Der Dow Jones-Newsticker, vom Times Square aus gesehen. Bild: ProducerMatthew - Own work, CC BY-SA 3.0.

US-Börsen auf Rekordjagd: Noch wackelt das Epstein-Kartell nicht

Was aus den Höchstständen herauszulesen ist

Die Vereinigten Staaten machen wegen ihres Reservewährungsprivilegs seit Jahrzehnten Schulden auf Kosten des Rests der Welt. Doch die Dollar-Hegemonie gerät in den Realitäten der multipolaren Welt immer mehr ins Wanken. In unserem Heft „Ami go Home“ machen wir deutlich, dass sich auch Deutschland nicht für eine einseitige Westbindung entscheiden und auf keinen Fall von Washington in den Dritten Weltkrieg hineinziehen lassen darf. Außerdem Interviews mit Christian Fischer von der „AG Willkommen“ der FREIEN SACHSEN sowie mit Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp, den Herausgebern der Wochenzeitung „Demokratischer Widerstand“. HIER bestellen!

Um sich ein wenig von den Aufregungen der Politik zu erholen, tut es gut, kleinen Kindern beim Spielen zuzusehen. Oder den großen an den Börsen. Völlig losgelöst von irgendwelchen pessimistischen Anwandelungen schoben die großen Geldverwalter im Mai die US-Leitindizes auf neue historische Höchststände. Auch Japan haussiert und Europa hechelt wie ein treuer Dackel dem US-Herrchen hinterher. 

Warum eigentlich? Wer so fragt, partizipiert wahrscheinlich nicht an diesem Trend. Gründe existieren immer nur für fallende Kurse. Wachstum, also auch das Preiswachstum, ist in unserem System die Norm. Es ist eine große Blase, die immer kurz vor dem Platzen steht – und deswegen nicht platzen darf.

Ergiebiger ist die Frage: Welche künftigen realpolitischen Ereignistrends lassen sich aus den Kursen herauslesen? Wenn sich die Finanzwelt schon nicht um Politik schert, dann ist anzunehmen, dass sie im Hintergrund an den Fäden zieht. Und wenn man annimmt, dass in den Kursen die Zukunft gehandelt wird, lässt sich einiges erkennen. Leider meist im Nachhinein, aber immerhin.

Rheinmetall, BlackRock, BioNTech

Betrachten wir also zunächst ein paar berüchtigte Kriegs- und Transformationsgewinnler:

Die Aktie von Rheinmetall begann ihre Preisexplosion im Januar 2022 bei 83 Euro. Da waren es noch zwei Monate bis zum Kriegsausbruch in der Ukraine. 2024 ruhte sich der Kurs ein bisschen um 500 Euro aus, um dann bis September 2025 auf 2.000 zu steigen. Seitdem läuft eine Korrektur, die nicht einmal der Irankrieg im März zu stoppen vermochte. Derzeit steht Rheinmetall um 1300 Euro. Die Anleger sehen also keine Weltkriegs-, sondern eher Friedensgefahr. 

Den Kursverlauf von BlackRock sollte man immer im Auge behalten. Der vergleichsweise moderate und korrekturfreudige Anstieg vom Coronatief bei 350 USD auf das bisherige Hoch bei 1.200 USD (ebenso im September 2025) wurde von einer moderaten Korrektur quittiert, die jetzt aber zu Ende zu gehen scheint bei derzeit 1.050 USD. Daraus lässt sich schließen, dass sich die dominanten Vermögensverwalter in viele Branchen eingekauft haben, deren Hausse erst noch bevorsteht.

Auch aus dem Kursverlauf der BioNTech-Aktie hatte man Schlüsse auf die Zukunft ziehen können: Das historische Hoch wurde am 10. August 2021 bei 400 Euro markiert, Ende 2021 stürzte der Wert dann ab, um in der Folge um 100 und tiefer herumzudümpeln. Das kriminelle Projekt Covid war also auf eine kurze Phase angelegt. Der vor kurzem verkündete Ausstieg der Firmengründer hatte keine Impulse gezeitigt.

