Symbolbild Euro-Dollar-Kollaps. Bild: GROK.

EURO ODER US-DOLLAR: WER KOLLABIERT ZUERST?

Zwei Absturzkandidaten im Vergleich

Die Vereinigten Staaten machen wegen ihres Reservewährungsprivilegs seit Jahrzehnten Schulden auf Kosten des Rests der Welt. Doch die Dollar-Hegemonie gerät in den Realitäten der multipolaren Welt immer mehr ins Wanken. In unserem brandaktuellen Heft „Ami go Home“ machen wir deutlich, dass sich auch Deutschland nicht für eine einseitige Westbindung entscheiden und auf keinen Fall von Washington in den Dritten Weltkrieg hineinziehen lassen darf. Außerdem Interviews mit Christian Fischer von der „AG Willkommen“ der FREIEN SACHSEN sowie mit Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp, den Herausgebern der Wochenzeitung „Demokratischer Widerstand“. HIER bestellen!

Totgesagte leben länger. Sowohl der Euro als auch der US-Dollar stehen für kritische Marktbeobachter schon seit Jahrzehnten kurz vor dem Zusammenbruch. Hier ein politisches Konstrukt ohne Zentralstaat, dort ein hochverschuldeter Hegemon mit globalem Reservewährungsprivileg. Für Charttechniker sind Stimmungen und Erwartungen aber bereits in den Kursen eingepreist. Vollends zwecklos scheinen Prognosen, wenn man die beiden Konkurrenten in ihrem Kursverhältnis zueinander betrachtet. Wechselkurse zeigen schließlich nur relative Stärke oder Schwäche an – und beide Währungen gehören weiterhin demselben westlich dominierten Finanzraum an. Dennoch könnte es sich lohnen, der Chartanalyse zumindest ein wenig hintergrundpolitischen Erkenntnisgewinn zu entlocken.

EURO vs. USD im Chart seit Juni 2025 mit auffälligen Mustern. Bild: Screenshot

Die Dollarbullen bekamen Anfang März mit dem Angriff auf den Iran ihren gewohnten Testosteronschub. Die Aussicht auf einen kriegerischen Flächenbrand triggert den Befehl an die Börsianer: Kaufe „sichere Häfen“! Meist ist es der US-Dollar, oft auch Öl und Gold. Krieg ist das Verjüngungselixier für die USA: Zerstörung, Zukunftsangst und Wiederaufbau. An der ausbleibenden Nachhaltigkeit des Trends – im EUR/USD-Chart mit dem Ausbruch aus dem orangenen Kanal und dem rosa Kringel gekennzeichnet – konnte man schon den Waffenstillstand ab Anfang April erahnen. Beim USD machte sich also eine Art Friedensangst breit. Nun scheint der seit 2025 gültige Trend wieder intakt, der den Euro gegenüber dem Dollar erstarken lässt.

Seit Trumps Amtsantritt sind es über 15 Prozent. Links im Chart ist noch die mickrige Reaktion auf den ersten Angriff auf den Iran abzulesen. Die „Elliot-Fans“ unter den Charttechnikern suchen gerne Fünfer-Schritte in Trendbewegungen, wobei die Impulse 1, 3 und 5 in Trendrichtung gehen, die Impulse 2 und 4 dagegen. Nicht klassisch nach Elliot: Die 6 schließt die Trendzählung ab. Der Abschluss kann mit einem Ausbruch oder auch mit gar nichts erfolgen. Diese Zählung zeigt im Chart vom Juni 2025 bis heute, dass wir die 6 schon gesehen haben, und somit nach der „Pflicht“ nun die „Kür“ eingeleitet wurde. Alles kann, nichts muss.

