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Am 12. August 2026 durchquert der Kernschatten des Mondes, von Grönland und Island kommend, die nördliche Hälfte Spaniens von West nach Ost. Am 2. August 2027 zieht die nächste totale Sonnenfinsternis über Südspanien, Nordafrika und den Nahen Osten. Am 26. Januar 2028 folgt eine ringförmige Finsternis, deren Zone von Südportugal quer durch Spanien bis in den Nordosten reicht. Der spanische Astrophysiker Alejandro Sánchez de Miguel bezeichnete dieses „Trío Ibérico“ als eine in Europa einzigartige Koinzidenz: Eine vergleichbare Dreierfolge werde es seinen Berechnungen zufolge in den kommenden 3.000 Jahren nicht wieder geben. Auch die diesjährige Finsternis ist für Spanien außergewöhnlich: Auf dem spanischen Festland war seit 1905 keine totale Sonnenfinsternis mehr sichtbar. Rund 40 Prozent des Staatsgebiets liegen 2026 in der Totalitätszone. Die Verdunkelung erfolgt am Abend bei tief stehender Sonne; der Kernschatten durchquert 13 autonome Gemeinschaften und 31 Provinzen.
Während die einen Abendländer neugierig zum Himmel schauen, warnen die anderen just davor. Gemäß voraufklärerischer Tradition sind Finsternisse keine kostenlosen Open-Air-Spektakel, sondern etwas Gefährliches. Sonne und Mond sind Träger von Licht, Wärme, Leben sowie weltlicher Ordnung. Die plötzliche Verdunkelung des Lichtes wird als Störung dieser Ordnung gelesen. Selbst den Singvögeln verschlägt es für einen Augenblick die Stimme. Für den Astrologen blockieren Finsternisse den Fluss der solaren oder lunaren Energie und erzeugen ein Vakuum. Deshalb der Rat, während einer Finsternis drinnen zu bleiben, keine wichtigen Vorhaben zu beginnen und keine entscheidenden Äußerungen oder Beschlüsse zu erzwingen, weil Wahrnehmung und Urteilskraft gleichsam überschattet seien.
Die politische Astrologie hat in protestantisch geprägten Ländern keinen guten Stand, mehr Toleranz findet sie in katholischen und orthodoxen Ländern. In Italien sind Sterndeuter wie Francesco Faraoni und Manuela Livi, in Russland Pavel Globa so bekannt wie hierzulande Dieter Bohlen.
Folgt der Hybris die Nemesis?
Die Aussichten der Astro-Experten sind für Spanien und Europa angesichts des „Trio Infernal“ selbstredend keine rosigen. Pavel Globa sieht in den jüngsten Vorgängen in Ceuta bereits ein „Großes Trapez“ am Werke, das aus vier langsamen Planeten gebildet wird und nun durch die Reihe der Finsternisse zur Entfaltung geführt werde, was letztlich in Richtung EU-Abwicklung führe. Globa hatte punktgenau die Auflösung der Sowjetunion vorhergesehen. Allerdings sollte die EU nach ihm schon 2012 auseinanderkrachen, so äußerte er sich zumindest 2010 gegenüber dem Autor dieser Zeilen in einem Interview für die „Moskauer Deutsche Zeitung“. Einen Volltreffer landete er damals allerdings mit der gewagten These, die Welt werde Ende 2012 mit dem Ende des Maya-Kalenders nicht untergehen.
Wenn wir schon beim unseriös Spekulativen sind: Deutschland schoss sich 2014 in den Fußballhimmel, im Folgejahr wurden die Höllentore der Umvolkung geöffnet. Spanien vernaschte dieses Jahr den Rest der Rasen-Zunft im Vorübergehen. Lassen die neidischen Götter nun ebenso der Hybris die Nemesis folgen? An gottgleichen globalen Akteuren mangelt es ja nicht. Aber vielleicht ist das mit dem Fußball nur ein Zufall. Denn auch für Deutschland hatten wir einen verdächtigen astrologischen „Destabilisierungsmarker“: Am 20. März 2015, bemerkenswerterweise genau zur Tagundnachtgleiche, also zum astronomischen Jahresbeginn, ereignete sich eine totale Sonnenfinsternis, die in Deutschland sehr ausgeprägt partiell zu sehen war. Je nach Standort waren knapp 60 bis annähernd 80 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. So viel, wie erst wieder am 12. August. In Südbayern sind es bis 90 Prozent. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird Deutschland erst wieder am 3. September 2081 treffen.
■ Jochen Stappenbeck
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