Das Jahr 1956 war ein Achsenjahr des 20. Jahrhunderts, in dem viele wichtige Ereignisse stattfanden. Der Suez-Krieg führte zu einer Änderung der Machtverhältnisse im Nahen Osten, der Ungarn-Aufstand erschütterte den Ostblock und hatte auch Rückwirkungen auf die DDR. Brisante Hintergründe, verschwiegene Tatsachen: In unserem Sonderheft „Die DDR – Geschichte eines anderen Deutschlands“ präsentieren wir Ihnen die Geschichte der DDR, wie Sie sie noch nicht kannten – garantiert! Hier bestellen!
Wenn der britische Historiker Niall Ferguson Deutscher und kein Brite wäre, dann wäre er wohl ein aus der Gesellschaft ausgestoßener Außenseiter geworden, denn er denkt und schreibt zu unangepasst und missachtet alle Regeln der politischen Korrektheit. Doch im englischsprachigen Raum achtet man die Freiheit des Wortes und hier gilt Ferguson als einer der wichtigsten Intellektuellen unserer Zeit. Nun hat sich Ferguson in einem Artikel für das konservative US-Portal „The Free Press“ zum Iran-Krieg geäußert und dabei eine interessante Parallele zum Jahr 1956 gefunden, nämlich den Suez-Krieg.
Auslöser des Kriegs war die Nationalisierung des Suez-Kanals durch Gamal Abdel Nasser im Juni 1956, was durch den Krieg wieder rückgängig gemacht werden sollte. Der Suez-Krieg verlief militärisch in zwei klar getrennten, aber koordinierten Phasen: der israelischen Operation Kadesh (ab 29. Oktober 1956) und der anschließenden britisch-französischen Operation Musketeer (ab 31. Oktober bzw. 5. November). Die Koalition aus Israel, Großbritannien und Frankreich erreichte fast alle militärischen Ziele innerhalb weniger Tage – die Besetzung des Sinai durch Israel und die Einnahme des nördlichen Suez-Kanal-Gebiets durch die Briten und Franzosen. Die britische Armee setzte in diesem Krieg erstamals überhaupt Hubschrauber in einem militärischen Konflikt ein, um so für rasche Truppenverlegungen sorgen zu können. Politisch endete der Krieg jedoch mit einem Rückzug unter internationalem Druck.
„Ende der Pax Britannica“
Niall Ferguson sieht in seinem Artikel Parallelen zwischen der heutigen Situation Donald Trumps zur Situation des damaligen konservativen britischen Premierministers Anthony Eden. Auch Letzterer hatte damals die Wirkung eines als antiquiert empfundenen Kolonialkriegs auf die Weltöffentlichkeit unterschätzt.

Weder in Paris noch in London noch in Tel Aviv hatte man außerdem damit gerechnet, dass sich sowohl die USA als auch die Sowjetunion gegen die anglofranzösisch-israelische Invasion stellen könnten. Der damalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower tat dies, weil er befürchtete, dass sich Ägypten ganz von den USA ab- und der Sowjetunion zuwenden könnte, was später allerdings dennoch geschah.
Auf X stellte Ferguson nun fest:
„Es wird immer wahrscheinlicher, dass Trumps Krieg ähnlich wie der von Eden auf ihn zurückfällt – wirtschaftlich, politisch und geopolitisch. Das wirft die Frage auf: Ist dies der amerikanische Suez? Für die Vereinigten Staaten wäre die Abtretung der Kontrolle über die Straße von Hormus an den Iran im Jahr 2026 keine ganz so schnelle Demütigung wie das Scheitern der Briten und Franzosen bei dem Versuch, Ägypten 1956 die Kontrolle über den Suezkanal zu entreißen. Die Folgen für die Glaubwürdigkeit der Pax Americana wären jedoch ähnlich wie die Folgen von Suez für die Pax Britannica. Es würde sowohl die Legitimität als auch die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Vorherrschaft dauerhaft schädigen – und den Weg für eine neue internationale Ordnung ebnen, in der eine aufstrebende Macht die Möglichkeit hätte, die Führungsrolle zu übernehmen.“
Symbolischer Wendepunkt
Immer wieder hat sich Ferguson in seinem Werk mit der Suez-Krise beschäftigt. In Werken wie „Empire“ (2003 erschienen, einem Buch über die Geschichte des britischen Kolonialreiches) oder „Colossus“ (erschienen 2004, über die Geschichte der US-Außenpolitik) thematisiert er den britischen Niedergang nach 1945, wobei Suez als symbolischer Wendepunkt dient.

Zusammengefasst sieht Ferguson in der Suez-Krise von 1956 ein klassisches Beispiel für eine hybride Niederlage: militärisch beeindruckend, politisch und ökonomisch katastrophal. Sie illustriere, wie schnell imperiale Macht illusionär werden kann, wenn finanzielle und ökonomische Abhängigkeiten und öffentliche Meinung zusammenwirken.
Weiter äußerte Ferguson auf X:
„Für die Vereinigten Staaten wäre die Abtretung der Kontrolle über die Straße von Hormus an den Iran im Jahr 2026 zwar keine ganz so schnelle Demütigung wie das Scheitern der Briten und Franzosen bei dem Versuch, Ägypten 1956 die Kontrolle über den Suezkanal zu entreißen. Die Folgen für die Glaubwürdigkeit der Pax Americana wären jedoch vergleichbar mit den Folgen der Suez-Krise für die Pax Britannica. Dies würde sowohl die Legitimität als auch die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Vorherrschaft dauerhaft schädigen – und den Weg für eine neue internationale Ordnung ebnen, in der eine aufstrebende Macht die Möglichkeit hätte, die Führungsrolle zu übernehmen.“
Immer wieder greift Ferguson die Vorgänge rund um den Suez-Kanal im Herbst 1956 in seinen Werken auf. Er verwendet diesen Teil der Nachkriegsgeschichte bewusst als Mahnung – nicht nur für Historiker, sondern vor allem für die aktuellen Entscheidungsträger in Washington.
■ Arne Schimmer
Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline
Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS
Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/


