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Am Flughafen Leipzig/Halle wurde in der Nacht zum 5. August 2026 eine Drohne nahe einem ukrainischen Antonov-Frachtflugzeug entdeckt, an der eine verdächtige Masse mit Zünder befestigt war. Der Flugbetrieb wurde daraufhin vorübergehend eingestellt, und die Polizei setzte einen Sprengstoffroboter ein. Kritiker der seit 20 Jahren anhaltenden Militarisierung des Flughafens sehen sich bestätigt. Sie hatten immer davor gewarnt, dass der Flughafen zum Anschlagsziel werden könnte.
Der Flughafen Leipzig/Halle (LEJ) gilt offiziell als eines der wichtigsten zivilen Luftfrachtdrehkreuze Europas – Heimat des DHL-Hubs und Umschlagplatz für Millionen Tonnen Fracht. Doch hinter der Fassade eines „normalen“ Verkehrsknotenpunkts hat sich seit Jahren eine militärische Infrastruktur entwickelt, die den sächsischen Standort zu einem zentralen NATO-Drehkreuz macht. Antonov An-124-Maschinen starten und landen hier für Operationen des nordatlantischen Bündnisses, US-Truppen werden verlegt, Waffen und Gerät transportiert. Die jüngste Erweiterung – der Bau eines 24.000 Quadratmeter großen Hangars durch Antonov Logistics Salis bis 2027 – unterstreicht diese Entwicklung.
„Sie können dranpinseln, was sie wollen“
Das in Leipzig angewendete Modell zur völkerrechtswidrigen Militarisierung Mitteldeutschlands trägt den Namen „Salis“, was ausgeschrieben für „Strategic Air Lift Interim Solution“ steht. Dieses Konzept soll den Zugriff auf schnelle Transportkapazitäten für große Militärausrüstung bis hin zu gepanzerten Fahrzeugen sichern. Die Geschichte beginnt im Jahr 2006. Die Maschinen wurden damals von der russisch-ukrainischen Privatfirma „Ruslan Salis GmbH“ vermietet und sollten erklärtermaßen für Flüge in Kriegs- und Krisengebiete eingesetzt werden. Bei diesem Einsatz von als „privat“ deklarierten Großraumtransportern handelte es sich um eine sehr einfach zu durchschauende Tarnung militärstrategischer Ambitionen der NATO und der EU. Das Bundesverteidigungsministerium, damals noch geleitet vom CDU-Politiker Franz Josef Jung, sprach in einer Verlautbarung von der Schaffung von „entscheidenden operationellen Voraussetzungen für den Einsatz schneller Eingreifkräfte“ und von einer „gesicherten strategischen Verlegefähigkeit“.

Der damit in Kauf genommene offene Bruch des 1991 ratifizierten „Zwei-plus-Vier-Vertrages“, in dem vereinbart wurde, dass keine NATO-Kontingente und keine schweren Angriffswaffen des Bündnisses auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert werden, liegt auf der Hand. Durchaus treffend formulierte es der damalige sächsische PDS-Landtagsabgeordnete Volker Külow in einem am 24.März 2006 veröffentlichten Interview mit der „jungen Welt“:
„An den Rumpf der Großraumtransporter können sie dranpinseln, was sie wollen. Das Militärische und Bedrohliche hat nichts mit dem Anstrich zu tun, sondern mit dem Zweck der künftigen Flüge – und der ist eindeutig militärstrategisch. Im Übrigen ist die Art, wie die beiden Flugzeuge hier stationiert werden, wie die Besatzungen in ständiger Einsatzbereitschaft gehalten werden und wie vier weitere Flugzeuge in der zweiten Staffel dieser fliegenden Eingreiftruppe gehalten werden, Beleg genug für den durch und durch globalstrategischen Charakter der Angelegenheit.“
In den Folgejahren diente das NATO-Drehkreuz Leipzig-Halle dann vor allem zur Verlegung von US-Soldaten in den Irak. Bis etwa 2016/2017 existierten parallel Verträge mit Ruslan SALIS als Tochter von Volga-Dnepr und der ukrainischen Antonov-SALIS-Gesellschaft. Ab 2019 übernahm die Antonov Logistics SALIS GmbH und damit eine hundertprozentige Tochter des bekannten ukrainischen (früher sowjetischen) Flugzeugherstellers den alleinigen Vertrag mit der NATO. Die Ruslan SALIS GmbH wurde daraufhin aufgelöst. Kurz nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine verlegte Antonov seine operative Basis dann von Hostomel bei Kiew nach Leipzig. Von der Pleißestadt aus werden seither die Flüge für das NATO-SALIS-Programm, für die ukrainische Regierung und Transporte von Gütern aller Art durchgeführt. Die Verlegung umfasste nicht nur die Flugzeuge, sondern auch Personal, Ersatzteile und den Aufbau einer vollwertigen Operationszentrale. Sicher, die USA sind nicht direkt an der Antonov Logistics SALIS GmbH beteiligt, aber bei einem Eintritt Deutschlands in den US-Krieg gegen den Iran würden natürlich alle hierzulande bestehenden militärischen und logistischen Strukturen genutzt werden. Der NATO ist in Leipzig der erste große Durchbruch bei der Militarisierung Mitteldeutschlands gelungen, und schon jetzt zeigt sich, dass das zahlreich irreversible und gefährliche Folgen hat, auch wenn die Hintergründe des Drohnenfundes natürlich erst noch aufgeklärt werden müssen.
■ Arne Schimmer
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