Garantiert mit menschlicher statt künstlicher Intelligenz geschrieben: „Der große Zorn – Wahlbeben im Osten?“ – Jetzt unser neues Augustheft lesen! Der Osten kocht – der Zorn ist nach Jahrzehnten einer abgehobenen und arroganten Politik da. Und er hat eine Partei gefunden. In unserem neuen Heft findet Ihr Porträts zu den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie einen Essay von Peter Schreiber zu dem Thema, ob der Osten die Systemfrage entscheidet. Abgerundet wird das Heft durch ein Interview mit dem früheren sachsen-anhaltinischen AfD-Landesvorsitzenden und COMPACT-TV-Moderator André Poggenburg. HIER bestellen!
Ein dominanter Einfluss der KI lässt sich an folgenden Markern festmachen:
- dramatisierende Partikel und Wendungen wie „gerade dies…“, „genau hier…“, die entscheidende Frage ist…“, „sogar“, „ausgerechnet…“ (wobei das ausgerechnetauch ein Lieblingswort des SPIEGEL ist);
- äußerst beliebt ist der „Spannungsaufbau“ (bzw. das Strecken des Materials), indem erst mehr oder weniger weitschweifig gesagt wird, was im Folgenden nicht gesagt werden wird, was also in die falsche Richtung führe. „Dabei geht es nicht darum, …“, „die Frage ist nicht, ob…“
- penetrante Vorliebe für den Gedankenstrich;
- unermüdlicher Forschergeist: „spannend“, „interessant“, „brisant“, „bemerkenswert ist…“
- relativierende Partikel und Wendungen wie: „Das ist noch kein Beweis…“, „Ob das wirklich…, lässt sich allerdings nicht…“;
- wenn sich die KI an das Deuten heranwagt, wimmelt es von „vielleicht“ und „beinahe“.
- Die Abwesenheit typischer Rechtschreibfehler, vor allem der drei Lieblinge heutiger menschlicher Textproduzenten: „das“ statt „dass“ als Konjunktion, „Ihre“ statt „ihre“, wenn das Possessivpronomen der 3. Person Plural bzw. der weiblichen 3. Person Singular gemeint ist, und die künstlerische Freiheit bei der Kommasetzung. (Oft lassen Nicht-KI-Autoren an Spielplätzen verkünden das Eltern für Ihre Kinder haften.)
Ein idealer KI-Absatz wäre demnach: „Die spätsommerliche Woche plätscherte vor sich hin. Ausgerechnet am Freitag passierte es – Wolken zeigten sich am Himmel. Genau hier wird es interessant: Die Frage ist nicht, ob es gleich zu regnen anfing – gerade das wäre trivial. Die eigentliche Frage sollte vielleicht lauten: Warum gerade am Freitag? Auch wenn es noch kein Beweis für die allgemeine Verblödung ist, lässt es sich beinahe nicht vermeiden, diesen spannenden Vorfall ernst zu nehmen.“

Allein der selbständige Sinn für Selbstironie fehlt der KI noch. Aber das kann ja noch werden. Stilistische Humanisierung (style humanization) nennt man das: Die KI wird darauf abgerichtet, Marotten, Unregelmäßigkeiten und sogar Fehler gezielt einzustreuen, um die Spuren maschineller Textproduktion zu verwischen. Mit „AI-text obfuscation“ bzw. „detector evasion“ soll dem KI-Aufspürer ein Schnippchen geschlagen werden. So ein Text wie dieser hier hilft ihr dabei. Wenn Ihre KI demnächst anfängt, ab und zu „das“ statt „dass“ zu schreiben, war er vielleicht schuld daran.
Die kommende Renaissance des Menschen
Aber so sind wir eben, wir vom aufklärerischen Selbstdenkerspektrum: müssen alles ausprobieren und erforschen. Wie die KI können wir dabei riesige Datenmengen prozessieren. Gleichzeitig spüren wir: Ein intaktes geistiges Immunsystem reagiert allergisch auf KI-Generiertes. Je mehr die KI-Angebote das Immunsystem bedrängen, desto mehr werden Beiträge mit echter Autorenstimme geschätzt. NI (Natürliche Intelligenz) wird sozusagen wie ungespritzter Samen weiterhin hoch im Kurs sein – zumindest bei denen, die den Unterschied als relevant erachten. Vor allem die gute alte Reportage bleibt für die KI eine uneinnehmbare Festung, denn die Imitation von Erlebtem ist weitaus auffälliger als die von Gedachtem.
