Der Filmemacher Uwe Boll. Bild: privat.

Uwe Boll: „Der Film ist den vergewaltigten Frauen gewidmet“

Im Gespräch mit dem deutschen Regisseur und Produzenten

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Uwe Bolls Action-Thriller „Citizen Vigilante“ (2026) mit Armie Hammer in der Hauptrolle wurde in Deutschland faktisch verboten. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) verweigerte dem Film in zwei unabhängigen Prüfungen eine Altersfreigabe und vergab stattdessen das Label „KK“ (Kein Kennzeichen). Das bedeutet: Der Film darf weder in Kinos gezeigt noch auf Streaming-Plattformen, per DVD/Blu-ray oder im Fernsehen vertrieben werden. Eine reguläre Auswertung auf dem deutschen Markt ist damit ausgeschlossen – anders als in den USA (Kinostart Juni 2026) und vielen anderen Ländern.

Der Film erzählt von einem Mann, der nach brutalen Verbrechen (u. a. einem Messerangriff durch Migranten) zur Selbstjustiz greift und gegen kriminelle Migranten sowie korrupte Behörden vorgeht. Boll sieht darin eine Auseinandersetzung mit realen gesellschaftlichen Problemen wie Migrantenkriminalität und Justizversagen. Die FSK begründete die Entscheidung vor allem mit der Verherrlichung von Selbstjustiz und der befürchteten Anstiftung zur Gewalt gegen Migranten. Boll selbst spricht klar von politisch motivierter Zensur. In einem offenen Brief und Interviews warf er der FSK vor, dass acht ausgewählte Personen darüber entscheiden, was über 50 Millionen Erwachsene sehen dürfen. Er verlor einen juristischen Einspruch mit 6:2 Stimmen und betonte, der Jugendschutz diene hier nur als Vorwand für inhaltliche Kontrolle. Das im Anschluss dokumentierte Interview wurde Ende vergangenen Jahres und noch vor der Veröffentlichung des Films von Sascha A. Roßmüller geführt.

Uwe – wir kennen uns, und ich denke, ich muss daher nicht die Anrede „Herr Dr. Boll“ verwenden –, stimmt es, wenn ich zu Deiner Person sage, durch und durch Nonkonformist? Als Filmproduzent entweder geliebt oder gehasst, da er nicht nur mit Worten, sondern auch beim Promiboxen gegenüber Kritikern austeilt und allgemein sehr ungeschminkt Stellung bezieht. Wie beschreibt sich Uwe Boll eigentlich selbst?

Ich habe in meinen Büchern „Ihr könnt mich alle mal“ und „Tabula Rasa“ sehr detailliert sowohl meine Kindheit, Jugend als auch Karriere beschrieben. Die Kurzfassung wäre, dass ich schon als Zehnjähriger Filme machen wollte und dieses Ziel gegen alle Widerstände verfolgt und durchgesetzt habe. Mein Vater war Chemotechniker und wir hatten weder Geld noch Kontakte zur Filmbranche. Dennoch fing ich dann mit Super-8-Filmen an und arbeitete mich auf 16-mm-Filme hoch. Ab 1991 folgten dann mit meinem Kumpel Frank Lustig die ersten richtigen Filme. Für 60.000 DM Gesamtbudget „German Fried Movie“ und dann zwei Jahre später „Barschel – Mord in Genf?“, die beide die UFA kaufte. Beide Filme waren politisch inkorrekt und bekamen keine Filmförderung oder TV‑Gelder. Jetzt, 30 Jahre später, habe ich 39 Filme gedreht, oft mit Top-Schauspielern und Oscar-Preisträgern wie Ben Kingsley, J.K. Simmons, Burt Reynolds, Jason Statham und vielen internationalen Stars mehr.

Und nie in all den Jahren bekam ich in Deutschland Geld vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder der Filmförderung. Mit anderen Worten: Wenn es schwierig wird, dann kämpfe ich und breche den Widerstand oder finde andere Wege, meine Ziele zu erreichen. Diese Sturheit hat mir in meinem Leben sehr geschadet, aber eben auch sehr geholfen. Die Kritiker habe ich natürlich alle K.O. geschlagen, denn ich habe 14 Jahre bei Bayer Leverkusen geboxt.

