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Die Retro-Synthie-Band Deutsche Vita, die Musik im Stil der Neuen Deutschen Welle produziert, ist plötzlich in die Schlagzeilen gekommen. Die Berliner Band (ein deutsch-italienisches Duo, das chicke 80er-Ästhetik zelebriert) erlangte in den letzten Monaten durch Songs wie „Krieg“, „Rockers“ oder „Erika“ unerwartet große Aufmerksamkeit – unter anderem auch in patriotischen und identitären Kreisen. Viele Hörer schätzen die ironische, unpolitisch wirkende, aber „deutsch“ klingende Haltung und die nostalgische Neue-Deutsche-Welle-Optik.
Als die Band dadurch zunehmend als „rechte Band“ gelabelt wurde, veröffentlichten die Musiker ein klares Statement auf Instagram und Facebook: Sie seien kein politisches Projekt, sondern ein reines Kunstprojekt mit Kunstfiguren. Auf die Frage „rechts oder links?“ antworteten sie immer: „Wir sind Deutsche Vita.“ Die „taz“ arbeitet wohl dennoch gerade an einem „Hetzartikel“ gegen die Band, wie Deutsche Vita nun auf ihrem X-Account schrieben. Es folgt ein Bandporträt von Melanie Dittmer.
In einer einfachen Wohnung, verborgen am Rand von Berlin, haben sich zwei außergewöhnliche Männer zusammengefunden, um einen Klang zu kreieren, der ebenso einzigartig ist wie ihre Freundschaft. Der eine ist Deutscher und der andere Italiener – zusammen nennen sie sich Deutsche Vita. Vito Legero und Dieter Schlaghofer inszenieren den Sound der 80-er, nennen ihn aber NNDW (Neue Neue Deutsche Welle). Ihr Debutalbum „DV1“, das im Dezember 2025 erschienen ist, sorgt derzeit gerade für Furore. Es ist nicht nur als CD, sondern dem Retro-Stil entsprechend, den man verkörpern möchte, auch in limitierten Versionen als Vinyl-LP und als Musikcassette erschienen.
In ihrem Sound verbinden sie Elemente der Neuen Deutschen Welle (NDW) und ihrer zeitgenössischen Wiederaufnahme unter dem Begriff Neue Neue Deutsche Welle (NNDW) mit Synth-Pop, Post-Punk-Anleihen, EBM-ähnlichen Texturen und ironischen wie lyrischen Perspektiven auf den Alltag und den Zeitgeist. Die Veröffentlichung enthält zwölf Stücke, die in 39 Minuten unterschiedliche Stimmungen ausloten, ohne den Bezug zum 80-er-Revival zu verlieren. Das Album beginnt mit Nexte Woche, das mit seinem ironisch-banalen Text über das wiederkehrende Verschieben von virtuellen Dates eine Art moderne Alltagslyrik etabliert. Die Produktion mischt sterile Synth-Linien mit rhythmischem Bass Fundament und legt so den Grundstein für ein Klangbild, das an frühe NDW-Experimente erinnert.

In Krieg verarbeitet das Duo die globalen Konflikte und spielt mit einem bewusst überzeichneten Text, der Tanzeuphorie und düstere Implikationen verknüpft und so eine politische wie ironische Verweisung auf die Ängste unserer Zeit bietet. Der Song wird dabei zur tanzbaren Provokation, die mit simplen, redundanten Rufen und einem treibenden Beat ein Bewusstsein für die Diskrepanz zwischen Ernst und Absurdität schafft. Wohl genau das, was die deutsche Jugend heute anspricht.
Mit dem Titeltrack Deutsche Vita erreicht das Album einen stilistischen Kernpunkt. Der Song lebt von seiner eingängigen Melodie und einem Text, der mit ironischer Distanz die Vorstellung des „deutschen Lebens“ dekonstruiert. Er verknüpft Selbstbehauptung und Selbstkritik und zeigt, wie das Duo sowohl mit Tradition als auch mit ironischer Überzeichnung arbeitet. Diese Verbindung von Ernst und spielerischer Reflexion zieht sich durch das gesamte Album und kennzeichnet es als mehr als nur eine retro-ästhetische Kopie einer tollen Musik-Ära.
Elektronische Tanzmusik hat Zukunft
Weitere Stücke wie Autogrill loten Alltagssituationen und Beobachtungen aus, die in ihrer simplen Direktheit doch eine verstörende Nähe zur Gegenwart aufweisen. Wer kennt nicht diese Leute, die morgens um sechs Uhr ein Badehandtuch über die Poolliege werfen? Die instrumentale Struktur bleibt bei dem Lied konstant in einem Feld zwischen Synth-Sequenzen und oftmals minimalistischen Drums und einer Melodik, die bewusst an die Hits 80er-Jahre erinnert.
Besonders hervorzuheben ist Geträumt. Im Original „Ich hab´geträumt von dir“ von Mattias Reim aus dem Jahre 1990, hier als Retro-Hommage an einen der erfolgreichsten deutschen Schlagersänger. Das Lied ist neben Krieg sicherlich das beste Stück der gesamten Scheibe. Du laesst mich zeigt, wie das Duo mit minimalistischen Mitteln große Wirkung erzielt. Der Song legt trotz einfacher Sprache eine emphatische Spannung frei, die sich im Zusammenspiel von Gesang und elektronischer Umgebung verdichtet. Maschine 1 und Maschine 2 umrahmen das Album und sorgen damit für eine Äthetik, die vor allem Arbeiter anspricht. Grau in Grau, der harte Alltag im Stahlwerk oder einer Fabrik. Die Sorgen und Nöte des kleines Mannes in Worte und Klangbilder gefasst. Grandios! Das Album bietet insgesamt einige reichhaltige Momente für wiederholtes Hören und lädt zu einer Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart in der deutschsprachigen Pop- und Elektroniklandschaft ein. Die elektronische Tanzmusik hat eine Zukunft, Danke an Deutsche Vita!
Melanie Dittmer
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