Showdown in Budapest. Die neue AUFGEWACHT 4/26 mit dem Titelthema „Endkampf um Ungarn – Orban gegen die Globalisten“ ist erschienen – und sie ist größer als je zuvor! Ab sofort liefern wir Ihnen dauerhaft 48 Seiten (statt bisher 44) geballte Information und unabhängige Meinung. Titelthema: Die Putschpläne gegen Viktor Orbán und der drohende „Euro-Maidan“ an der Donau. Dazu mehrere Texte und Interviews, unter anderem mit Ignaz Bearth. HIER bestellen!
Kaum ein zweiter Staatschef in der EU dürfte sich so intensiv mit Geopolitik beschäftigen wie Viktor Orbán. Kaum jemand hat ein ähnlich feines Sensorium für die sich schon seit dem Ende des Kalten Krieges rapide verschiebenden Machtverhältnisse auf globaler Ebene. Immer wieder erarbeitet er gemeinsam mit Fachleuten und Publizisten Konzepte, wie sich Europa und Ungarn auf die neue Lage einstellen sollten.
Auf der von der ungarischsprachigen Gemeinschaft in Siebenbürgen organisierten Sommeruniversität von Bálványos skizzierte Orbán im Sommer 2024 beispielsweise erstmals seine „Grand Strategy for Hungary“ – also seine große nationale Strategie für Ungarn. Der Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, dass Ungarn 1920 von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs im Pariser Vorortvertrag von Trianon als kleine und arme Nation in die Eigenstaatlichkeit entlassen wurde. 120 Jahre später solle das Land bis 2040 reich und stark geworden sein. Der Entwurf basiert auf dem Prinzip der „connectivity“, also der Vernetzung mit dem Westen, aber auch mit Russland, China, der Türkei und den zentralasiatischen Staaten. Es sei überlebensnotwendig, sich nicht mehr in feste Blöcke einsperren zu lassen, da ein „Weltrangsystemwechsel“ stattfinde, den es seit einem halben Jahrtausend nicht mehr gegeben habe.
„Friedensgärung“ in Europa
Der gleichermaßen sanktionsbesessene wie konkurrenzunfähige Westen verliere an Macht, während Asien zum neuen Zentrum der Welt aufsteige. Der ungarische Premier diagnostizierte außerdem einen beginnenden Prozess der „békepárti erjedés“ (Friedensgärung) in Europa und warnte: Wenn die EU am Krieg gegen Russland festhalte, bleibe sie allein zurück. Zu den Säulen, auf denen die „Grand Strategy for Hungary“ ruhe, zählen unter anderem eine pronatale Familienpolitik statt Massenzuwanderung und eine Neutralitätspolitik, die das Land aus Kriegen heraushalte.

Aus Sicht der Brüsseler EU-Kommission dürften solche Gedankengänge freilich an ein Sakrileg grenzen, zielen sie doch auf die Stärkung des Eigenen statt auf ein lückenloses Aufgehen in den westlichen Institutionen ab. Auch in Kiew sieht man die Friedensangebote, die Orbán gegenüber Russland macht und seine Kritik an der EU-Sanktionspolitik, nicht gerne.
Mit der eigenständigen Rolle Ungarns innerhalb der internationalen Beziehungen würde es natürlich vorbei sein, falls Péter Magyar die heutigen Wahlen gewinnt. Der hat nämlich schon signalisiert, sich künftig an alle Brüsseler Direktiven halten zu wollen. Insbesondere wegen den gegensätzlichen geopolitischen Positionen der beiden Spitzenkandidaten ist die heutige ungarische Parlamentswahl zur „globalen Machtprobe“ geworden, wie Eric Bonse in der heutigen „Berliner Zeitung“ feststellt.
■ Arne Schimmer
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