„SPD ist Partei der arbeitslosen Nichtsnutze“

Du kommst ja tendenziell eher von der politisch linken Seite, ursprünglich SPD-Wähler, und obwohl vermutlich immer noch kein „Rechter“, dürfte die Linke Dich inzwischen in diese Ecke stellen. Was ist passiert?

Meine Eltern hatten immer SPD gewählt, denn damals war die SPD noch die Partei der Arbeiter und Angestellten. Ich denke, ein Helmut Schmidt und ein Willy Brandt hatten noch das Wohl des deutschen Steuerzahlers im Sinn. Später war ich auch Fan von Gerhard Schröder. Wir wuchsen ja quasi im Nachgang der 68er-Generation auf. Wir haben sowohl den Kalten Krieg als auch den Vietnamkrieg, RAF‑Terror, Woodstock, die Hippies, den Fall der Mauer und den Beginn der Grünen live miterlebt. Ich selber war aber nie politisch aktiv, sondern nur interessiert. Was ich im Studium gelernt habe, ist, an allem zu zweifeln, unbequeme Fragen zu stellen und mich nicht politisch vereinnahmen zu lassen. Nichts, auch nicht rechts und links, ist in Stein gemeißelt.

Uwe Boll beim Kritikerboxen in Vancouver. Bild: privat.

Ich würde gerne „rechts“ und „links“ als Begriffe streichen, denn wer hätte jemals gedacht, dass die Grünen als einstige Partei von Petra Kelly einmal so vehement für die Bundeswehr, Aufrüstung, Kriegseskalation und Islamisierung stehen würden? Die CDU ist besorgter über das Wohlergehen der Migranten als über das der eigenen Bürger und der Wirtschaft. Die SPD ist die Partei der arbeitslosen Nichtsnutze geworden, die den Staatssektor immer weiter vergrößern wollen. Die Hoffnung ist, über ein AfD‑Verbot wieder in Richtung von 20 Prozent der Stimmen zu kommen. Merz hat alle Wähler belogen und ist damit selbst unwählbar geworden.

Die Befindlichkeit mit Blick auf Abweichler vom etablierten Mainstream wird im Zeitalter der „Brandmauer“ immer größer. Da Du auch schon in Kanada und den USA gearbeitet hast: Wie fällt Dein Vergleich zwischen Europa und Übersee aus?

Kanada ist sehr europäisch, woke und bürokratisch. Es gibt Natur und viel Platz, aber die Lebensmittel kosten doppelt so viel wie in Deutschland und die medizinische Versorgung ist desolat. Es gibt kaum Migranten aus Syrien und anderen islamischen Ländern, was positiv ist. Trotzdem hat Kanada viel zu viele Inder und Chinesen ins Land gelassen, die Parallelgesellschaften aufgebaut haben. Als ich erstmalig im Jahr 2000 nach Kanada kam, gab es 30 Millionen Einwohner, jetzt 43 Millionen, was ich für blanken Wahnsinn halte, denn fast alle der neuen Einwanderer leben in Toronto, Vancouver oder Montreal. In den USA habe ich nur gearbeitet und Urlaub gemacht, aber vor allem an der Westküste und in New York sieht man seit Jahren immer mehr Obdachlose und Drogenabhängige. Was in den USA spürbar ist, ist, dass die meisten Bürger sehr freundlich sind und Erfolg, Geld, Privateigentum, Freiheit und wenig Staatseinfluss positiv bewertet werden.

„Die vollkommen absurde Cancel-Culture ist total übertrieben“

Du kennst die Filmbranche in den USA, da drängt sich die Frage über bestimmte Gerüchte geradezu auf: Was ist dran an den Thesen über sexuelle Ausbeutung und pädophile Netzwerke in Hollywood? Und was denkst Du über den Fall Jeffrey Epstein?

