Der erratische Politikstil Donald Trumps hinterlässt auch an den Börsen seine Spuren. In diesem Heft werfen wir einen Blick auf den Zustand der westlichen Vormacht unter Donald Trump. In dem Heft „Trump: Genie oder Gangster“ gehen wir der Frage nach, die derzeit unzählige Menschen umtreibt: Ist Donald Trump ein Realist – oder ein skrupelloser Gangster, der das Völkerrecht verachtet? Mit Analysen zu Venezuela, Iran, Grönland und Taiwan sowie einem Interview mit dem belgischen Geopolitik-Experten Robert Steuckers. HIER bestellen!
Die wahnwitzig hohen Bewertungen an der High-Tech-Leitbörse NASDAQ ließen Anfang des Jahres ein Platzen der Blase für unausweichlich scheinen. Vor allem die Charts der „Magnificent Seven“ sahen aus wie der Schiefe Turm von Pisa. Am 10. Februar prallte der NASDAQ knapp unter seinem Allzeithoch vom Oktober 2025 nach unten ab, um dann im März – zusammen mit den anderen Leitindizes – den Irankrieg als Anlass für einen Abverkauf zu nehmen. So weit, so schön für die Bären, die ja im Aufgeklärtenlager die Mehrheit bilden. „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe“ – nicht einmal das, sondern die Aussicht darauf ließ den NASDAQ am 30. März nach lächerlichen 13 Prozent Korrektur wieder drehen und am 17. April auf ein neues Allzeithoch schießen.

Interessanterweise berührte der Wendepunkt genau die Linie des unteren (imaginären) Korrekturkanals sowie fast die 38,2-Prozent-Marke der Korrektur des Anstiegs seit dem April 2025, als Trump mit seinen Zollphantasien für eine kurze Dusche sorgte. Die 28,2%-Marke ist bei Fibonacci-Anhängern sehr beliebt zur Bestimmung der Minimalkursziele einer Korrektur.

Einmal mehr wird hier sichtbar, dass nicht die Ereignisse auf die Kurse schließen lassen, sondern die Kurse auf die Ereignisse. Was man in Einzelfällen bei auffälligen Optionen kurz vor launischen Ansagen von Donald Trump als (illegales) Insider-Trading nachweisen kann, scheint irgendwie auf die Märkte als Ganzes übertragbar zu sein: Ein paar Wochen vor dem Angriff auf den Iran und der mit ihm verbundenen Furcht vor dem Ende der Zivilisation drehen sie nach unten, eine Woche vor dem Waffenstillstand nach Ostern drehen sie nach oben.
Weiter im Zerstörungsmodus
Es ist eine Kombination aus dem Insiderwissen von Big Money, den großen Funds und Firmen, deren Entscheidungen von den anderen Marktteilnehmern verstärkend nachvollzogen werden, von Charttechnik und Kalenderdynamik sowie der falschen Sichtweise auf die Logik der Märkte durch vernünftig-kritische Menschen wie unsereins.
Analog zur janusköpfigen Strategie des US-Imperiums, gleichzeitig siegen und nicht siegen zu wollen, Ordnung (im eigenen Interesse) herzustellen und auch den eigenen Interessen schadendes Chaos zu säen, verfährt der Great Reset: Krisen und Kriege sind für ihn phasenweise mal schlecht und mal gut, überwiegend aber gut, da wir uns immer noch in der übergeordneten Phase der Zerstörung der alten Ordnung befinden. Die steigenden Kurse reflektieren die Aussichten der überlebenden Konzerne, die es in die neue Ordnung schaffen könnten.

Entsprechend prallte der Preis für Brent-Rohöl im März zwei Mal an der 120 USD-Marke ab, wurde wochenlang an der 100er-Marke festgezurrt und droht nun eher wieder einmal nach unten zu marschieren in Richtung 50 USD als in die Richtung des Hochs von 140 zu Beginn des Ukrainekriegs 2022. Originellerweise entsprach der Hochpunkt Anfang März der oberen Linie des Korrekturkanals, wenn man einen solchen aus der Verbindung des Ukrainehochs und den beiden unteren Punkten danach verbindet. Der Ölpreis ist ein ebenso janusköpfiges Wesen. Sowohl sein Fallen als auch sein Steigen können gleichermaßen für oder gegen Krisenverschärfung sprechen. Nicht zu vergessen ist, dass man mit hohen Preisen Russland verwöhnen würde, was man doch – so Baerbock 2022 – in die Knie zwingen will. Ein Preisverfall würde zwar Importländer wie Deutschland frohlocken lassen, könnte aber kann auch vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Depression geschehen.

Die Edelmetalle Gold und Silber sind noch brav im Korrekturmodus. Nicht als sichere Häfen bei Krisen und Kriegen, sondern eher als Abbild der Aktienindizes haben sie sich in den letzten Monaten präsentiert. Der Abverkauf bei Gold im März endete zufällig auf der unteren Linie des Korrekturkanals. Einige Finanzexperten warnen vor der Entkoppelung der Preise für die Metalle an den Börsen vom realen Wert der physischen Exemplare, so dass es durchaus zu einem Preisverfall kommen kann, der aber nur denjenigen schmerzt, der die Metalle irgendwann zu Fiat-Geld machen möchte anstatt zu Tauschwerten in der Krise.
■ Jochen Stappenbeck
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