venezuela verzichtet Trump, neben der Erwähnung einer unerträglichen Regierung auch noch die „Großartigkeit“ der Menschen auf Kuba zu betonen, die es zu befreien gilt. Die gewohnt primitive Ausdrucksweise hat hier einen deutlich sexuellen Unterton. Das „Nehmen“ einer „geschwächten Nation“ erinnert mehr an die sadistische Genugtuung eines „beschützenden“ Vergewaltigers von Wehrlosen wie in den Epstein-Dateien, die dank Irankrieg von der medialen Bildfläche verschwunden sind. Wie bei narzisstisch geprägten Menschen üblich, gibt es keine Grenze zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Kuba wird fürsorglich bereits als Teil der USA betrachtet, den man vor Wetterkapriolen schützen muss. Die Erwähnung der besonderen Hurrikan-Lage ist ein charmanter Witz, der zwar nichts mit der Realität zu tun hat, aber von anderen Fragen ablenkt. Der fremde Wille und das durch Interventionen verursachte Leid existieren als Kategorie nicht – außer, es sind eindeutig andere dafür zu beschuldigen wie im Ukrainekrieg.

Wer lenkt Trump?

Gleichzeitig wird die Allmachtphantasie als Nettigkeit gegenüber Freunden verkauft, denen man nun einmal zu gewissen Gefälligkeiten verpflichtet ist. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. In derselben Pressekonferenz entschuldigte Trump sich für den Angriff auf den Iran als „Verpflichtung“, die er nun einmal eingehen musste. „Ich wollte es nicht tun.“ Der narzisstisch Gestörte muss ständig darum bemüht sein, jede Verantwortungslast von seinem Seelenhaushalt fernzuhalten. So ist sein Gewissen immer im Reinen.

Wie bei Biden stellt sich damit die Frage nach den eigentlichen Lenkern einer solchen prekären Persönlichkeit. Namen wie Jared Kushner, Peter Thiel und Larry Fink werden oft genannt. Und warum hat wohl Larry Silverstein, der große Glückspilz vom 11. September 2001, sich wieder einen neuen Wolkenkratzer zugelegt und gegen Terroranschläge versichert? Muss für eine neue Intervention nachgeholfen werden? Oder braucht das amerikanische Wahlvolk einen Motivationsschub für den Irankrieg?

Trump Präsident
Donald Trump mit Ehefrau Melania bei seiner ersten Vereidigung 2017. Mittlerweile fragen sich viele Menschen, wie es um die psychische Gesundheit Donald Trumps steht. Foto: By The White House – Official White House Facebook page, Public Domain.

Im Vergleich zum Iran wäre Kuba wieder die seit Vietnam von den USA bevorzugte Zwergengröße eines Opferlandes, das überfallen oder von innen transformiert wird. Auch die Ölvorkommen vor der Küste sprechen für eine Befreiung vor „gewalttätigen“ Herrschern. So ist auf Wikipedia zu lesen: „Nach Schätzungen der staatlichen Ölgesellschaft CUPET verfügt Kuba vor seinen Küsten über Ölvorkommen von bis zu 20 Milliarden Barrel, was ungefähr den noch vorhandenen Reserven der USA entspricht und fast das Doppelte der Reserven Mexikos ausmacht.“ Einschätzungen aus den USA kommen immerhin auf neun Milliarden Barrel an Ölreserven und rund 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas.

Drei Faktoren sprechen gegen eine direkte militärische Intervention:

  1. Seit dem totalen Ölembargo nach der Maduro-Entführung ist der Zusammenbruch nur eine Frage der Zeit, auch wenn die Exilkubaner nach wie vor einen starken Anteil an der Stützung der Wirtschaft haben.
  2. Kuba wird von Israel nicht als besonders antisemitisch eingestuft.
  3. Chaos stiftende Kriege zetteln die USA lieber möglichst weit weg an, damit die geopolitischen Konkurrenten geschwächt werden.

„Die USA bedrohen Kuba fast täglich öffentlich damit, die verfassungsmäßige Ordnung gewaltsam zu stürzen“, schrieb der seit 2019 regierende kubanische Präsident Díaz-Canel tags darauf auf X. Trumps Regierung verkünde nicht nur Pläne zur Übernahme Kubas und seiner Ressourcen, sie versuche, das Land wirtschaftlich zu ersticken und eine Kapitulation zu erzwingen. „Nur so lässt sich der erbitterte Wirtschaftskrieg erklären, der als Kollektivstrafe gegen die gesamte Bevölkerung geführt wird.“

„We will see what happens.“

 Jochen Stappenbeck

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