Der Block der Fans der ÖFB-Elf bei einem Länderspiel gegen Russland 2014 im Ernst-Happel-Stadion von Wien. Bild: Benutzer:Pumuckl122 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37461396.

„I wer’ narrisch“ – Österreich nach 72 Jahren wieder in der K.-o.-Runde einer WM

Rot – weiß – roter Irrsinn in Kansas City

🤍 💚 ⚽️ Die Fußball-WM läuft – Mit dem sächsischen Nationaltrikot erregt Ihr beim Public Viewing garantiert Aufsehen! 💥 In den Biergärten Sachsens und auch darüber hinaus ist es überall zu sehen und immer noch stark gefragt – die warmen Tage dauern schließlich auch noch ein bisschen. Greift jetzt zu und sichert Euch rechtzeitig zum größten Fußballturnier der Welt das sächsische Nationaltrikot. 💥 Das Beste: Für weniger als 20 Euro erhaltet Ihr das Trikot aus Funktionsgewebe in allen Größen. Der Hingucker in jedem Biergarten und jeder Kneipe zur Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada! HIER zugreifen!

Was war das denn? Das letzte Gruppenspiel dieser WM zwischen Österreich und Algerien war gleichzeitig auch das Unterhaltsamste und Verrückteste des bisherigen Turniers. Das 2:2 nach dem Ende der regulären Spielzeit hätte beiden Mannschaften zum Weiterkommen gereicht. Doch dann traf Riyad Mahrez in der 93. Minute zum 3:2 für Algerien. Österreich war praktisch ausgeschieden, der deutsche TV-Kommentator sprach schon von der Rache Algeriens für die „Schande von Gijon“ bei der Fußball-WM 1982 in Spanien. Doch dann glich Sasa Kalajdžić vom Linzer ASK mit einem Kopfball in der 96. Minute und somit in der Nachspielzeit der Nachspielzeit aus. Österreich hat damit das Sechzehntelfinale der WM erreicht und wird nun am 2. Juli in Los Angeles gegen Spanien erstmals seit 72 Jahren wieder ein K.-o.-Spiel bei einer Fußball-WM bestreiten.

Die österreichische Fußball-Geschichte weist ausgeprägte Höhen und Tiefen auf. In der Zwischenkriegszeit sorgte das österreichische „Wunderteam“ mit flüssigem Kombinationsfußball für Schlagzeilen, Deutschland galt demgegenüber nur als Fußball-Entwicklungsland. Im Frühsommer 1931 besiegte Österreich Deutschland in Berlin erst mit 6:0 und im Rückspiel im Wien dann nochmals mit 5:0. Österreichs Superstar Matthias Sindelar galt als erste „falsche Neun“ der Fußballgeschichte – also ein Mittelstürmer, der sich häufig tief nach hinten fallen ließ, um von dort aus das Spiel zu lenken. Bei der von hochgesteckten Erwartungen begleiteten WM in Italien 1934 schied das „Wunderteam“ unglücklich gegen die Gastgeber aus, die damals vom Schiedsrichter bevorzugt worden sein sollen. Wirklich enttäuschend für die Österreicher war damals allerdings die am 7. Juni 1934 in Neapel mit einem Ergebnis von 2:3 erlittene Niederlage im Spiel um Platz 3 gegen das Deutsche Reich, das man bis dahin fast nach Belieben dominiert hatte.

Kurt Schmied: Goalie mit Hitzeschlag

Bei der WM 1954 in der Schweiz gelang Österreich das bislang einzige Mal der Sprung unter die drei besten Fußball-Nationen der Welt. In Erinnerung geblieben ist die „Hitzeschlacht von Lausanne“ im Viertelfinale gegen die Schweiz. Österreich gewann mit 7:5, es ist bis heute das torreichste Spiel der WM-Geschichte geblieben. Österreichs Torwart Kurt Schmied erlitt einen Sonnenstich, durfte nach den damaligen Regeln aber nicht ausgewechselt werden und musste von einem hinter dem Tor stehenden Masseur dirigiert werden. Das Halbfinale verlor man gegen den späteren Weltmeister Deutschland mit 1:6, das Spiel um Platz 3 konnte man allerdings gegen Titelverteidiger Uruguay am 3. Juli 1954 in Zürich mit 3:1 gewinnen. Das war bis 2026 das letzte K.-o.-Spiel der österreichischen Fußball-Geschichte.

