Volkswagen
Montage eines E-Golfs in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Foto: Von Rainerhaufe - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0.

Drama in Zwickau: Schließung des VW-Werks angeblich für 2030 geplant!

Standort Zwickau: Hochproduktiv, aber dennoch ohne Chancen gegen West-Werke?

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Ist die Schließung des VW-Werks in Zwickau eigentlich schon längst beschlossene Sache und wird nach außen hin nur noch etwas Theater vorgespielt und eine offene Entscheidungsfindung vorgegaukelt? Zumindest ein Bericht der „Berliner Zeitung“ deutet darauf hin.

Am Montag dieser Woche soll Regina Kraushaar (CDU) als Staatsministerin für Landesentwicklung laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ bei einem Treffen im Jagdschloß Graupa bei Pirna, bei dem eigentlich um das weitere Vorgehen beim Industriepark Oberelbe gehen sollte, geäußert haben, dass die Schließung des VW-Werks in Zwickau beschlossene Sache sei.

Zuvor hatte es laut „Berliner Zeitung“ ein Treffen in der Sächsischen Staatskanzlei gegeben, an dem Ministerpräsident Kretschmer (CDU), sein Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) und seitens des Autobauers Vorstandschef Oliver Blume sowie Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch teilgenommen haben. Wenige Stunden später soll Kraushaar ihr verspätetes Eintreffen in Graupa mit den Worten entschuldigt haben:

„Es gibt schlechte Nachrichten, Zwickau schließt 2030.“

Wenn es so wäre, stünde wohl die größte wirtschaftliche Katastrophe für Sachsen seit der Wiedervereinigung bevor. Einer der größten industriellen Standorte im Osten der Bundesrepublik mit 8.000 Beschäftigten würde dichtgemacht werden. Die großartige Autotradition Zwickaus, für die Namen wie Horch und Audi, aber auch der VEB Sachsenring Zwickau als Trabant-Produzent steht, würde erlöschen.

Zwickau: Chancenlos gegen Emden?

Das große VW-Werk in Zwickau, das 1990 gegründet wurde und die Keimzelle von Volkswagen in Sachsen bildet, wurde lange über den grünen Klee gelobt, weil hier schon 2020 auf die ausschließliche Produktion von Elektrofahrzeugen umgestellt und Zwickau von einigen Analysten als leistungsfähigstes E-Auto-Werk Europas bezeichnet wurde. Angesichts der tiefen Krise der E-Mobilität und der scharfen chinesischen Konkurrenz ist aus dem Bonus jedoch ein Malus geworden. Bedroht ist der Standort Zwickau mittlerweile vor allem deshalb, weil er in direkter Konkurrenz zum VW-Werk Emden steht, das ebenfalls auf die ausschließliche Produktion von E-Autos umgestellt wurde. Besonders bitter: Zwickau gilt nach wie vor als eines von den zwei effizientesten und produktivsten VW-Werken in Deutschland, hat aber nicht die starken politischen Fürsprecher wie die Werke in Niedersachsen.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bei der Grundsteinlegung für das VW-Werk in Zwickau 1990. Bild: Von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0926-033 / CC-BY-SA 3.0.

Das 1964 gegründete Volkswagen-Werk in Emden, in dem früher die Traditionsmodelle Käfer und Passat hergestellt wurden und das über eine für den Konzern enorm wichtige Hafenanbindung verfügt, gilt innerhalb des Konzernverbunds als gesetzt und unantastbar und wurde bis in die jüngste Vergangenheit mit Milliardeninvestitionen bedacht. Das glatte Gegenteil ist in Zwickau der Fall. Hier war zuletzt nur noch eine einzige neu zu besetzende Stelle ausgeschrieben, nämlich die des Betriebsarztes, was alles andere als ein gutes Zeichen ist.

Die VW-Beschäftigten im Freistaat dürften im Zuge der Umstrukturierung des Konzerns also im wahrsten Sinne des Wortes massiv unter die Räder kommen. Der Auto-Analyst Oliver Stock verortete schon vor zwei Jahren zwei der drei am stärksten von einer Schließung bedrohten VW-Werke in Sachsen, nämlich in Chemnitz und in Zwickau. Dann würde von der einstigen VW-Herrlichkeit im Freistaat gerade noch die Gläserne Manufaktur in Dresden übrig bleiben, in der die Fertigung von Fahrzeugen im vergangenen Jahr allerdings eingestellt wurde, die künftig als „Innovationscampus“ dienen soll und in der auch nur noch 230 Beschäftigte arbeiten.

 Arne Schimmer

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