Und die Gefahr der vollständigen Übernahme droht doch eher – so die forschen Gedanken des Selbstdenkers – im Mainstream. Hier ist die geistige Allergie auf KI am schwächsten. Ganz einfach, weil der gemeinsame Nenner die Programmiertheit ist. Wer trotz Corona, Migration usw. immer noch nicht aufgewacht ist, muss ein enorm starkes Fremdprogramm intus haben, das auf bestimmte Programmierer und ihre Absichten hinweist. Ein Teil dieser Absichten, der sogenannte Great Reset, induziert die freudige Bejahung der Ersetzung des Natürlichen durch das Künstliche, inklusive der eigenen Art.
Eine Nachricht von Mitte Mai: Der Verlag Nürnberger Presse, Herausgeber der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung, kündigte an, dank KI für die tägliche Produktion von 100 bis 150 Zeitungsseiten nicht länger auf die bislang 43 dafür notwendigen Mitarbeiter zurückgreifen zu müssen. Künftig sollen vier „Blattmacher“ genügen. Aus 43 mach 4! Der Verlag beeilt sich zu betonen, dass dadurch mehr Zeit und Muße für den Lokaljournalismus übrig bleibe. Bis Ende 2027 sollen rund 200 Stellen verschwinden. „Blattmacher“ ist der Ausdruck des Verlages. Versuchen Sie mal, hier nicht an „Plattmacher“ und „Blattläuse“ zu denken! Aus diesem Blickwinkel wird es für unsereins „fast“ schon wieder „spannend“, „ausgerechnet“ die Lügenpresse zu lesen – auf der Suche nach KI-Blattläusen.
Obertöne und Schwingungen
Aber auch der unabhängige Mediensektor ist längst KI-durchseucht. Recht nützlich bei der täglichen Jagd nach Berichtenswertem ist zum Beispiel die Seite uncutnews.ru. Mitte August machte eine Überschrift neugierig: „Nach Angriff auf angebliche Cloud-Seeding-Anlage: Im Iran kehrt der Regen zurück“. Mit den oben genannten Merkmalen kann man sich aber schon nach dem ersten Absatz den Rest schenken: „Wolkenimpfung als Instrument der Wetterbeeinflussung ist längst keine Science-Fiction mehr. Die Technologie existiert seit Jahrzehnten und wird in verschiedenen Ländern offen eingesetzt. Weitaus brisanter ist jedoch die Frage, ob sie auch als geopolitisches oder sogar militärisches Instrument genutzt werden könnte. Genau diese Debatte erhält durch die jüngsten Ereignisse im Iran neuen Auftrieb. In Gebieten, die seit Jahren unter extremer Trockenheit leiden, sollen plötzlich außergewöhnlich starke Niederschläge gefallen sein – teilweise so viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Zeitpunkt sorgt für Spekulationen: Die Niederschläge folgten auf iranische Angriffe auf US-Militäreinrichtungen in der Region, darunter nach entsprechenden Berichten auch Anlagen beziehungsweise Systeme, die mit Wetterbeeinflussung und Cloud Seeding in Verbindung gebracht werden. Ein Zusammenhang ist damit nicht bewiesen. Doch die zeitliche Abfolge wirft Fragen auf….“
Ein guter Hinweis auf den NI-Charakter eines Textes ist seine schwere Übersetzbarkeit. In einer anderen Sprache müsste er ganz neu formuliert werden. Wie in der Musik die Obertöne, sind es bei einem Autorenwerk die leisen Schwingungen, die oft dem Autor selbst unerkannt bleiben, die die Eigenart seines Machwerks ausmachen und bei der Übertragung verschwinden.
■ Jochen Stappenbeck
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