Deutschland erodiert: wirtschaftlich, demographisch, ideologisch, politisch. Es bräuchte einen Anführer, der es aus der Not befreit. Einen Macher. Was die Bundesbürger sich gewählt haben: Friedrich Merz. Wir zeigen auf, was der Fall WestLB über Friedrich Merz aussagt und wie sehr seine heutige Rolle als Bundeskanzler der des havarierten Ex-Wirtschaftswunders der damaligen gleicht. Und das verheißt nichts Gutes.
Es war der größte Bankenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte: Die WestLB, einst stolzes Flaggschiff der Landesbanken und „Hausbank“ des Landes Nordrhein-Westfalen, war durch riskante Spekulationen und Größenwahn in der Finanzkrise 2008 furchtbar havariert. Milliardenverluste und faule Papiere zwangen die Eigentümer und den staatlichen Rettungsfonds SoFFin in die Knie. Die EU-Kommission stellte ein Ultimatum: Entweder die Bank wird verkauft oder sie wird zerschlagen.

Friedrich Merz zurück im Rampenlicht
Und das war Merz’ Rückkehr ins Rampenlicht: Als „Veräußerungsbevollmächtigter“ sollte er die marode Landesbank WestLB an den Mann bringen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Merz in einer Phase der politischen Abstinenz. Nachdem er den Machtkampf gegen Angela Merkel verloren und sein Bundestagsmandat 2009 niedergelegt hatte, suchte das einstige „CDU-Ass“ sein Glück in der Wirtschaft. Als Partner der internationalen Kanzlei Mayer Brown verfügte er über das perfekte Profil: Er war tief vernetzt in der NRW-Landespolitik der Union und galt gleichzeitig als Fachmann für den Kapitalmarkt. Die damalige schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf sowie der Bankenrettungsfonds SoFFin sahen in ihm den idealen „Türöffner“, der den schmerzhaften Verkaufsprozess mit politischer Autorität abschirmen sollte. Es war ein Mandat an der Schnittstelle von Lobbyismus und Investmentbanking.
Das Geschäftsmodell Krise: Profit ohne Erfolg
Das öffentliche Resultat war desaströs: Ein Käufer wurde nie gefunden, die Bank zerschlagen, der Steuerzahler zahlte Milliarden. Doch für Merz war das Scheitern ein Goldesel. Es war die Geburtsstunde eines Geschäftsmodells, bei dem nicht die Rettung, sondern die Begleitung des Niedergangs zum Ziel wird. Schon die Vergabe war rechtlich zweifelhaft: Die Beauftragung von Merz’ Kanzlei Mayer Brown durch den staatlichen SoFFin und das Land NRW erfolgte ohne europaweite Ausschreibung. Für ein Tageshonorar von 5.000 Euro und Millionensummen für seine Kanzlei entkoppelte er sein Einkommen völlig vom mageren Ergebnis.
Ein persönliches Geschäftsmodell war geboren: Merz rettet nicht, er verwertet. Er hat gelernt, am Zerfall persönlich zu wachsen. Ein solcher Akteur löst Probleme nicht – er moderiert sie, hält sie am Leben und lässt sich die Beerdigung der Substanz fürstlich bezahlen. Was blieb, war die Frage nach der moralischen Rendite.
Die BRD als WestLB 2.0
Heute fungiert die Bundesrepublik als die neue WestLB. Die Infrastruktur bröckelt, die industrielle Basis schwindet, und das einst als „heilig“ geltende Stabilitätsversprechen der Schuldenbremse ist gefallen. Merz, der sich im Wahlkampf noch als Gralshüter solider Finanzen inszenierte, vollzog im Kanzleramt die radikale Wende: 500-Milliarden-Sondervermögen und viele weitere gebrochene Wahlversprechen und vernunftwidrige Entscheidungen. Wie damals bei der Landesbank agiert er nicht als Sanierer, der das Ruder herumreißt, sondern als Moderator einer kontrollierten Insolvenz:
- Prinzipien werden liquidiert: Die Schuldenbremse, einst Merz‘ wichtigstes Dogma, wurde zur Verhandlungsmasse für den Machterhalt.
- Preisschilder auf den Niedergang: Statt echter Strukturreformen werden Löcher mit neuen Krediten gestopft – ein politisches „Spezial-Honorar“, um die Regierungsfähigkeit zu sichern, während die Substanz des Landes schwindet.

Die lukrative Verwertung des Unvermeidlichen
Der Fall WestLB offenbart einen deutlichen Kontrast zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Heute geißelt Merz staatliche Ineffizienz und mahnt Respekt vor dem „Malocher“ an – eine Ironie für jene, die sich daran erinnern, wie er sich eine staatlich finanzierte Abwicklung vergolden ließ.
Die Parallelen sind leider frappierend: Ob bei der WestLB oder der Schuldenbremse – Friedrich Merz erweist sich als Meister darin, das Scheitern von Prinzipien (oder Institutionen) politisch und finanziell zu managen. Sein Markenkern ist nicht die Sanierung oder die politische Führung, sondern das Begleiten des Untergangs. Er ist kein Architekt eines neuen Aufbruchs, sondern der Mann für die letzte Inventur. Während die deutsche Wirtschaft unter hohen Energiekosten und Bürokratie ächzt, verwaltet Merz den fiskalischen Rückzug. Er verkauft den Bürgern die Aufnahme massiver Schulden als „Investition in die Zukunft“ – genau wie er damals das Ende der WestLB als „geordneten Prozess“ verkaufte.
Fazit
Am Ende steht Deutschland vor derselben Erkenntnis wie die ehemaligen Eigner der WestLB: Der Verwalter hat glänzend verdient (was Merz natürlich anders sehen würde), doch die Institution, die er retten sollte, ist nach seinem Einsatz nur noch ein Schatten ihrer selbst. Friedrich Merz hat nicht das Selbstverständnis, etwas zu retten. Er hat nie gelernt, eine Organisation zu verantworten oder zu führen. Er stand in Politik und Wirtschaft immer am Rand des Geschehens: manchmal kontrollierend, aber meistens kommentierend und kritisierend. Und mehr wird er auch als Bundeskanzler nicht zustande bekommen.
■ Sascha von Aichfriede
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