Bombenangriff Dresden 1945
Blick vom Rathausturm auf das völlig zerstörte Dresden nach den Bombenangriffen vom 13. bis 15. Februar 1945. Foto: Von Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 de.

13. Februar 1945: Bomber über Dresden

Die Nacht, in der das Feuer kam

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Als Luftmarschall Arthur Harris in seinem Hauptquartier High Wicombe am Morgen des 13. Februar 1945 die Besprechung der Führer und Chefs des Bomber Command eröffnete, erhielt er zu Beginn die neuesten Meldungen der beiden Chefmeteorologen. Er las sie durch. Dann zögerte er einige Sekunden, ehe er seinem Stab verkündete: „Gentlemen, heute Nacht werden wir Dresden angreifen! Ich selbst kenne zwar keinen besonderen Grund, der zur Auswahl dieser Stadt geführt hat, aber der Angriff wurde mir von Oberster Stelle mit großer Dringlichkeit befohlen.“

Er reichte die Wettermeldung an seinen Stellvertreter, Luftmarschall Sir Robert Saundby weiter, der wenige Tage vorher erst von diesem Ziel erfahren hatte und von Harris gebeten worden war, festzustellen, warum gerade diese Stadt plötzlich so wichtig geworden war. Saundby musste melden, dass die gesamte Abwehrabteilung, in der alles Wissenswerte über die angreifenden Ziele gespeichert war, nichts über Dresden wusste. Er konnte nur melden: „Die Stadt ist nicht als Truppensammelplatz ausgewiesen. Bekannt ist nur, dass sie mit hunderttausenden Flüchtlingen aus dem Osten belegt ist.“ Luftmarschall Harris zeigte den Befehlshabern an der großen Karte den Weg, den die Bomberflotten nehmen sollten und gab bekannt, welche Täuschungs- und Entlastungsangriffe geflogen werden würden. Die Startplätze würden in Süd- und Südostengland liegen. Die vorgegebenen Flugrouten würden einschließlich der befohlenen Ausweichbewegungen um die Flakzentren in Deutschland herum auf dem Hinflug 1.300 Kilometer und während des Rückfluges 1.400 Kilometer betragen.

Straßen der Höllenglut

Dies bedeutete, dass die Lancaster-Bomber zwischen neun und zehn Stunden insgesamt unterwegs sein würden. Die internen Weisungen für die beiden Masterbomber waren von anderer Art als jene Berichte, die den Bomberbesatzungen mit auf den Weg gegeben wurden. Die beiden Leitmaschinen – für jede Welle eine – wurden von erfahrenen Offizieren geflogen, die diese Art des Luftkriegs kannten und wussten, worauf es ankam. Die erste Maschine, eine hochmoderne Mosquito, war für die 5. Bomber Group bestimmt. Sie wurde von Wing Commander (Gruppenkommandeur) Maurice Smith geflogen. Die zur Einweisung der zweiten Welle bestimmte Maschine stand unter dem Kommando von Squadron Leader (Staffelkapitän) Peter de Wesselow. Er hatte die 1., 3., 6. und 8. Bomber Group ins Ziel zu bringen. Beiden wurde vorher in der Unterweisung gesagt, dass man „den Russen die Schlagkraft des Bomber Command beweisen wolle.“

Das berichtete Wesselow, während Smith noch folgende Ergänzung lieferte: „Diese völlige Zerrissenheit einer bislang heilgebliebenen Stadt dieser Größe und Art wird eine bedeutende Wirkung auf die Russen haben.“ (…) Masterbomber Smith war durch sein Lorangerät an Dresden herangeführt worden. Als er in die richtige Position zum Steilanflug auf das Ziel hinunter ansetzte, stieß er zunächst durch die obere Wolkendecke, die nicht sehr dicht war, und unter der er plötzlich direkt unter sich die Stadt am silbernen Band der Elbe sah, das aus seiner Sicht noch jenseits des zu bombenden Gebiets floss.

Plauen Bombardierung
US-amerikanischer B-17-Bomber beim Abwurf seiner tödlichen Fracht. Foto: Von assumed USAAF – National Archives via the United States Air Force Historical Research Agency, Maxwell AFB Alabama.