Wenn Trump die Epstein-Akten nicht komplett veröffentlicht, werden sich viele seiner Fans von ihm abwenden, denn er hat immer wieder versprochen, diese Akten jedem zugänglich zu machen. Er hat seine Wähler dann belogen. Epstein hatte nicht nur selbst Sex mit Minderjährigen, sondern auch etliche seiner Freunde, und Trump war lange Jahre sein Freund, so wie Bill Gates, Bill Clinton und viele andere! Das würde ich nicht gleichsetzen mit Hollywood, wo seit ewigen Zeiten Sex eingesetzt wird, um Karrieren zu machen. Ein Puff Daddy, Harvey Weinstein, Bill Cosby, Roman Polanski und R. Kelly haben ihre Position ausgenutzt und sind zu weit gegangen und zu Recht verklagt worden, aber es wurden eben auch Karrieren von Stars wie Woody Allen, Kevin Spacey oder Armie Hammer fast vollständig beendet, obwohl diese entweder gar nicht verklagt wurden oder ihre Klagen gewonnen haben. Sie sind einfach vorverurteilt worden, und dann hatten alle Angst, noch mit ihnen zu arbeiten. Meinen neuen Film „Citizen Vigilante“ habe ich mit Armie Hammer besetzt, weil ich ihm wieder eine Chance geben wollte. Die vollkommen absurde Cancel-Culture ist total übertrieben, wo dann der Twitter- und Woke-Mob jeden, der mal einen Witz oder eine Bemerkung gemacht hat, die den woken Linken nicht gefällt, für immer aus der Öffentlichkeit verbannen will.

Du hattest gemeinsam mit Kai Blasberg den Podcast „Boll und Blasberg“, allerdings unterschieden sich Eure Ansichten über die Ukraine-Politik eklatant, was vermutlich dazu beitrug, dass dieses Projekt endete. Seither betreibst Du einen YouTube-Kanal, über den Du unter „Uwes Woche“ das Politikgeschehen kommentierst. Wird der Filmproduzent vor dem Ruhestand noch zum Politiker?

Uwe Boll: Kai beendete den Podcast, denn er hatte keine Lust mehr, mit mir zu diskutieren, während ich kein Problem damit habe, mit jeder politischen Meinung auszukommen und offen zu diskutieren. Es ist generell zu beobachten, dass die Fähigkeit zum Diskurs immer mehr verschwindet. Die Parteien, die TV‑Sender und die Medien in ihrer Berichterstattung entfernen sich von den Fakten und bilden sich ein, dass jeder, der eine andere Meinung zum Thema Migration oder Ukrainekrieg hat, ein Nazi ist und eingesperrt werden sollte. Sie begreifen auch nicht, dass es einen Unterschied gibt, ob jemand einen Politiker beschimpft oder Migranten junge Frauen vergewaltigen und Leute ohne Grund abstechen. Ich werde kein Politiker werden, aber mich immer so äußern, wie ich will, und meine demokratische Freiheit verteidigen.

Was hältst Du als langjähriger Buchautor und Filmproduzent von der deutschen Medienpolitik und wie beurteilst Du die bundesdeutsche Filmbranche hinsichtlich ihrer Qualität?

Uwe Boll: Als in den 60er und 70er Jahren der „Neue Deutsche Film“ durch Filmemacher wie Alexander Kluge, Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und andere erschaffen wurde, wurde 1968 auch die Filmförderanstalt FFA gegründet). In den folgenden Jahren wurden wichtige politische Filme erschaffen, die sich dann aber durch ein Übermaß an öffentlich-rechtlicher Förderung vom Publikum abwandten und sich nur noch darauf konzentrierten, die Jurys der Filmförderungen zu überzeugen. Das Publikum spielte und spielt bis heute für die Finanzierung keine Rolle, denn die Produzenten, Förderer und TV‑Redakteure haben den Geldfluss im Griff. Es ist eine geschlossene Gesellschaft aus ungefähr 60 Produktionsunternehmen, die jedes Jahr etwa zwei Milliarden Euro aus den Fördertöpfen und Sendern abgreifen. Die Gelder und Aufträge werden nicht nach Leistung oder Begabung vergeben, sondern ausschließlich durch langgewachsene Geschäftsbeziehungen.

Uwe Boll mit den Stars Burt Reynolds und Christian Slater beim Dreh seines 2007 erschienenen Films „In the
Name of the King: A Dungeon Siege Tale“. Bild: privat

„Ein Verbrechen der Politik am Volk“

Neben einem 2024 ausgestrahlten Film in den USA („First Shift“) begannst Du auch mit der Arbeit an einem Film zum Thema „Migration“ oder hast die Dreharbeiten bereits abgeschlossen: Was kann man zu diesem Film bereits „spoilern“? Beweggründe, grober Inhalt, Fazit?

