Dieses Haiti-Trikot sorgte für ein Eingreifen der FIFA. Bild: Screenshot Youtube.

Haiti bei der Fußball-WM 2026: Wie national darf ein Turniertrikot sein?

Karibik-Kicker sorgten für Trikot-Eklat

Passend zum WM-Beginn: Echte Patrioten tragen stolz das sächsische Nationaltrikot! 🤍💚Die Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA hat begonnen. Natürlich ist die Regenbogen-Mannschaft auch wieder mit dabei, um ein paar Wochen schwarz-rot-goldene Partyfolklore zu betreiben, ehe das Zeigen der gleichen Farben danach wieder unter Rechtsextremismus-Verdacht steht. Doch sollen die bunten Regenbogenfußballer ihre WM abhalten und sich von der Berliner Politelite dafür feiern lassen, keine Möglichkeit zur Indoktrinierung auszulassen. Uns Sachsen geht das sonst wo vorbei. Wir zeigen Flagge. Nicht für Buntland, sondern für unser schönes Sachsenland! Gerade in Zeiten der Regenbogen-Mannschaft ist es ein schöner Kontrast zu den zahllosen (und überteuerten) DFB-Trikots: Mit dem ersten sächsischen Nationaltrikot – aus Funktionsgewebe, atmungsaktiv und für weniger als 20 Euro in allen Größen erhältlich, für Mann und Frau. HIER bestellen!

Nicht wenige Fans dürften sich beim Durchgehen der an der diesjährigen Weltmeisterschaft teilnehmenden Nationen verwundert die Augen gerieben haben, als sie dabei auch auf den Namen Haitis stießen. Tatsächlich wird das Nationalstadion in Port-au-Prince seit 2024 von bewaffneten Banden kontrolliert und das Land befindet sich weiter in tiefer Agonie.

Erst im Frühjahr 2024 brach während der Abwesenheit des Übergangspräsident Ariel Henry in der haitianischen Hauptstadtregion Port-au-Prince ein Aufstand verschiedener Gangs und Banden los. Diese beherrschten ohnehin schon weite Teile der Metropolregion, nun schwangen sie sich aber endgültig zu den faktischen Herrschern der Hauptstadt auf.

Eine zentrale Rolle spielte dabei Jimmy „Barbecue“ Chérizier, Anführer der mächtigen Bande „G9 Familie und Verbündete“, der bis 2018 einen höheren Rang bei der haitianischen Polizei innehatte. Nachdem er dort wegen Vorwürfen, eine führende Rolle bei einem Massaker gespielt zu haben, entlassen wurde, trat er ganz offen als Bandenchef auf. Zu den Hintergründen seines Spitznamens „Barbecue“ kursieren mehrere Erklärungen. Er selbst behauptet, dieser gehe darauf zurück, dass er schon als Fünfjähriger seiner Mutter beim Verkauf von Brathähnchen geholfen habe. Andere behaupten, dass der sich in Interviews jovial gebende Chérizier eine Vorliebe dafür habe, Gegner bei lebendigem Leib zu verbrennen.

„Heimspiele“ auf Curaçao

Dass sich die haitianische Fußball-Nationalmannschaft trotz dieser Rahmenbedingungen für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, scheint einem Wunder gleichzukommen. Die Erklärung für dieses „Wunder“ ist eine Diaspora-Nationalmannschaft, deren Spieler fast ausschließlich au0erhalb Haitis geboren wurden und in europäischen oder amerikanischen Vereinen ihren Sport erlernten – die meisten Spieler der aktuellen Auswahl wurden in Frankreich ausgebildet. Seine „Heimspiele“ trug Haiti wegen der desaströsen Sicherheitslage im eigenen Land im karibischen Mini-Staat Curaçao aus, dessen Auswahl morgen dann der erste Gegner der DFB-Elf bei der laufenden Fußball-WM in Kanada, der USA und Mexiko sein wird. Haitis französischer Trainer Sébastien Migné hat wegen Sicherheitsbedenken übrigens noch nie den Boden der von ihm gecoachten Nation betreten.