Die österreichische Mannschaft bei der WM 1958, die damals in der Vorrunde ausschied. Korsettstange auf dem Spielfeld war Ernst Happel, später Star-Trainer auf internationaler Ebene. Bild: Benutzer:Pumuckl122 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre erlebte der österreichische Fußball eine dritte Erfolgsphase. In der damaligen Zeit wurden die Weltmeisterschaften aber nach einem anderen Modus gespielt. Auf die Gruppenphase in der Vorrunde folgte eine zweite Gruppenphase in einer Zwischenrunde. K.-o.-Spiele gab es erst ab dem Finale (so 1974 und 1978) oder dem Halbfinale (so 1982). Die ÖFB-Elf war damals an zwei der berühmtesten WM-Spiele aller Zeiten beteiligt, nämlich dem „Wunder von Córdoba“ 1978 und der „Schande von Gijon“ 1982.

„Wir busseln uns ab“

Bei der WM 1978 konnte Österreich in der Vorrunde die bärenstarke Gruppe 3 gegen Gegner wie Brasilien, Spanien und Schweden als Gruppenerster abschließen. In der Zwischenrunde verlor man allerdings die ersten beiden Spiele gegen die Niederlande und gegen Italien, so dass Österreich vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Bundesrepublik Deutschland schon ausgeschieden war. Die DFB-Elf hätte hingegen mit einem Sieg das Finale in Buenos Aires erreicht. Das Spiel wurde in Córdoba, der zweitgrößten Stadt Argentiniens, ausgetragen. Österreich siegte mit 3.2 und schickte den Titelverteidiger damit nach Hause. In der kollektiven Erinnerung ist der Kommentar des legendären Radio-Reporters Edi Finger geblieben, der ins Mikrophon schrie:

„Da kommt Krankl (…) in den Strafraum – Schuss … Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer’ narrisch. Krankl schießt ein – 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals; der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch – wir busseln uns ab. 3:2 für Österreich durch ein großartiges Tor unseres Krankl. Er hat olles überspielt, meine Damen und Herren. Und warten S’ noch ein bisserl, warten S’ no a bisserl; dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen. (…) Jetzt hammas gschlagn!“

Bei der WM 1982 in Spanien trafen die Bundesrepublik und Österreich dann in der Vorrunde aufeinander. Nach dem frühen 1:0 der DFB-Elf durch Horst Hrubesch einigten sich beide Mannschaften auf einen Nichtangriffspakt, der beiden zum Weiterkommen reichte. Das Nachsehen hatte Algerien, das sich als erste afrikanische Nation für eine WM-Zwischenrunde hätte qualifizieren können. Die Aufregung über diese „Schande von Gijon“ war gigantisch (und insgesamt auch etwas übertrieben).

Dann folgte eine lange Durststrecke für den österreichischen Fußball. Zwar gelang noch die Qualifikation zur WM in Italien 1990 und zur WM in Frankreich 1998, wo man aber jeweils in der Vorrunde ausschied. Österreichs letzter WM-Sieg vor 2026 datiert übrigens vom 19. Juni 1990 (also der Zeit vor der Wiedervereinigung), als man sich bei der WM 1990 in Italien mit 3:1 gegen die USA durchsetzte. Diese rabenschwarze Serie wurde fast genau auf den Tag 36 Jahre später durch den 3:1-Erfolg der ÖFB-Elf gegen Jordanien in San Francisco beendet. Das jetzige Weiterkommen des ÖFB-Teams ist ein weiterer beeindruckender Erfolg des deutschen Trainers und Teamchefs Ralf Rangnick, der erneut bewiesen hat, dass er jede Mannschaft besser macht, die er übernimmt. Mit vier Vereinen stieg der gebürtige Backnanger sechsmal auf. Nun beendet er eine schier endlos erscheinende Durststrecke in der ÖFB-Geschichte. Auf die „Hitzeschlacht von Lausanne“, das „Wunder von Córdoba“ und die „Schande von Gijon“ folgte nun der „Thriller von Kansas City“. Spanien wird sich im Sechzehntelfinale vor diesen Österreichern in Acht nehmen müssen!

 Arne Schimmer

Abonniert unseren Telegram-Kanal https://t.me/aufgewachtonline

Abonniert unseren X-Kanal: https://x.com/AufgewachtS


Kostenlose AUFGEWACHT-Leseprobe herunterladen: https://aufgewacht-online.de/leseprobe/

AUFGEWACHT Online

Abonnieren Sie die Stimme des Widerstands

Cookie-Einwilligung mit Real Cookie Banner