Zwischen 2015 und 2020 habe ich keine Filme gedreht, da sich der Markt mit den Streamern brutal geändert hat und die DVD- und Blu-ray-Verkäufe einbrachen, die für meine Filme immer die wichtigsten Rückflüsse waren. Ab 2020 wurde immer klarer, dass es immer mehr Online-Rückflüsse geben wird, und so sah ich wieder Chancen, Filme zu machen. Ich startete mit dem deutschen Film „Hanau“ und die gesamte deutsche Presse attackierte mich, weil die Opferfamilien aus Hanau und der Bürgermeister meinen Film vorverurteilten – ohne ihn gesehen zu haben. Mein Film sollte der Beginn einer Trilogie mit dem Titel „Deutschland im Winter“ sein, aber natürlich wurde diese Trilogie von allen Sendern und Förderern abgelehnt, weil in Deutschland nur Filme gefördert werden, die zeigen, wie toll die Migranten sind. Bei „Hanau“ wurde mir klar, warum die Familien gegen den Film waren, denn sie hatten Klagen gegen die Polizei laufen.

Mein Film bildet die Tatnacht nach und daraus geht hervor, dass die Polizei keine Chance hatte, das Massaker zu verhindern. Die wirkliche Verfehlung war, dass der Täter noch seine Waffen besitzen durfte, obwohl er schwer geistesgestört war. Nach dieser Erfahrung habe ich Deutschland als Filmland komplett abgehakt und habe meine Trilogie als amerikanische Produktion weitergeführt. „Run“ wurde in Kroatien gedreht und zwar in englisch und italienisch. Der Film versammelt Weltstars wie Amanda Plummer („Pulp Fiction“), Ulrich Thomsen („Das Fest“), James Russo („Es war einmal in Amerika“) und Barkhad Abdi („Captain Philips“) und spielt in einem italienischen Küstenort, in dem täglich Boote mit Migranten ankommen. An dem besagten Tag gerät alles außer Kontrolle, als ein Bootsflüchtling einen Jugendlichen umbringt. Der Film wurde gerade in die USA verkauft und kommt im Herbst raus. Vorher hatte ich noch den New Yorker Polizeifilm „First Shift“ gedreht, der bei Paramount+ und Showtime 20 Wochen in den Top Ten war. In Deutschland ist „First Shift“ jetzt auch bei Amazon und Apple zu sehen, genauso wie meine Dokumentation über den Bandidos MC. Die Trilogie abgeschlossen habe ich mit „Citizen Vigilante“, der jetzt in der Post Production ist und mit Armie Hammer einen echten Star als Hauptdarsteller hat, der wie bei „Ein Mann sieht Rot“ mit Charles Bronson mit Verbrechern aufräumt.

Dieser Film ist der radikalste und härteste, den ich seit langem gedreht habe, denn ich habe ihn den vielen von Migranten vergewaltigten und abgestochenen Frauen, Kindern und Männern gewidmet, die vom Rechtsstaat im Stich gelassen wurden und werden. Wenn Vergewaltiger und Mörder lächerlich kurze oder gar keine Haftstrafen bekommen und auch nicht abgeschoben werden, obwohl sie keinen Asylstatus haben, dann ist das ein Verbrechen der Politik am Volk. Dieser Film kommt dann nächstes Jahr raus. Ich würde mich freuen, wenn die Leser dieses Interviews meine Filme mal auf Amazon oder Apple finden und ansehen würden. Besonders „Assault on Wall Street“, „Rampage“, „Darfur“ und „Tunnelratten“ kann ich empfehlen.

Uwe, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview wurde von Sascha A. Roßmüller geführt.

Uwe Boll, geb. 1965 in Wermelskirchen, Autor, Regisseur und Filmemacher mit einem Doktortitel in Literaturwissenschaft. Boll hat mit einigen der bedeutendsten Namen Hollywoods zusammengearbeitet. In „BloodRayne“ (2005) kollaborierte er mit dem Oscar-Preisträger Ben Kingsley („Ghandi“). Sein Film „In the Name of the King: A Dungeon Siege Tale“ (2007) versammelte eine Riege internationaler Superstars wie Jason Statham, Ron Perlman, Burt Reynolds und Christian Slater. Im Film „Far Cry“ (2006) spielte Til Schweiger die Hauptrolle. Im September 2010 gewann Boll mit „Darfur“ auf dem New York International Independent Film & Video Festival den Preis für den besten internationalen Film. Seine 2022 erschienene Dokumentation „Hanau“ führte zu zahlreichen politischen Kontroversen.


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