SpaceX verfolgt ein neues energiewirtschaftliches Konzept, das auf orbitalen KI-Rechenzentren („Orbital AI Compute“) basiert, die mit Solarenergie im Weltraum betrieben werden. Dies ist Teil der Vision, die Energie- und Rechengrenzen auf der Erde zu überwinden und eine skalierbare Infrastruktur für die KI-Entwicklung aufzubauen. Energie effizient nutzen – aber wie? Der rote Faden der Ausgabe „Energie-Wahnsinn: Sachsen sucht den Ausweg“ ist die Frage, worauf wir uns konzentrieren sollten in Zeiten der kollektiven existentiellen Bedrohung. Die Bundesregierung macht keinen Hehl daraus, dass es sich auf jeden Fall lohne, die gesamtdeutsche Energieversorgung in eine noch nie dagewesene Krise zu manövrieren. Das Gedankenspiel, welche theoretischen Chancen für eine Energieautarkie Sachsens bestehen, führt zu verschiedenen Überlebensmodellen. HIER dieses hochbrisante und spannende Heft bestellen!
Kann man mal machen: am Freitag etwas mehr dazuverdienen, sagen wir 900 Milliarden, und dafür Samstagmorgen etwas länger schlafen. So ging es wohl letzte Woche Elon Musk nach dem Börsengang des Raumfahrt- und Technologieunternehmens SpaceX. Zu Handelsende war die Firma über zwei Billionen Dollar wert. Zum Ausgabepreis von 135 Dollar wurden 555,6 Millionen Aktien für 75 Milliarden Dollar verkauft. 2019, beim bislang größten Börsengang, hatte die saudi-arabische Ölfirma Aramco nur 29 Milliarden Dollar eingenommen. Damit ist das neue Unternehmen bereits mehr wert als der Facebook-Konzern Meta, der aktuell 1,45 Billionen Dollar auf die Waagschale bringt. Auch den Elektroautobauer Tesla überrundete SpaceX. Teurer waren am 12. Juni nur noch NVIDIA mit knapp 5 Billionen Dollar, gefolgt von Alphabet und Apple mit Werten oberhalb der 4-Billionen-Marke, Microsoft mit 2,9 Billionen Dollar und Amazon mit 2,5 Billionen Dollar. Mit dem Schlusskurs von 192,5 Dollar am zweiten Handelstag dürfte SpaceX Amazon bereits erreicht haben. In den Startlöchern stehen der ChatGPT-Erfinder OpenAI und sein Rivale Anthropic, die ähnliche Höhenflüge versprechen.

Die neue Goldgräberstimmung hat mit dem erdnahen Weltraum zu tun, dem sogenannten Low Earth Orbit (LEO). Das sind Umlaufbahnen in Höhen von etwa 150 bis 2.000 Kilometern. Dort befinden sich die meisten Kommunikations-, Erdbeobachtungs- und Aufklärungssatelliten sowie die Internationale Raumstation. Der Vorteil des niedrigeren LEO-Segments besteht darin, dass Satelliten vergleichsweise kostengünstig dorthin gebracht werden können und die Signalverzögerungen deutlich geringer sind als bei weit entfernten Satelliten.
Der Orbit steht offen
SpaceX hat mit seinen wiederverwendbaren Falcon-9-Raketen die Kosten für den Zugang zum Weltraum drastisch gesenkt – von etwa 50.000 Dollar auf rund 20.000 Dollar per Kilogramm. 1.000 Dollar werden nun als nächstes Ziel genannt. Musk sprach sogar von 300 Dollar. Vergleichbar ist diese Entwicklung mit dem Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert oder der Containerisierung des Welthandels im 20. Jahrhundert. Durch den billigeren Zugang in den Orbit werden Geschäftsmodelle rentabel, die früher an den hohen Startkosten gescheitert wären. Deutlich wird dies am Satellitennetzwerk Starlink. Tausende Satelliten sollen weltweit Internetzugänge bereitstellen und dabei unabhängig von terrestrischen Netzen funktionieren. Wer einen großen Teil dieser Infrastruktur kontrolliert, verfügt über einen erheblichen strategischen Vorteil, vergleichbar mit dem Besitz wichtiger Eisenbahnlinien oder Telekommunikationsnetze in früheren Epochen.

Die gegenwärtige Goldgräberstimmung entsteht deshalb aus der Erwartung, dass im Low Earth Orbit künftig milliardenschwere Märkte entstehen. Dazu gehören Satelliteninternet, Erdbeobachtung, Wetter- und Klimadaten, landwirtschaftliche Anwendungen, militärische Aufklärung, globale Kommunikation und industrielle Produktion unter Bedingungen der (Fast-) Schwerelosigkeit, der sogenannten Mikrogravität. Besonders reizvoll sind hier Medikamente und industrielle Verbindungen, deren Herstellung auf der Erde extrem teuer ist. Wie während eines Goldrausches der größte Profit an die Bereitsteller von Schaufeln, Eisenbahnen oder Unterkünften ging, dürften im neuen Weltraumzeitalter Akteure besonders profitieren, die Transportkapazitäten, Startdienste und Kommunikationsnetze bereitstellen.
Kontrolle der Erdbevölkerung
Kritiker befürchten eine Vermüllung und Vergiftung des LEO. Die EU möchte bereits das Schmiermittel PFAS reglementieren, das bislang in den Satelliten steckt. Das Deorbiting defekter Satelliten wird aufwändiger. Die Starlink-Satelliten werden in schnell aufeinanderfolgenden Generationen weiterentwickelt und besitzen eine Lebensdauer von etwa fünf Jahren. Für höhere Orbits wird auch eine Strategie erprobt, eine Art Friedhof zu schaffen auf einem Niveau, von dem die Geräte weder nach oben noch nach unten ausbrechen können.
Und es ist die neue drohende All-Macht der Kontrolle der Erdbevölkerung, für die es nun keine Schlupfwinkel mehr geben wird. Das Thema Geo-Engineering wird somit vom Problemfeld zum selbstverständlichen Geschäftsbestandteil.
■ Jochen Stappenbeck
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