Wenige Sekunden später sah er den Kern der Altstadt unter sich. Es war genau 22 Uhr 03, als plötzlich die vier grünen Leuchtbomben erglühten, die von den Markierern geworfen wurden und nun über dem südlichen Teil des Ostrageheges an ihren Fallschirmen hin- und herpendelten. Schließlich waren vier rote Zielbeleuchter-Bomben gefallen. Es ging nun darum, dass der Masterbomber die Flugzeuge einwies, um den ersten Großbrand zu erzeugen, an dem sich die gesamte Bomberwelle orientieren konnte. Vorher aber meldeten sich Sichtprüfer, dass alle vier Rotfeuerbomben selbst durch die leichte Wolkenschicht deutlich zu erkennen seien. Die erste Gruppe warf nun ihre Bomben aus etwa 3.500 Metern auf diese Zielmarkierung. Unter den 500-Pfündern befan sich auch eine Menge an Spreng-Brandbomben in Bündeln. Jede vierte dieser Brandbomben detonierte nach einer gewissen Zeit auf dem Boden, um Phosphor und Sprengstücke herumzuschleudern und so ein Entfernen der nur vier Pfund schweren Brandbomben zu verhindern (was dennoch trotz der Gefahr, dass aufgenommene Bomben in den Händen der Helfer explodierten und diese sich damit lebensgefährlich verletzten, geschah). Die ersten Brände loderten an den geplanten Stellen auf und wurden schnell größer, so dass die Hauptgruppe der Angreifer das Ziel mühelos zu erkennen vermochte. Alles konnte exerziermäßig vor sich gehen, da seit Ende Oktober 1944 batterieweise alle Flakverbände aus Dresden abgezogen worden waren und nichts und niemand diese exakt ablaufenden Vorbereitungen zum Wurf verhindern konnte.

Die Hauptgruppe stieß nun auf 3.000 Meter herunter. „Keine Gefahr“, hatte der Masterbomber signalisiert. Die Bomben fielen. Sie schmetterten in die Häuser hinein, rasierten Bäume und Straßenlaternen ab, rissen Menschen in Fetzen, die versuchten, einen rettenden Keller zu erreichen, und legten Straßen der Höllenglut durch ihren Sektor. Hintereinander griffen die einzelnen Gruppen an. Aus Riesa kommend erreichten sie ihre Sektoren und warfen die todbringende Fracht ab. Es fielen 270 Minenbomben, überwiegend 4.000-Pfünder, aber auch eine von 8.000 Pfund. 1.094 Sprengbomben von 1.000, 500 und 250 Pfund rissen die Häuser der Altstadt auseinander, legten Wasserleitungen lahm und ließen die Telefone verstummen. Überdies fielen jene 140.100 Brandbomben, die die Stadt mit Feuer überschütteten, das nicht nur die Häuser, sondern auch die Asphaltstraßen auflodern ließ. Die ersten Helfer waren unterwegs, als nach 25 Minuten eines ununterbrochenen Bombardements der letzte Bomber dieser ersten Welle um 23 Uhr 38 abdrehte.

Der verheerende zweite Angriff

Die kurze Stille sollte trügen: In den nächsten Stunden detonierten die Zeitzünderbomben und rissen viele Helfer, die in die Flammenhölle eingedrungen waren, um zu retten, ebenfalls in den Tod. Zur gleichen Zeit, als in Dresden die Sirenen alle Bewohner der Stadt warnten und in die Keller jagten, oder – wie aus dem Zirkus Sarrasani – nach Hause scheuchten, startete in England die zweite Welle. Es waren 551 Lancaster-Bomber der 1., 3., 6. und 8. Bomber Group. Abermals wurde eine Reihe von Ablenkungsangriffen geflogen. Bereits aus hundert und mehr Kilometern Distanz und trotz der Wolkendecke konnten die angreifenden Bomber Dresden deutlich erkennen.

Die Brände loderten hell auf. Dennoch folgte die gleiche Prozedur der Zielmarkierer und Beleuchter, ehe sich die Bomber ebenfalls aus nur 3.000 Metern Höhe ans Werk machten, die Brände weiter verdichteten und auch nach den Rändern zu ausweiteten. Masterbomber de Wesselow wollte nichts verschwenden. Dort, wo es bereits hellauf brannte, sparte er die Bomber aus und befahl ihnen, das Zielgebiet nach links und rechts auszuweiten. Damit konzentrierte er das Gros der Bomber auf die noch nicht brennenden Teile des Stadtzentrums mit dem Großen Garten, in den sich inzwischen eine nach Zehntausenden zählende Menge Dresdener und Flüchtlinge in eine trügerische Sicherheit geflüchtet hatte. Die ersten Bomben dieser zweiten Welle fielen um 1 Uhr 21. Es wurden binnen 26 Minuten in einem unaufhörlich erscheinenden Strom 480 Minenbomben, 1.005 Sprengbomben und vor allem, zur Einäscherung der Stadt, 288.554 Brandbomben geworfen. Damit waren während beider Angriffe 964,60 Tonnen Sprengbomben und 891,30 Tonnen Brandbomben geworfen worden.

Die Feuerstürme über Dresden, die bereits etwa 30 Minuten nach dem ersten Angriff ausgebrochen waren und sich in den dicht verwinkelten Gassen der Altstadt rasch weiter ausbreiteten, um alles zu Schutt und Asche zu machen – auch die in den Kellern und unter Trümmern eingeschlossenen hilflosen Menschen – wurden durch keine breiten Straßenzüge oder gar Plätze am weiteren Übergreifen gehindert. Anders als im Ruhrgebiet oder im rheinischen bzw. Wupperraum, wo jeder Bürger in einer schwer getroffenen Stadt in jahrelanger Erfahrung die Verhaltensmaßregeln gelernt hatte, die allein ein Überleben sicherstellten, waren Dresdens Bürger völlig unvorbereitet.

Franz Kurowski

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