Ein spontaner Schrottplatz, der nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal geschaffen werden musste. Bild: privat.

Fünf Jahre Ahrtal-Flut: Notwendig ist die Rückkehr zur „Magie des Mein“

Der Offenbarungseid der postheroischen Gesellschaft

Das wahre Leben spielt sich vor Ort in den Kommunen ab, hier müssen auch die grundlegenden Entscheidungen zum Thema Hochwasserschutz getroffen werden. „Rathausrevolte: Die Patrioten kommen!“ – in diesem Heft zeigen wir, wie kommunale Graswurzel-Krieger zum Albtraum des Establishments zwischen Werra und Neiße werden! 47,3 Prozent für Stefan Hartung bei der OB-Wahl in Aue – Bad Schlema für einen Kandidaten der FREIEN SACHSEN waren das bislang wohl größte Fanal, das ein patriotischer Kandidat auf kommunaler Ebene setzen konnte. Wir zeigen in diesem Heft, wie katastrophal die Krise der kommunalen Haushalte wirklich ist und wie sich die schon gewählten AfD-Bürgermeister sowie Landrat Robert Sesselmann bislang bewährt haben. HIER bestellen!

Den ersten Teil dieses Beitrags können Sie HIER lesen!

An Mosel und Ahr hätte übrigens alles noch sehr viel schlimmer kommen können, wenn sich im Juli 2021 nicht Zehntausende von Deutschen freiwillig und in Eigeninitiative in die Katastrophengebiete begeben hätten, um dort unter dem Einsatz aller ihrer Kräfte zu helfen. Als Dank dafür durften sich viele dieser Helfer von der Politik dann auch noch als Rechtsextremisten und Neonazis beschimpfen lassen, die die Flutkatastrophe angeblich „missbrauchen“ würden. Das desolate Bild wurde vom nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet komplettiert, der bei einem Besuch in der völlig verwüsteten Kommune Erftstadt mit seiner Entourage herumalberte und dabei die Zunge herausstreckte.

„Monumentales System-Versagen“

All das zusammengenommen lässt nur einen Schluss zu: Die postheroische Gesellschaft hat im Sommer 2021 ihren Offenbarungseid geleistet und gezeigt, dass sie nicht mehr in der Lage ist, den Ernstfall zu bewältigen. Da wirkte es fast schon symbolisch, dass nicht einmal mehr die guten, alten Alarmsirenen funktionierten – sie scheinen auch gar nicht mehr zu einer Nation zu passen, die sich ohnehin nur noch als „buntes“ und „diverses“ Taka-Tuka-Land definiert. Am Ende dieser Entwicklung stand dann fast folgerichtig das „monumentale System-Versagen“, das eine britische Hydrologin den deutschen Behörden in einem Interview mit der „Sunday Times“ mit Blick auf die Flutkatastrophe attestierte. In Deutschland scheint man in den vergangenen Jahrzehnten vergessen zu haben, dass staatliches Handeln nicht zuletzt in vielen Fällen eben auch geglückte Naturbewältigung ist. Hätten die Nachkriegsdeutschen jedenfalls schon genauso getickt wie die Gegenwartsdeutschen, dann wäre es nicht möglich gewesen, Wohnraum für Millionen von Heimatvertriebenen sowie eine Infrastruktur zu schaffen, mit der sich Deutschland binnen zweier Jahrzehnte von einem Trümmerfeld in eine Wirtschaftssupermacht verwandelte.

