Luka Modric bei der WM 2018 in Russland. Bild: Светлана Бекетова - soccer.ru, CC BY-SA 3.0,

WM 2026: Luka Modric – Kämpfer, Künstler, Kroatiens Superstar

Genial, aber nicht politisch korrekt

🤍 💚 ⚽️ Die Fußball-WM läuft – Mit dem sächsischen Nationaltrikot erregt Ihr beim Public Viewing garantiert Aufsehen! 💥 Von Sachsen bis St. Petersburg ist es überall zu sehen und immer noch stark gefragt – die warmen Tage dauern schließlich auch noch ein bisschen. Greift jetzt zu und sichert Euch rechtzeitig zum größten Fußballturnier der Welt das sächsische Nationaltrikot. 💥 Das Beste: Für weniger als 20 Euro erhaltet Ihr das Trikot aus Funktionsgewebe in allen Größen. Der Hingucker in jedem Biergarten und jeder Kneipe zur Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada! HIER zugreifen!

Am 17. Juni bestritt der kroatische Superstar Luka Modric in Dallas gegen die Auswahl von England sein 20. WM-Spiel. Sportlich hat er seine kleine Nation auf Höhen gebracht, die niemand für möglich gehalten hätte. Vizeweltmeister bei der WM 2018 in Russland, WM-Dritter 2022 in Katar und 2023 im Finale der UEFA Nations League, wo man Spanien erst im Elfmeterschießen unterlag. Dazu kommen als Vereinsfußballer noch geradezu unfassbare sechs Siege mit Real Madrid in der Champions League. Längst ist der mittlerweile 40jährige Mittelfeld-Dirigent damit zu einer Ikone des Weltfußballs geworden.

Der 24. September 2018  war eine Zäsur in der neueren Geschichte des Fußballs. Seit zehn Jahren nämlich machten der Portugiese Cristiano Ronaldo und der Argentinier Lionel Messi bei der Wahl zum „Weltfußballer des Jahres“ die Vergabe dieses Preises unter sich aus, beide holten sich ihn jeweils fünfmal. Doch vor acht Jahren ging diese Ära bei der vom Weltfußballverband FIFA initiierten Gala in der Royal Festival Hall in London zu Ende. Die Ehrung ging damals, wie es einige erwartet und viele erhofft hatten, an den Kroaten Luka Modrić. Ausgezeichnet wurde damit ein Fußballer, der seinen Sport fast ebenso nachhaltig prägte wie Ronaldo oder Messi, dabei aber – wie es in diesem Geschäft mittlerweile leider völlig unüblich geworden ist – die Bodenhaftung behielt und der immer noch bescheiden und manchmal fast schüchtern auftritt.

Die Bescheidenheit hat ihn ein Leben gelehrt, das schon in jungen Jahren von größten Härten geprägt war. Geboren wurde Modrić nämlich am 9. September 1985 noch in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, und zwar in der norddalmatinischen Adriastadt Zadar, die damals noch in der jugoslawischen Teilrepublik Kroatien lag. Eine friedvolle Kindheit war ihm nicht vergönnt, denn Zadar gehörte während des kroatischen Unabhängigkeitskrieges zu den am stärksten umkämpften Städten überhaupt.

Vertreibung der Familie

Im Jahr 1991 schloss sich für fast zwei Jahre ein Belagerungsring der Jugoslawischen Volksarmee um die Stadt, der Kontakt zur Außenwelt war den Bürgern der Stadt nur noch über die Insel Pag möglich. Das Hinterland der Stadt fiel völlig an die Jugoslawische Volksarmee und an serbische Milizen. Genau dort aber, in dem Dörfchen Zaton Obrovački, lebte der kleine Luka mit seiner Familie. Als der Belagerungsring sich schloss, musste sie überstürzt fliehen, ihr Haus wurde niedergebrannt. Lukas Großvater überlebte die Vertreibung nicht, er wurde zusammen mit sechs weiteren Zivilisten von serbischen Freischärlern ermordet. Lukas neue Heimat war nun ein heruntergekommenes Hotel in Zadar, das hastig zu einer Flüchtlingsunterkunft umgestaltet worden war. Vor ihr sah man den kleinen Jungen tagein, tagaus in jeder freien Minute mit dem Ball spielen. Sein Vater hatte bald ein Einsehen und meldete den damals Sechsjährigen in der Fußballschule des örtlichen NK Zadar an. Sein Trainer erinnerte sich an einen anfangs recht ängstlich wirkenden Jungen – kein Wunder bei seiner Vorgeschichte – dessen riesiges Talent aber vom ersten Moment an jedem ins Auge stach.