EURO vs. USD im Wochenkerzenchart seit 2011. Mit etwas Phantasie ist auch hier eine 5er-Bewegung nach der Elliot-Logik zu erkennen. Bild: Screenshot

Zoomen wir uns nun heraus in den Adlerblick seit 2011 bis heute, dann sehen wir ebenfalls eine vollendete 6, wenn auch hier die Zählung weniger zwingend erscheint, als sie im Falle einer eindeutigen Kanalführung ist. Jeder Marktbeobachter mit Elliot-Blick könnte hier seine eigene Zählung hineinlesen. Aber die vorliegende scheint zumindest nicht völlig abwegig. Und man erkennt beim Kontemplieren des Charts, wie unbedeutend doch politische Ereignisse, selbst weltpolitische Großereignisse wie der Ukrainekrieg oder die C-Plandemie, für die Ströme des großen Kapitals sind. Nachdem der Euro von seinem Hoch bei knapp 1,5 im Jahr 2011 in einem ersten Impuls fiel, wurde er vor dem Ukrainekonflikt ab 2014 erst einmal wieder bis auf 1,4 gepusht. Dann übernahm die Kriegswährung USD und drückte den Euro in Richtung Parität. Aber es reichte 2016 nicht zu einer 4 und 5, sodass der folgende Aufwärtsimpuls auf 1,25 nur die 4 wurde, also „unausweichlich“ noch eine 5 nach unten nach sich ziehen musste. Dieser Impuls wurde durch die Corona-Rallye an den Aktienmärkten (oft mit Abwertung des Dollars verbunden) unterbrochen, aber nicht aufgehoben, so dass der Euro endlich um 2023 für einige Wochen unter die Parität gedrückt wurde.

Gesteuerte Abwicklung des alten Systems

 In der geordneten und verhaltenen Abwärtsbewegung vor Corona lässt sich im Nachhinein vermuten, dass der Markt nur auf einen Auslöser für einen Aufwärtsschub lauerte und ihn in Corona fand. Warum aber stieg damals der Euro im Vergleich zum Dollar und nicht umgekehrt? Die charttechnische Antwort: Wäre er gefallen, hätte man dazu eine gleich überzeugende Erklärung wie im Falle seines Steigens gefunden. Dasselbe gilt für den starken Euro 2011, also mitten in der Euro-Krise um Griechenland.

Mit der sich abzeichnenden Wiederwahl Trumps hatten die Märkte 2024 den USD gegenüber dem Euro favorisiert, um dann aber eine scharfe Kehre zu machen. Unter Analysten heißt es, dass seine Administration den Dollar schwach sehen möchte, um die Bürde der Verschuldung ein wenig zu lockern und die Exportfähigkeit zu erhöhen. Charttechnisch argumentiert: Die 5 war schon erreicht, der Euro durfte nun wieder steigen. Ob er es bald über die 1,25 schafft, darf bezweifelt werden, denn für einen solchen Ausbruch aus dem elfjährigen Seitwärtstrend sollte derzeit ein Abwärtstrend vorliegen statt eines vollendeten kleinen Aufwärtstrends, wenn man den obigen orangenen Kanal als gültig erachtet.

Um der Einschätzung der realwirtschaftlichen Stärke einer Währung näherzukommen, müsste man Faktoren wie die reale Kaufkraft, die Kapitalmarktliquidität, die Reservefunktion und die Verhältnisse zu den Rohstoffen einfließen lassen. Bei einem starken Rohstoffzyklus, also einem nachhaltigen Anstieg aller Preise in den Rohstoffen, können die Währungen gegeneinander weiterhin scheinbar unverändert ihre Mikro- und Makrotrends ausspielen, werden aber in Wirklichkeit massiv geschwächt. Auf der Webseite der Federal Reserve Bank von St. Louis https://fred.stlouisfed.org/series/RBUSBIS gibt es diesbezüglich relativ brauchbare Indizes. Sie zeigen im langfristigen Zeitraum von 30 Jahren zum Beispiel einen sehr robusten USD, einen recht starken Euro, einen extrem schwachen Yen sowie einen starken chinesischen Yuan. (Wobei der chinesische Yuan stark politisch reglementiert, also weniger vergleichbar ist.) Die sogenannten Währungsindizes taugen dagegen nicht dazu, da auch sie nur eine relative Stärke zu anderen Währungen beschreiben.

Die Robustheit der Finanzmärkte spricht dafür, dass weder USD noch Euro demnächst kollabieren, sondern dass eine „gesteuerte“ Abwicklung des alten Systems zugunsten der einschlägig bekannten Agenden unternommen wird – mit schleichenden Erosionsprozessen: höhere Inflation, wachsende Schuldenlasten und zunehmende politische Spannungen. Der Widerstand gegen die globalen, oligarchistischen Transformationsagenden sollte sich also nicht durch Zusammenbruchsphantasien ablenken lassen.

Jochen Stappenbeck

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