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2008 schlug in einem Freundschaftsspiel die (inoffizielle) Nationalmannschaft des Vatikans die U23-Mannschaft Chinas. Das ist natürlich keine Schande, denn für den Heiligen Stuhl werden gebürtige Italiener und Argentinier am Start gewesen sein, die noch vor ihrer Vergeistlichung das Einmaleins des Rasens erlernten. Und ihnen wurde wahrscheinlich zugestanden, nicht in langen Roben über den Platz zu rennen. Aber seitdem mag der chinesische Ehrgeiz geweckt sein, ob man nicht einmal elf von seinen 750 Millionen Männern zusammentrommeln bzw. heranbilden könnte, die sich nach 2002 wieder für ein internationales Turnier qualifizieren würden. Xi Jinping ist Fußballfan und hat 2015 ein enormes Fußball-Förderprogramm ins Leben gerufen, mit dem Ziel, dass China bis 2050 den Weltmeistertitel holt. Zehntausende Fußballschulen wurden eröffnet.
Auch in der nationalen Liga setzt man auf Nachwuchsförderung statt auf teure Transfers. Im Zuge der Professionalisierung des chinesischen Fußballs verpflichteten zahlreiche Vereine renommierte deutsche Trainer wie Felix Magath, Roger Schmidt, Uli Stielike und Bernd Schuster, die ihre Erfahrung aus der Bundesliga einbrachten. International halten sich die Erfolge bislang in Grenzen – wenn man die Wahrung der Zweistelligkeit mit dem 91. Platz der FIFA-Weltrangliste (Juni 2026) nach dem 77. im Jahr 2015 nicht bejubeln mag. Die Zuschauerzahlen in Chinas Fußball-Ligen waren vor der Coronazeit schon mit denen in Europa zu vergleichen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Chinesen den Dreh heraushaben. Der Dammbruch wird mit der bislang immer wieder verhinderten Vergabe einer WM an China geschehen. Irgendwann wird die Bestechungssumme schon reichen. Die Fortschritte der beiden Koreas und Japans dienen als zusätzlicher Stimulus.
Der kommende Dammbruch
Letztlich könnte Ostasien den Trend zur Afrikanisierung des internationalen Fußballs aufhalten. Notorischen Schwarzsehern bleibt nicht verborgen, dass der Fußball vom früheren Dauerduell zwischen Nord- und Südeuropäern (inklusive Lateinamerika) immer mehr von der athletischen Exzellenz genetischer Schwarzafrikaner dominiert wird. Traditionell sind sie eher der südeuropäischen Spielweise zuzuordnen, siehe Pele und Eusebio, aber der technische Fortschritt im Training und der materiellen Rahmenbedingungen verlagerten die Vorteile im Spiel auf die physische Seite: Schnelligkeit, Kraft, Spontaneität und Ausdauer sind heute entscheidend. Die intellektuelle Komponente tritt in den Hintergrund. Ein Jahrhundertspiel wie das Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich (mit dem Fallrückzieher von Klaus Fischer zum Ausgleich) von 1982 mutet heute wie ein behäbiges Herumstochern auf dem frisch gemähten Stoppelfeld an. Der parkettglatte Rasen der Stadien in Amerika und die in den Ball eingebauten Sensoren haben für Bolzplatz-Sozialisierte etwas Blasphemisches.
Dominanz der Westafrikaner
Die Afrikanisierung des europäischen Fußballs führt außerdem zu einer Nivellierung der nationalen Spielweisen. Wo früher die Raubeine aus England und die filigranen Froschschenkel aus Frankreich aufeinandertrafen, machen heute vor allem Westafrikaner in beiden Nationalteams die Angelegenheit unter sich aus. Dazu kommt die zu grobmaschige Wahrnehmung exotischer Erscheinungen. Irgendwie sehen alle gleich aus und spielen alle gleich. Wenn früher ein Littbarski durch die Gegner wieselte oder ein Briegel in den Strafraum rollte, störte auch eine ganz schwache Auflösung im Fernseher nicht. Von der Schwierigkeit der „weißen“ Hirne, bei anderen Völkern Individuen zu erkennen, wird uns China freilich nicht retten. Die Ostasiaten werden ihre leichte Verwechselbarkeit eher noch als Waffe gegen die Europäer einsetzen. Lee passt zu Lee, der auf Lee flankt! Aber intellektuell ist ein Hoffnungsschimmer mit ihnen verbunden. Athletisch haben sie gegen die Afrikaner nämlich keine Chance. Nur mit Köpfchen können sie etwas reißen gegen das Team Coudenhove-Kalergi.

Von jeher haben sich Feinsinnige an den primitiven Jubel- und Ärgerritualen im Massensport gestoßen. Sie sind heute bis zum Überdruss durch feine Kameraeinstellungen erlebbar. Auch hier könnten die zurückhaltenderen Ostasiaten Linderung schaffen, sobald sie die Fußballweltherrschaft übernehmen.
Die konfuzianisch-kommunistische Prägung würde außerdem die vor allem im Süden zu beobachtende religiöse Inbrunst neutralisieren. Man möchte nicht in Gottes Haut stecken: Zwei Mal elf Männer stehen sich gegenüber, einer frommer als der andere, Bittgebete und Versprechen in den Himmel stoßend, wen soll man da erhören? Immer auf Remis spielen zu lassen, würde zu sehr auffallen. Dann könnte die betrogene Frömmigkeit über Nacht in totalen Atheismus umschlagen. Chinas Aufstieg als Fußballmacht würde also auch Gott oder andere Schicksalsmächte entlasten zugunsten wahrer Problemlösungen.
■ Jochen Stappenbeck
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