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Am 4. Juli 1776 verabschiedete der Zweite Kontinentalkongress in Philadelphia vor 250 Jahren die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Keine andere Nation hat die Geschichte der Neuzeit so geprägt wie diese. Für jeden historisch Interessierten ist es deshalb eigentlich unerlässlich, sich mit den geschichtlichen Wurzeln dieses Landes auseinanderzusetzen. Vieles, was die USA im Guten wie im Schlechten ausmacht, kann bis auf die Zeit vor der Verabschiedung der hauptsächlich von Thomas Jefferson verfassten „Declaration of Independence“ zurückgeführt werden.
Die 1565 von den Spaniern im heutigen US-Bundesstaat Florida gegründete Stadt St. Augustine beansprucht heute, die älteste Stadt der USA zu sein. Rein formal mag das stimmen, doch die eigentliche Keimzelle des Landes war die 1607 gegründete britische Kolonialsiedlung Jamestown. Diese wies einen gänzlich anderen Charakter auf als die spanischen Gründungen auf dem amerikanischen Doppelkontinent.
Die britischen Siedler kamen – anders als die Spanier – ohne einen soldatischen Begleitschutz nach Nordamerika. Sie waren im Auftrag einer britischen und mit einem königlichen Freibrief ausgestatteten privaten Kaufmannsgesellschaft, der „Virginia Company“, in die Wildnis Nordamerikas entsandt worden, um dort wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. Von diesem Selbstverständnis werden die USA noch heute zutiefst geprägt. „After all, the chief business of the American people is business” äußerte Calvin Coolidge, der als republikanischer Präsident die USA von 1923 bis 1929 regierte.
Daraus ist ein bis heute gebräuchliches geflügeltes Wort geworden, das besagen soll, dass das wirtschaftliche Geschäft das grundlegende Wesen wie auch den Daseinszweck der USA ausmacht. Ein weiteres Spezifikum von Jamestown und anderen britischen Siedlungen war, dass man die indianische Urbevölkerung verdrängte oder vernichtete, aber nicht mit ihr verschmolz. So entstand – anders als in den spanischen Kolonien in Mittel- und Südamerika – keine Mestizengesellschaft, sondern eine europäisch geprägte, größtenteils weiße Einwanderungsgesellschaft.

Die Todesraten der Kolonisten im frühen 17. Jahrhundert waren enorm. Von den etwa 900 in Jamestown niedergelassenen Engländern lebten nach 12 Monaten nur noch 150.
Die Gründung von New York
Der Nachschub an Siedlern ebbte allerdings nie ab. Viele von ihnen gehörten religiösen Minderheiten an und mussten in ihren Heimatländern mit der Todesstrafe rechnen, falls sie ihren Glauben offen praktizieren würden. Sie nahmen jede erdenkliche Mühsal auf sich, um ein neues Leben beginnen zu können. Die nordamerikanischen Kolonien wie auch die späteren Vereinigten Staaten wurden deshalb stark von einem christlichen Fundamentalismus geprägt, der sich bis heute erhalten hat. Die Vormachtstellung des britischen Empires in Nordamerika konnte von anderen Mächten nie ernsthaft in Frage gestellt werden. Dies lag vor allem daran, dass die englische Hochseeflotte schon im 17. Jahrhundert in der Lage war, mehr Siedler nach Nordamerika zu bringen als Spanien und Portugal, Frankreich und die Niederlande insgesamt. Schon damals setzte sich auf lange Sicht also diejenige Macht durch, die am besten organisiert war und an der Spitze des technischen Fortschritts stand. Allerdings spielten in Nordamerika während der Kolonialzeit lange Zeit mehrere Nationen eine wichtige Rolle.
Die erste wirtschaftlich erfolgreiche und auf den Fellhandel spezialisierte Kolonialsiedlung war beispielsweise eine 1624 unter dem Namen Nieuw Amsterdam gegründete niederländische Faktorei, aus der später New York entstehen sollte. Mit der Konstituierung des House of Burgesses im Jahr 1619 in Jamestown entstand die erste aus Wahlen hervorgegangene legislative Kammer auf dem Kontinent. Gleichzeitig trafen die ersten Afrikaner ein, was den Start der Sklaverei in den englischen Kolonien einleitete. 1620 gründeten die Pilgerväter – radikale Calvinisten und Abtrünnige der Church of England, die eine totale Gemeindeautonomie einforderten – die Plymouth-Kolonie (gelegen im heutigen Bundesstaat Massachusetts) und unterzeichneten den Mayflower Vertrag, ein frühes Dokument der Selbstverwaltung.
