Brisante Hintergründe, verschwiegene Tatsachen: In unserem Sonderheft „Die DDR – Geschichte eines anderen Deutschlands“ präsentieren wir Ihnen die Geschichte der DDR, wie Sie sie noch nicht kannten – garantiert! Hier bestellen!
Nachdem Parteitage der KPD und der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone zugestimmt hatten, trat am 21. und 22. April 1946 der „Vereinigungsparteitag“ zur Gründung der „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED) im Berliner Admiralspalast zusammen. Der Zwietracht innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung sollte so ein Ende gesetzt werden. Da es für diese Zwietracht aber eben auch handfeste inhaltliche Gründe gab, wurde eine Zwangsvereinigung in Gang gesetzt. Auch wenn dieser Begriff bis heute umstritten ist, trifft er auf die damaligen Vorgänge durchaus zu, da Gegner der Vereinigung innerhalb der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone schwer unter Druck gesetzt wurden.
Die Delegiertenschaft war gesamtdeutsch zusammengesetzt. Unter den 548 Delegierten befanden sich 103 Vertreter aus den Westzonen, während von den 507 Delegierten der KPD 127 aus den Westzonen kamen. Bei der KPD war dies nicht verwunderlich, da sie sich anknüpfend an ihre Rolle in der Weimarer Republik natürlich als gesamtdeutsche Partei begriff.
Bei der SPD war die Lage grundsätzlich anders: Die Verbände in Westdeutschland und in Berlin lehnten die Vereinigung mit deutlicher Mehrheit ab. Schon auf einer SPD-Parteikonferenz im Kloster Wennigsen in Niedersachsen im Oktober 1945 war deutlich geworden, dass der Antikommunist Kurt Schumacher über großen Rückhalt in der Partei verfügte und sich seinen Führungsanspruch in einer eigenständig agierenden SPD nicht nehmen lassen würde. Der Braunschweiger Sozialdemokrat Otto Grotewohl, später 15 Jahre lang von 1949 bis 1964 DDR-Ministerpräsident, reiste als Führer des vereinigungsbereiten SPD-Flügels enttäuscht vom Treffen in Niedersachsen wieder ab, weil er zur Kenntnis nehmen musste, dass die von ihm gewünschte Fusion mehrheitlich nicht auf Zustimmung traf. Grotew
Ernst Niekischs Träume und Enttäuschungen
Bei einer Urabstimmung der Berliner Sozialdemokraten, die am 31. März 1946 abgehalten wurde, sprach sich eine überwältigende Mehrheit von 82,2 Prozent der Befragten gegen eine Vereinigung aus.
Um eine gesamtdeutsche Zustimmung zu suggerieren, musste beim Einigungsparteitag im Admiralspalast dann auch zu einem Kniff gegriffen werden. Der Zentralausschuss der Sowjetzonen-SPD hatte aus den Vertretern der Minderheitsströmung in Westdeutschland 103 Delegierte für den Vereinigungsparteitag ausgewählt, obwohl er dafür von der Schumacher-SPD matürlich keine Erlaubnis erhalten hatte. Im Verlauf des zweitägigen Parteitags wurden die vorbereiteten Dokumente mit einigen kleineren Änderungen angenommen. Für die Besetzung des Vorstands wurde eine Parität zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten vereinbart. Otto Grotewohl (SPD) und Wilhelm Pieck (KPD) wurden zu gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt.

Bemerkenswert ist aber auch, dass mit Ernst Niekisch einer der führenden Nationalrevolutionäre der Weimarer Republik laut mehreren Quellen als Verfasser der Grundsatzrede tätig wurde, die Grotewohl auf dem Vereinigungsparteitag hielt. Dies macht deutlich, dass die deutsche Linke sehr unterschiedliche Positionen zur Vereinigung einnahm und selbst ein radikaler Nationalist wie Niekisch in der Vereinigung von SED und SPD etwas Positives erkennen wollte.
Der häufig als „Nationalbolschewist“ bezeichnete Autor und enge Freund Ernst Jüngers hätte tatsächlich nicht besonders gut in die antisowjetisch und antikommunistisch ausgerichtete Schumacher-SPD gepasst, trat er doch zeitlebens für ein Bündnis Deutschlands mit der Sowjetunion ein. Nach der Niederschlagung des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 trat er resigniert aus der SED aus. So ging es auch vielen anderen ehemaligen Sozialdemokraten, die innerhalb der SED nach 1946 schnell an den Rand gedrängt wurden und die rasche Transformation der SED in eine klassisch leninistisch-zentralistische Partei nicht verhindern konnten.
■ Arne Schimmer
Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline
Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS
Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/