Damals war nationale Solidarität allerdings auch noch ein weithin anerkannter Grundwert, auf den sich gerade auch die SPD als auf der linken Seite des politischen Spektrums angesiedelte Partei berief. In den sechziger Jahren begann dieses Fundament aber schon zu bröckeln. In seiner 1969 erschienenen Streitschrift „Moral und Hypermoral“ beklagte der Soziologe Arnold Gehlen schon weitsichtig, dass eine „Moralhypertrophie“ es mittlerweile erlaube, „so gut wie jedes Ansinnen konkreter Politik an Idealen auflaufen zu lassen, indem man noch mehr Gleichheit, noch mehr Freiheit und noch weniger Autorität fordert als irgendein politischer Zustand hergibt.“ Der Verlust an Realitätssinn, der sich im Zuge eines solchen Prozesses einstellt, führt am Ende zwangsläufig in das große Staatsversagen, das auch schon während der von Angela Merkel herbeigeführten Asylkrise der Jahre 2015/2016 zu beobachten war. Die Grenzen der Belastbarkeit des eigenen Landes werden komplett ignoriert, während man das illusorische Ziel verfolgt, die ganze Welt retten zu wollen.

Mockup Cover Aufgewacht "Rathausrevolte"

So war auch nach dem Hochwasser an Ahr und Mosel wieder fast nur von der „Klimakatastrophe“ die Rede, die Deutschland auf globaler Ebene doch ohnehin nicht nennenswert beeinflussen kann, da es nur für maximal zwei Prozent des weltweit ausgestoßenen Kohlenstoffdioxids verantwortlich ist. Auf die eigentlich naheliegende Idee, den deutschen Hochwasserschutz wenigstens einmal auf das Niveau zu heben, das mit deutscher Entwicklungshilfe in Mosambik schon hergestellt wurde, scheint kein deutscher Politiker mehr auch nur zu kommen.

Die Frage nach der Technik

Dabei gibt es gerade in vielen deutschen Mittelgebirgen Regionen, denen anders gar nicht mehr zu helfen ist. In klassischen Hochwassergebieten wie den Tälern der Müglitz, Weißeritz und Gottleuba im Osterzgebirge haben sich in den vergangenen 500 Jahren – also auch schon lange vor dem Klimawandel – den Aufzeichnungen zufolge 60 schwere Hochwasser ereignet. Solche Gebiete können nicht nur durch abstrakte Appelle für mehr Klimaschutz gerettet und gehalten werden, sondern müssen auch mit der jeweils modernsten Technik geschützt werden, gleiches gilt natürlich für die Mittelgebirge im Westteil des Landes. Und die Energien, die für einen solchen infrastrukturellen Kraftakt notwendig sind, lassen sich eben nur erzeugen, wenn auf emotionaler Ebene bei den Menschen jene nationale Solidarität gegeben ist, die heute unablässig von der politischen Klasse bekämpft wird.

Dabei kann wohl kein Staat auf Dauer bestehen, der wie Deutschland jedes Gemeinschaftsgefühl unter Generalverdacht stellt. Gleichzeitig wird in den postkommunistischen Ländern des früheren Ostblocks die „Magie des Mein“ (eine Wortschöpfung des schottischen Philosophen Alasdair MacIntyre, der zu den Mitbegründern des Kommunitarismus zählt) zelebriert und den Fragen der nationalen Identität auf politischer Ebene die höchste Priorität eingeräumt. Die Ahrflut-Katastrophe lehrt, dass jeder politische Entscheidungsträger, egal auf welcher Ebene er tätig ist, bestrebt sein, das von allen Seiten in Deutschland angegriffene Zusammengehörigkeitsgefühl nicht noch weiter zu untergraben. Im Notfall, wenn es gilt, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, ist es nämlich das einzige belastbare Band, das bleibt. Ein Blick nach Afrika und insbesondere nach Südafrika zeigt, unter welch gigantischen Problemen jene Länder leiden, die zwar pro forma auf dem Papier Nationalstaaten sind, in denen aber in Wirklichkeit Stammesdenken und Tribalismus die beherrschenden Mächte sind. Eine geglückte Nationenbildung gehört deshalb zu den größten zivilisatorischen Errungenschaften überhaupt – und sollte auch wieder so gewürdigt werden.

 Arne Schimmer

Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline

Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS


Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/

AUFGEWACHT Online

Abonnieren Sie die Stimme des Widerstands

Cookie-Einwilligung mit Real Cookie Banner