Zu den wichtigsten Kolonien, die in den Folgejahrzehnten gegründet wurden, zählte das 1681 gegründete Pennsylvania. Das Territorium unterstand nicht dem englischen König Karl II., sondern dem Gouverneur William Penn, der es zu einem Refugium für Glaubensflüchtlinge ausbauen wollte. Der englische König beglich mit der Überlassung des Territoriums eine Geldschuld an Penns Vater, einen mächtigen Admiral, die er aus seinen Finanzmitteln nicht mehr hätte bezahlen können.
Die Deutschen kommen
Penns Idee eines Ortes der Glaubensfreiheit sprach sich auch bis nach Deutschland herum. Am 6. Oktober 1683 kamen nach einer dreimonatigen Überfahrt die ersten 13 Familien aus Krefeld und Meerbusch in Pennsylvania an. Mit diesen Deutschen vom Niederrhein wurde knapp 100 Jahre vor der US-Unabhängigkeitserklärung ein ganz neues und wichtiges Kapitel in der Geschichte Nordamerikas aufgeschlagen. Deutsche Zuwanderer prägten in der Folgezeit die Geschichte des Kontinents wie kaum eine andere Zuwanderergruppe. Bei den 13 Familien, die die Basis für diese Entwicklung legten, handelte es sich um Mennoniten. Diese Anhänger eines täuferisch-freikirchlichen Glaubens wurden damals in vielen europäischen Ländern verfolgt, 1683 gründeten sie mit dem Deitscheschteddel die erste deutsche Siedlung Nordamerikas.
Die Einwanderung von nicht-englischen Europäern nahm in der Folgezeit stark zu, was am Ende auch politische Folgen zeitigen sollte. Hellmuth Günther Dahms stellte dazu in seinem Buch „Grundzüge der Geschichte der Vereinigten Staaten“ fest: „Die Mehrzahl kam aus Deutschland, der Schweiz und Mähren, Schottland, Ulster und Frankreich. England und seinen Institutionen fühlten sie sich kaum verbunden.“ Der Franzosen- und Indianerkrieg (1754-1763), Teil des globalen Siebenjährigen Krieges, war ein weiterer Wendepunkt. Der britische Sieg führte zur Kontrolle über Kanada und französische Territorien östlich des Mississippi, aber die hohen Kriegskosten machten neue Steuern notwendig, die die Kolonisten belasteten. Die Proklamation von 1763, die die Besiedlung westlich der Appalachen verbot, wurde als Einschränkung ihrer Rechte empfunden und verstärkte die Unzufriedenheit.
Die britischen Steuermaßnahmen, beginnend mit dem Stamp Act 1765, lösten Proteste aus, da die Kolonisten keine Vertretung im britischen Parlament hatten. Die Formel „No taxation without representation“ (zu deutsch: „Keine Besteuerung ohne Teilhabe“) wurde zu ihrem Schlachtruf. Das Boston Massacre 1770, bei dem britische Truppen auf Demonstranten schossen, und die Boston Tea Party 1773, bei der Kolonisten Tee ins Meer warfen, um gegen die Besteuerung zu demonstrieren, wurden zu Symbolen des wachsenden Widerstands.
Die Intolerable Acts 1774, britische Strafmaßnahmen gegen Massachusetts, führten zur Zusammenarbeit der Kolonien im Ersten Kontinentalkongress.1775 begann der Unabhängigkeitskrieg der 13 Kolonien gegen das britische Mutterland mit den Schlachten von Lexington und Concord. Der Zweite Kontinentalkongress, der im Mai 1775 zusammentrat, übernahm die Führung der Sezessionsbewegung. Am 4. Juli 1776 verabschiedete der Kongress die Unabhängigkeitserklärung, hauptsächlich verfasst von Thomas Jefferson, die die Trennung vom britischen Empire festschrieb.
Noch war die Situation angesichts der wechselnden Kriegslage allerdings fragil und offen. Erst die aus zwei Einzelschlachten bestehende Schlacht von Saratoga, die im Herbst 1777 ausgetragen wurde, brachte eine Vorentscheidung, die sich als irreversibel erweisen sollte. Eine britische Streitkraft unter General John Burgoyne, die Neuengland vom Rest des Kolonistengebiets abschneiden sollte, wurde geschlagen und schließlich zur Kapitulation genötigt. Frankreich erkannte als Folge des Ausgangs der Schlacht nun auch offiziell die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten an und schloss mit diesen im Februar 1778 einen Freundschafts- und Handelsvertrag. Drei Jahre später spielten französische Militär- und Marineeinheiten eine Schlüsselrolle bei der Kapitulation der zweiten britischen Armee in der Schlacht von Yorktown und bei der Beendigung des Krieges. Die US-Verfassung trat dann am 4. März 1789 in Kraft.
■ Arne Schimmer
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