Besorgt diskutierte der Jugendtrainer deshalb oft mit Lukas Vater die Frage, ob der zierliche Junge mit der geringen Körpergröße überhaupt noch wachsen werde, denn dann sei ihm eine große Karriere wohl nicht mehr zu nehmen. Als Luka zehn Jahre alt war, schickten ihn seine Trainer zu einem Probetraining zu Hajduk Split. Der Verein aus der im äußersten Süden des Landes gelegenen Stadt, die vor allem wegen des dort befindlichen antiken Diokletianpalastes berühmt ist, war mit elf Meisterschaften und neun Pokalsiegen die erfolgreichste kroatische Mannschaft im ehemaligen Jugoslawien und kann in seiner Geschichte sogar bis zur Zeit der k.u.k.-Doppelmonarchie zurückblicken. Das Talent von Luka Modrić erkannte man dort aber nicht, dieser wurde als zu schwach eingestuft und ausgemustert – eine Entscheidung, über die man sich heute noch ärgern dürfte. Sechs Jahre später machte dann wieder einmal Dinamo Zagreb das Rennen, der Verein, der seit der Unabhängigkeit Kroatiens die meisten Erfolge feiern konnte und der als Talentschmiede des Adrialandes gilt – mit dem Transfer junger kroatischer Fußballspieler in das europäische Ausland hat Dinamo schon eine dreistellige Millionensumme in Euro verdient. Modrićs Fähigkeiten wurden hier erkannt, der damals Sechzehnjährige wurde allerdings erst einmal zu dem bosnisch-herzegowinischen Erstligisten Zrinjski Mostar ausgeliehen, um Spielpraxis sammeln zu können. Die bosnische Liga gilt als besonders rauhbeinig, aber hier setzte sich der nur 1,72 Meter große Filigrantechniker schon ohne größere Schwierigkeiten durch, brachte es rasch zum Stammspieler und wurde im Alter von 18 Jahren sogar schon zum besten Spieler der Saison in der bosnischen Premijer Liga gewählt.

Von Zagreb auf die Insel

Ein Jahr später folgte dann schon die nächste Etappe, die Modrić in die Zagreber Vorstadt Zaprešić zum dortigen kroatischen Erstligisten NK Inter führte. Auch hier avancierte er schnell zum Stammspieler und überzeugte die Dinamo-Führung davon, dass seine Lehrjahre nun vorbei waren. Ab 2005 war er Stammspieler in der ersten Mannschaft von Dinamo und holte mit dem Verein in den Jahren 2006, 2007 und 2008 dreimal hintereinander die kroatische Meisterschaft. Die europäischen Talentspäher rieben sich schon damals die Augen, wenn sie sich die Videos der unglaublichen Tricks und Zauberpässe ansahen, die Modrić in der ersten kroatischen Liga vorführte. Er war damals schon kroatischer Nationalspieler – sein Debut hatte er am 1. März 2006 in einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien gegeben, in dem auch ein gewisser Lionel Messi eines seiner ersten Länderspiele bestritt. Bei der „Sommermärchen“-WM des Jahres 2006 in Deutschland stand er zwar schon im kroatischen Kader, wurde aber noch nicht eingesetzt.