Kurz vor dem Beginn der diesjährigen Fußball-WM gab es dann noch einen Konflikt um das Trikot der Karibik-Kicker. Dieses zeigte auf der rechten Hüftseite eine detaillierte Illustration der Schlacht von Vertières, die am 18. November 1803 stattfand. Diese war die entscheidende Schlacht der haitianischen Revolution gegen die französischen Kolonialtruppen. Die FIFA sah darin nun eine Verletzung des von ihr aufgestellten Verbots von „politischen, religiösen oder persönlichen Botschaften oder Slogans“ auf Turniertrikots, so dass eine vereinfachte Version ohne die Schlacht-Szene hergestellt werden musste.

In Haiti spielen nationale Mythen traditionell eine große Rolle. Im späten 17. Jahrhundert wurde die Insel Hispaniola nach der fast vollständigen Ausrottung der Indianer durch Sklaven aus Westafrika wiederbevölkert und 1697 trat Spanien das westliche Drittel der Insel an Frankreich ab. Das Territorium wurde mit der Produktion von Kaffee, Baumwolle und Zucker schnell zu einer der profitabelsten Kolonien der Grande Nation, wobei die Profite auf der rücksichtslosen und brutalen Ausbeutung der Sklaven beruhten. Dieses System brach dann allerdings relativ schnell im Zuge der Französischen Revolution zusammen.

Schwarz und stolz darauf

1791 kam es zu einem erfolgreichen Sklavenaufstand und 1792 billigte die revolutionäre Gesetzgebende Versammlung in Paris auch allen Bewohnern der Kolonien gleiche Rechte zu. In Haiti gelang es weder den Spaniern noch den Briten noch Napoleon, der die Sklaverei in den Kolonien wieder einführen wollte, dieses Ergebnis der Revolution wieder rückgängig zu machen. Die Aufständischen profitierten dabei auch von der gegen Napoleon gerichteten britischen Seeblockade, die es Paris unmöglich machte, ausreichend militärische Verstärkung auf die Insel zu bringen. So geschah das, womit kaum jemand gerechnet hatte: Die am 1. Januar 1804 verkündete Unabhängigkeit Haitis erwies sich als dauerhaft. Es war der erste erfolgreiche Sklavenaufstand der Geschichte. Außerdem war Haiti die erste unabhängige schwarze Nation der Geschichte überhaupt und nach den Vereinigten Staaten erst das zweite unabhängige Land auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Doch dieses eigentlich großartige Erbe hat sich in den vergangenen 222 Jahren als lähmend erwiesen. Die haitianische Politik handelt seitdem aus einem tiefsitzenden Anti-Reflex heraus gegen alles, was irgendwie als „weiß“ angesehen wird. Wer es an die Spitze der üblicherweise schnell wechselnden Regierungen schaffte, unternahm häufig den Versuch, diktatorische Vollmachten an sich zu reißen.

Der Stolz auf die eigene Nationalmannschaft sei den Haitianern aber natürlich gegönnt – schön, dass nationale Mythen im ansonsten völlig durchkommerzialisierten Weltfußball irgendwo noch eine so große Rolle spielen. In der DFB-Spitze käme sicher niemand auf die Idee, Szenen aus der Hermannsschlacht auf die Trikots der Nationalelf zu drucken.

Haiti nahm übrigens schon einmal an einer Fußball-WM teil – nämlich bei dem Turnier, das 1974 in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragen wurde. Die Karibik-Kicker traten damals dreimal im Münchner Olympiastadion an und bezogen gegen die damaligen Fußball-Grtoßmächte Italien, Argentinien und Polen klare Niederlagen. Heute Nacht um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit unternimmt die haitianische Nationalmannschaft in Foxborough/Massachusetts im Spiel gegen Schottland den nächsten Versuch, die ersten WM-Punkte in der Verbandsgeschichte zu ergattern.

 Arne Schimmer

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