Dieses Buch sorgt in patriotischen Kreisen für Furore: Die Biografie „Der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt: Josef Kneifel: Die Biografie“ von Arne Schimmer befasst sich mit dem fast unglaublichen Leben des Widerstandskämpfers Josef Kneifel, der 1980 mit einem Sprengstoffanschlag in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt, die DDR-Führung in Rage versetzte. Wer sich für die dunklen, die harten, die kompromisslosen Seiten des DDR-Widerstands interessiert – und nicht nur für Kerzen in der Gethsemanekirche und „Wir sind das Volk“ – kommt an diesem Buch nicht vorbei. Eine Biografie, die einem der mutigsten Männer unseres Landes nach 1945 endlich das verdiente Denkmal setzt! HIER zu bestellen!
Josef Kneifels Widerstand gegen die SED-Diktatur war in ihrer Intensität wohl einmalig. Aber ein anderer Mann kam ihm doch zumindest nahe, nämlich der vor gut 50 Jahren (am 30. April 1976) erschossene Michael Gartenschläger. Der gebürtige Strausberger wurde wie Kneifel in der DDR zu lebenslanger Haft verurteilt, er trug ähnlich wie Kneifel gesundheitliche Schäden aus langer Isolationshaft davon und wurde ähnlich wie der „Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt“ aus der DDR-Haft freigekauft.
In Arne Schimmers Buch „Der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt: Josef Kneifel: Die Biografie“ heißt es zu Michael Gartenschläger::
Im Haftkrankenhaus begegnete ihm einer jener seltenen Helfer, ohne die Kneifel die sieben Jahre kaum überstanden hätte. Wieder war es ein Arzt, Dr. Rogge, der ihn in „Obhut“ nahm, wie Kneifel 1990 betonte:
„In Obhut! Ohne das zeitweise geradezu kühne Wirken dieses Mannes, entgegen den Stasi-Anweisungen, wäre ich wohl kaum noch am Leben. Unersetzliche Atempause, in der ich nach 2 1/4 Jahren das erste Mal meine Frau sehen und sprechen konnte.“
Eine weitere Begegnung wird ihm zum Rettungsanker: Er trifft den Fluchthelfer Johannes Zuber aus Westdeutschland. Zwei andere Fluchthelfer leisteten noch vor Kneifel radikalen Widerstand gegen die DDR. 1962 erschoss der Gießereiarbeiter Rudolf Müller, als er seine Familie durch einen Tunnel aus Ostberlin bringen wollte, einen Gefreiten der Grenztruppen.
Der Fluchthelfer Michael Gartenschläger dagegen wurde 1976 von einem Soldaten getötet, als er – wie bereits viele Male zuvor – eine Selbstschussanlage demontieren wollte. Sein Schicksal und sein Mut erinnern auch an Kneifel. Nach seiner Haft hat Gartenschläger vielen Menschen zur Flucht in den Westen verholfen, außerdem machte er Splitterminen an der Grenze unschädlich. Das besonders Bemerkenswerte an Gartenschläger bleibt, ebenso wie bei Kneifel, dessen Unbeugsamkeit.

Bereits mit 17 Jahren wurde Gartenschläger zu lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt. Beinahe zehn Jahre, davon musste er, zum Teil in Isolationshaft, absitzen. Doch erst nach einem Freikauf durch die BRD begann sein eigentliches Engagement für die DDR-Flüchtlinge.
Für das Regime wurden er und seine Helfer, auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit dem „Spiegel“, zur Bedrohung, indem er Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze abbaute und in den Westen verkaufte. Damit demaskierten Gartenschläger und sein Helfer die pazifistische Propaganda des Regimes. Mielke selbst war es, der den Befehl zur „Festnahme bzw. Vernichtung“ der damals noch unbekannte Minendemontierer erteilte. Am 27. April 1976, drei Tage vor seiner Erschießung, schrieb Gartenschläger seine Beweggründe nieder:
„Es festigte sich in mir die Überzeugung, dass sinnvoller Widerstand gegen dieses Unrechtssystem nicht nur ein Recht, sondern eine Pflicht ist. (…) Nach meiner Haftentlassung habe ich eigenhändig insgesamt sechs Personen aus der DDR oder den Volksdemokratien geholt. (…) Ich glaube, der Unrechtscharakter der DDR kommt besonders in der Selbstschussanlage und der Tatsache ihres weiteren Ausbaus – trotz der Ablösung Ulbrichts – zum Ausdruck. (…) Das Risiko schien mir lohnenswert.“ Die Strausberger Stadtverordnetenversammlung lehnte es nach dem Mauerfall ab, eine Straße in Gartenschlägers Heimatort nach dem Widerstandskämpfer zu benennen.
Sie trägt nach wie vor den Namen des in der DDR als Märtyrer verehrten, durch den Querschläger eines Westberliner Polizisten umgekommenen Mauerschützen Peter Göring. In seiner Radikalität, trotz jahrelanger Haft, ähnelte Gartenschläger Kneifel sehr. Doch heute ist auch er vergessen. Kneifel ist mit seinem Schicksal, nach 1990 keine Anerkennung für seinen Todesmut gefunden zu haben, nicht allein. Wer denkt heute noch an Oskar Brüsewitz, jenen evangelischen Pfarrer, der sich 1976 aus Protest gegen das Regime selbst verbrannte? Heute erinnert wenigstens eine Gedenktafel an ihn – Kneifel dagegen hat keinen Ort, der seinen verzweifelten Mut in die Erinnerung rückt.
Mehr zu dem Thema lesen Sie in dem Buch „Der Panzersprenger von Karl-Marx-Stadt: Josef Kneifel: Die Biografie“.
■ Antonie Reuter
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