Dennoch jagten ihn damals schon praktisch alle europäischen Top-Klubs, er wurde mit Arsenal London, dem FC Chelsea, dem FC Barcelona und auch dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. Auch wurde er damals schon häufig mit der niederländischen Fußballlegende Johan Cruyff verglichen, dem Schöpfer des „totaal voetbal“ – allerdings wurde oft hinzugefügt, dass zu Cruyffs Genialität bei Modrić noch eine ausgeprägte Defensivstärke hinzutrete. Das Rennen um seine Dienste gewann dann im Jahr 2008 der englische Premier League-Verein Tottenham Hotspur, der dafür 21 Millionen Euro an Dinamo Zagreb hinblätterte. Im gleichen Jahr gelang dem kleinen Kroaten bei der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz auch der Durchbruch mit der Nationalmannschaft. Auch hier war er mittlerweile nicht nur zum Stammspieler, sondern zum unumstrittenen Spielgestalter avanciert. Beim 1:0-Sieg gegen den Gastgeber Österreich im Wiener Ernst-Happel-Stadion gelang ihm per Foulelfmeter sein erstes Tor bei einem großen Turnier.

Die Kroaten erreichten damals schon das Viertelfinale, aber im Elfmeterschießen gegen die Türkei verschoss ausgerechnet Modrić den entscheidenden Freistoß für seine Mannschaft. Dennoch war sein Name nach insgesamt fünf überzeugenden Turnierspielen den europäischen Fußballfans endgültig ein Begriff. In der Premier League setzte sich Modrić einmal mehr regelmäßig gegen körperlich weit stärkere Spieler durch, bestritt insgesamt 127 Ligaspiele und hatte wesentlichen Anteil an der ersten Champions-League-Teilnahme der „Spurs“ überhaupt in der Saison 2010/11. Vier Jahre spielte er unter Trainer Harry Redknapp, der über ihn sagte: „Luka ist ein wundervoller Spieler. Er kann aus dem Nichts Räume schaffen. Er ist zudem ein tolles Vorbild, er macht nie Ärger. Es ist ein Segen, mit ihm zu arbeiten.“ Dem Erfolgscoach der „Spurs“ war aber klar, dass dieses Juwel selbst in der Premier League nicht ewig zu halten sein würde. Die Ahnungen sollten nicht trügen, denn Modrić wollte sich ab dem Jahr 2012 dem ultimativen Leistungstest unterziehen, den der internationale Fußball zu bieten hat, nämlich einem Wechsel in den ungemein starken Kader der „Königlichen“ von Real Madrid, der schließlich mit einem Transfer für 35 Millionen Euro besiegelt wurde. In Tottenham ist man übrigens nach wie vor so überzeugt von ihm, dass man ihn noch nach der diesjährigen WM wieder aus Madrid loseisen und in den Norden Londons zurückholen wollte.

Kroatien-Krimis in Russland

Und einmal mehr gelang ihm hier das, woran so viele andere scheiterten – unter anderem auch ein Mesut Özil. Auch bei Real wurde Modrić zu einem der unverzichtbaren Schlüsselspieler, der auf Augenhöhe mit seinem Mannschaftskameraden Cristiano Ronaldo agierte. Hier gelang dem Kroaten zusammen mit einer Spielergeneration, die jetzt schon legendär ist ‒ und die neben Ronaldo auch durch Fußballer wie Gareth Bale oder Toni Kroos geprägt wurde ‒ etwas, was für die Nachkommenden wohl tatsächlich unerreichbar ist, nämlich der sechsfache Sieg in der Champions League in den Jahren 2014, 2016, 2017, 2018, 2022 und 2024 (damals im Finale gegen Borussia Dortmund). Und 2018 war darüber hinaus natürlich auch noch das Jahr des kroatischen Sommermärchens bei der Fußball-WM in Russland. Hier lieferte die Mannschaft des Adrialandes erst eine perfekte Vorrunde in der besonders schwierigen Gruppe D mit drei Siegen gegen Nigeria, Argentinien und Island ab, wobei Mannschaftskapitän Luka Modrić gegen den Favoriten aus Argentinien mit einem Traumtor glänzte, das zu den schönsten des Turniers zählte und bei dem er das Leder nach einer Körpertäuschung aus 20 Metern in das lange Eck schlenzte.