Der Dow Jones schloss im Mai auf über 51.000 Punkten. Mit der Überwindung des „Pam Bondi“-Hochs vom Februar, als die damalige US-Justizministerin den Epstein-Enthüllern kaltschnäuzig empfahl, sich doch lieber über den Dow Jones über 50.000 zu freuen, ist nun eine weitere Hoffnung, dass sich die Symbiose aus Trump, Epstein-Kartell und Wallstreet auflösen könnte, in weitere Ferne gerückt. Auch die Verhinderung des charismatischen Trump-Kritikers Thomas Massie bei der Vorwahl in Kentucky zeugt von der ungebrochenen Macht der etablierten Kräfte. Der NASDAQ schloss bei knapp 27.000 Punkten. Gemessen an den Tiefs vom April 2025, nachdem Trump die Märkte zum ersten Mal mit seinen Zoll-Phantasien beglückte, sind das Anstiege von 38 Prozent im Dow Jones (wie auch im Gold) und 84 Prozent im NASDAQ.

Corona-Plandemie als Startschuss

Der deutsche Leitindex hellte seinen Wachstumsoptimismus im selben Zeitraum um 36 Prozent auf, wenn man die Preissteigerung als Ausdruck der Zuversicht interpretiert. Ende Mai hielt er sich zwar noch knapp unter dem Allzeithoch vom Januar 2026 auf, dürfte es aber bald hinter sich lassen, wenn der Dow Jones nun zum nächsten Ziel, der 60.000, aufbricht.

Führungskräfte von Microsoft feiern im November 2013 den Verkaufsstart der neuen Xbox mit dem Läuten der Glocke zur Eröffnung des Handels an der US-Technologiebörse Nasdaq. Bild: Microsoft – Microsoft, CC BY-SA 4.0.

Noch viel früher als in den Einzelwerten konnte man die Zukunft im Frühjahr 2020 voraussagen, denn in fast allen Märkten, auch in den meisten Rohstoffen, lagen markante Tiefs in der zweiten Märzhälfte, als die Menschheit offiziell aus Angst vor der totalen Durchseuchung in Apathie verfiel. Noch im März stiegen die Märkte wie von der Tarantel gestochen. Die vorgetäuschte Corona-Pandemie war der Startschuss für die beschleunigte digitale Transformation, der ab 2022/ 2023 die KI-Hausse entsprang, die immer noch der Haupttreiber des Anstiegs ist. Der Startschuss fiel also nicht irgendwann am Ende, als gemäß Propaganda die Leute aufatmen und wieder normal funktionieren konnten, sondern am Anfang. Öl, Gold und Silber (in ihren Wertpapierformen) verhalten sich in den Grundmustern der letzten sechs Jahre nicht wie Alternativen zu den Aktienmärkten, sondern sehr ähnlich. Gold verdreifachte sich wie auch der Dax und der Dow Jones seit dem Coronatief. Vervierfachen konnten sich Nikkei und Nasdaq. Silber und Öl werden seit den Tiefs um das Sechsfache höher bewertet.

Kurzfristig spielt der Preis für das Öl den Widersacherpart zu den Aktienmärkten. Sollte der Preis aus dem Kanal seit 2022 und über 120 Euro ausbrechen, würde das mit einem Fallen der Aktien einhergehen. Derzeit sieht es eher nach einem Rückgang in den unteren Kanalbereich aus, vor allem, wenn die 80 nach unten gebrochen wird.

Aus den Aktienindizes der BRICS-Länder lässt sich eine weitere Desillusionierung herauslesen. Was gerne als Alternative zum Westblock gesehen wird, ist höchst uneinheitlich. So gewann seit März 2020 der russische Index nur 29 Prozent und verlor seit April 2025 25 Prozent. Chinas Indizes sind seit Corona noch lethargischer: Der CSI schaffte nur 6,5 Prozent. In manchen Ländern sieht das Ergebnis zwar beachtlich aus, bedeutet aber für den Anleger nicht automatisch Wertzuwachs: So stieg der argentinische Leitindex um 2.600 Prozent, also das 27-Fache. Wer in Peso anlegte, dürfte inflationsbereinigt dabei kaum etwas gewonnen haben.

Für den politisch Engagierten bedeutet das: Von der großen Weltbühne sind keine Impulse zu erhoffen. Umso lohnenswerter ist, die politischen Graswurzeln vor der Haustüre zu gießen.  

Jochen Stappenbeck

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