Danach, in der KO-Phase, folgten dann die Kroatien-Krimis. So im Achtelfinale gegen Dänemark, in dem der kroatische Kapitän ganz kurz vor dem Ende der Verlängerung mit einem Strafstoß an dem dänischen Torwart Kasper Schmeichel scheiterte, um nur wenige Minuten später im Elfmeterschießen wieder zu treffen. Ein Krimi war auch das hochemotionale Viertelfinale gegen den Gastgeber Russland im Hexenkessel von Sotschi. In dem vielleicht spannendsten Spiel dieser WM stand es nach 120 Minuten 2:2, wieder traf Modrić beim kroatischen Sieg im Elfmeterschießen. Im Halbfinale gegen England im Moskauer Luschniki-Stadion ging es dann wieder in die Verlängerung, die diesmal allerdings durch ein von Stürmerstar Mario Mandžukić erzieltes Tor in der 109. Minute entschieden wurde. Und dann kam das aus kroatischer Sicht so unglückliche WM-Finale gegen Frankreich. Beim 4:2-Sieg der Westeuropäer half der argentinische Schiedsrichter Néstor Pitana mit einer klaren Fehlentscheidung sowie einem weiteren sehr umstrittenen Elfmeter bei gleich zwei französischen Toren kräftig nach. Dennoch gab es nach dem Spiel nicht ein einziges Wort der Klage durch einen kroatischen Spieler. Als im strömenden Regen bei der Siegerehrung nach dem Finale der wie immer auch in dieser Situation fast schüchtern auftretende Modrić dann den FIFA-Pokal für den besten Spieler des Turniers entgegennahm, da schämte sich selbst die mitgereiste damalige kroatische StaatspräsidentinKolinda Grabar-Kitarović nicht ihrer Tränen.

Politisch korrekte Kritik nach Empfang in Zagreb

Der Einzug in das WM-Endspiel dürfte für Modrić sicherlich der Höhepunkt seiner Karriere gewesen sein – es darf ja auch nicht vergessen werden, dass Kroatien ein Land ist, das nur wenig mehr Einwohner hat als die deutsche Hauptstadt Berlin, was den Erfolg noch spektakulärer macht. In Deutschland wurde natürlich wieder auf breiter Front politisch korrekt herumgemäkelt, dass der kroatische nationale Popmusiker Marko Perković alias „Thompson“ bei dem Empfang für Kroatiens WM-Helden in Zagreb auf dem Mannschaftswagen neben dem Kapitän Luka Modrić mitfahren durfte – die Frage, woher denn wohl der ausgeprägte kroatische Patriotismus kommt, stellte natürlich mal wieder niemand.

Marko Perkovic Thompson Kroatien
Die Band Thompson nach einem Konzert 2013. Modric ist ein großer Fan dieser patriotischen Kombo. Foto: Von Roberta F., CC BY-SA 3.0.

Eine erneute Erfolgsgeschichte schrieb Kroatien dann bei der WM 2022 in Katar. Hier schlug man im Achtelfinale erst Japan und im Viertelfinale dann sogar sensationell den Rekord-Weltmeister Brasilien. Schluss war erst im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Argentinien. Nach der Auftakt-Niederlage bei der diesjährigen WM gegen England steht Modrics Mannschaft im heute Nacht anstehenden zweiten Gruppenspiel gegen Panama (um 1 Uhr MESZ) dann schon gehörig unter Druck. „Glückauf Ikone“, möchte man dem mittlerweile in Italien beim AC Mailand spielenden Modric gerne zurufen. Möge es ihm vergönnt sein, die großartigen jungen Talente der kroatischen Nationalmannschaft wie Luka Vuskovic, der in der vergangenen Saison beim Hamburger SV für enormes Aufsehen sorgte, oder Igor Matanovic vom SC Freiburg, in eine weitere K.-o.-Phase einer Fußball-WM zu führen!

 Arne Schimmer

Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline

Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS


Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/

AUFGEWACHT Online

Abonnieren Sie die Stimme des Widerstands

Cookie-Einwilligung mit Real Cookie Banner